St. John’s/Antigua

An diese Insel erinnere ich mich gut. Die Bürgersteige sind hochproblematisch im wahrsten Sinne des Wortes, die Straßen in gefährlichem Zustand und der Linksverkehr kann leicht zum Anstoß werden. Doch die örtliche Kirche ist wunderbar, leider lassen wir sie heute links liegen und begeben uns Richtung Markt. Selbiger ist überschaubar, die Gewürze sind extrem teuer aber immerhin steht der geschmückte Weihnachtsbaum im Park davor immer noch, ein Hingucker. Außerdem fällt mir ein kleines Kakteenbeet auf, das einen bemerkenswerten optischen Akzent setzt. Mit Blick zum Boden – sogenannte Bürgersteige sind Stolperfallen allererster Güte – begeben wir uns zurück zum Hafen. Selbst ein eigentlich netter Bootssteg entpuppt sich als riesiges Spielcasino mit großer Veranda 🤨 – endlich können wir wieder unser Schiff entern. Die karibischen Inseln überraschen immer wieder neu mit ihrer Lebensqualität: ein sehr breites Spektrum. – Wenn ich im Vergleich dazu „Empörung“ spüre weil in der „Außenalster“ die Weißwürste ausgegangen sind, lugt schon ein klein wenig Scham um die Ecke😉. Uns geht es ohne jeglichen Zweifel derzeit unverschämt gut und eine tiefe Dankbarkeit bricht sich Bahn. Verdient haben wir es nicht aber darüber klagen wäre extrem unangemessen. Große Freude und Dankbarkeit erfasst mich – es ist ein heller Wahnsinn was Gott uns im letzten Lebensabschnitt noch alles ermöglicht. DANKE VIELMALS 🙏🙏🙏! Antigua hat mir wieder vor Augen geführt auf welch hohem Niveau wir Pfeffersäcke leben.

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Road Town/Tortola

Das mit dem Aufstehen beim Anlegen wird wohl ein einmaliges Event bleiben, die Transformation von Eule zur Lerche ist offensichtlich gescheitert 🤔😢, aber ich kann damit gut leben 😇. Inzwischen habe ich festgestellt, dass wir gar nicht im Diamanten sondern direkt darunter frühstücken. Macht aber nichts, es ist und bleibt ein herrliches, ruhiges, tolles Morgenerlebnis, selbst wenn ich mit dem ach so frühen Essen immer noch meine Probleme habe (und wohl auch behalten werde). Isso. – Uns begrüßt ein kräftiger Regenschauer, so ist die Karibik eben: Hitze und warmer Regen, zu unserem Glück entlädt sich der Himmel während der Morgenmahlzeit. – Road Town auf Tortola entpuppt sich – auch bei deutlich weiterem Vordringen als beim letzen Mal 2023 – deutlich stärker als Road denn als Town. Immerhin treffen wir auf unserer Citysuche einen Nachkommen des Hahns aus 2023 wieder, wenn mir sein Lebensumfeld, die Wiese, auch deutlich kleiner vorkommt. Fast wäre ich über dieses Städtchen zu einem negativen Urteil gekommen, wenn wir nicht im Cruise-Touri-Viertel einen Shop gefunden hätte, der mir mittels der Shoppingkraft meiner Süßen ein neues, starkes, schickes, weißes Freizeitsommerhemd beschert. So wird alles gut. – Auf dem Kahn genieße ich mein erstes Weizenbier, hoch oben in der Außenalster. Gekrönt wird das Erlebnis durch ein Chili con Carne, herzhaft zubereitet, perfekt. – Die Sonne brennt massiv auf die Haut aber so ist sie die Karibik. – Den Tag lassen wir in der uns üblichen Weist ausklingen und auch der Schlaf bringt keine Highlights hervor – na und: ein wenig fehlende nächtliche Ruhe ist auf einer Kreuzfahrt kein erwähnenswertes Problem 😀🍸😉.

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Philipsburg/Saint Maarten

Früh am Morgen bin ich wach und erlebe, Wunder über Wunder, tatsächlich die frühmorgendliche Ankunft in der Karibik, im Hafen von Philipsburg/St. Maarten. Eine lange Reise kommt in der Zielregion an. Wunderbar. Nach diesem mich arg berührenden Erlebnis falle ich nochmal ins Bett und lasse mir Zeit bis zum tatsächlichen Aufstehen. Wir haben keinen Ausflug gebucht, eine Rundreise absolvierten wir schon 2023, so können wir uns Zeit lassen mit dem Akklimatisieren. So eine Landklima mit gefühlt über 30 Grad schlägt sich schon deutlich auf meinen Kreislauf nieder. Wir nehmen uns Zeit für einen Spaziergang ins Hafenviertel, stellen aber schnell fest, dass wir mit uns viel Geduld haben müssen. – Zurück auf dem Schiff tut uns ein kühles Helles sehr wohl – ich bin zwar kein sonderlich begeisterter Biertrinker aber bei solchen Temperaturen gibt es wenig Gleichwertiges. – Abends lauschen wir dem letzten Vortrag über die karibischen Inseln. Barbados ist das Thema, die einzige Karibikinsel, die rundum vom Atlantik umspült wird. Auch dieses Eiland haben wir 2023 per Rundreise erkundet und so kommt uns vieles im Referat sehr vertraut vor. Der Lektor widmet sich dabei immer einem Seefahrtsthema, heute sind es die Signale des Schiffshorns, die durchaus ihre Bedeutung haben. Hochinteressantes, leider ebenso überflüssiges, Wissen (bei begrenzter Gedächtniskapazität im Alter, seufz). – Völlig baff bin ich dagegen in der Schaubar, sie ist nahezu leer. Sonst herrschte hierorts immer extremer Platzmangel. Meine Mitreisenden überraschen mich immer wieder neu. So lerne ich zwei Cocktails kennen: Red Wind und Long Island Ice Tea. Letzterer mit überaus seltsamen Zutaten, aber nicht unlecker. Leicht beschwingt geht es Richtung Koje. Ich mag die Karibik. Der Schlaf dagegen bringt es gerade mal auf 58 Punkte. Aber was macht das schon auf einer Kreuzfahrt?

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Der letzte Seetag vor der Karibik

Uns trennt noch ein Seetag bis zum ersehnten Ziel. Die Temperaturen erreichen bereits ein äußerst angenehmes Niveau, auf dem Balkon ist der Sommer angekommen. Trotzdem begeben wir uns zum vorletzten Karibikinsel-Vortrag ins Theater. Heute hat sich unser Lektor die ursprünglichste Insel vorgenommen, Dominica, die an einem Sonntag entdeckt wurde und allein diesem Zufall ihren Namen verdankt. Die Besiedlung geschah wie bei den übrigen Inseln, nur dass die Europäer sich mehr Zeit ließen angesichts nicht vorhandener Bodenschätze, unzugänglicher Regenwaldlandschaft und äußerst kriegerischer Kariben. Doch letztlich wurde der gewinnträchtige Zuckerrohranbau samt Sklavenhandel der Insel zum Verhängnis. Nach anfänglichen französischen Besiedlungsversuchen, dann spanischen Eroberungen wurde die Insel schließlich dem britischen Empire einverleibt. Sie gehört heute noch zu den ärmsten karibischen Staaten, selbst der Tourismus ist nicht sonderlich ausgeprägt. – Wir genießen den Tag überwiegend auf unserem Balkon und ich bin hin und weg von der freundlichen Atmosphäre rund um mich herum. Schön ist’s hier. Ehrlich. Den Vortrag des angeblich so beliebten Comedians C. Heiland sparen wir uns gänzlich, weder vor Ort noch virtuell interessiert er uns. Er ist nicht unser Ding, sendet nicht auf unserer Wellenlänge und irgendwie an uns vorbei. Es ist wie es ist. So wird es ein toller Balkonabend, ruhig, literarisch unterhaltsam und durchweg an frischer Warmluft. Faszinierend.

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Sklaverei, Tourismus und Varietékünstler

Irgendjemand hat einen Fehler gemacht und das ist sehr gut. Ausnahmsweise gibt es zwischen zwei Vorträgen dreißig Minuten „Wechselzeit“. Ich habe also genügend Zeit, um den ersten geistig zu verarbeiten, kann beim zweiten Vortrag mir noch einen vernünftigen Platz aussuchen und vermeide so jeglichen Stress. So erfahre ich erschütternde Fakten über den Tabak- und Zuckerrohranbau sowie die Rolle der aus Afrika verschleppten Sklaven. Wer danach noch behaupten kann der Mensch sei im Grunde seines Wesens gut, hat offensichtlich nicht zugehört. Furchterregend, grausamst und schrecklich beschreibt das Wesen der Sklaverei nur oberflächlich und verharmlosend. Es herrschten bösartige Zustände, bei weitem nicht nur bezüglich des Schicksals dieser Gruppe, ebenso erging es der einheimischen Bevölkerung, ja selbst unter den Weißen regierte Angst und Schrecken. Schockierende Zustände! Gut, dass dreißig Minuten zum Umschalten bleiben bis zur Präsentation über St. Johns mit der Hauptstadt Castries. So finde ich mich langsam in der Realität wieder und schiebe die Historie gedanklich nach hinten, wiewohl alle karibischen Inseln immer und ausnahmslos mit Sklaverei, Zwangsarbeit und Machtmissbrauch verbunden sind. Ihre Vergangenheit war schon vor Ankunft der europäischen Eroberer durch Gewalt geprägt. Die Kariben, ehemals Menschenfresser, hatten bereits die Ureinwohner weitgehend ausgerottet und wurden durch die Eroberer nicht weniger brutal niedergemacht. Von wegen Paradies – weit entfernt davon. Okay, heute gibt es schöne Strände, Touristen, die eher Flurschäden anrichten aber immer noch einen geringen Durchschnittsverdienst und niedrigen Lebensstandard. Die Natur dagegen ist prächtig und ohne die Hurrikans gäbe es hier schon eine recht paradiesnahe Umwelt. Doch Stürme, Vulkane und Erdbeben trüben das Bild zusätzlich. Das Bild, das wir Touristen vor Augen haben ist, wie könnte es anders sein, ein oberflächliches Trugbild. – Abends vergnügen wir uns bei einer Varieté-Show im Theater. Die Artistik begeistert, die Clowns kann man mögen und die Musik ist laut und englisch aber immerhin stimmsicher vorgetragen. Nett. Wir stellen unsere Uhren ein letztes Mal eine Stunde zurück bevor wir uns dem Schlaf hingeben. Jetzt sind wir fünf Stunden gegenüber unserer Heimat im Hintertreffen. So geht es halt zu bei Fernreisen. Gute Nacht.

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Luxus-Domizil

Der Urlaubstag verliert allmählich seinen Highlightcharakter, das Besondere wird nach und nach vom Normalen verdrängt. Ich fühle mich inzwischen wie in einem schwimmenden Luxusseniorendomizil, etwa eine Preisklasse im fünfstelligen Bereich – natürlich pro Monat🤔. Hier kann man sein Älterwerden in vollen Zügen genießen. Interessante Vorträge, Showeinlagen, musikalische Vielfalt und eine Verpflegung vom Allerfeinsten rund um die Uhr. Mag sein, dass das auf Dauer auch langweilig werden kann aber es wird immer eine echt exklusive Langeweile sein. 😉😇! – Unser Lektor entführt uns heute nach Martinique und Guadeloupe, zwei Inseln, die zur EU gehören. Die EU von ihrer schönsten Seite, finde nicht nur ich, sogar 79% der Bevölkerung soll sich bei einer Abstimmung für den Verbleib bei Frankreich samt EU entschieden haben. Das kann ich gut verstehen, es hat schon seine Vorteile. Nach dem reichlichen Morgenmahl entfällt selbstverständlich wieder der Lunch, ist ja klar. – Während meine Allerliebste sich an einer Modenschau im Deck 4 und 5 erfreut, fühle ich mich eher auf Deck 12 am Pool gut aufgehoben. So ein mitreisender Pool hat schon was. Mein Pinot Grigio wird zu meinem Missfallen in einem Plastikglas serviert, ein „No-Go“ für Weinliebhaber, aber am Pool durchaus nachvollziehbar, denn nackte Füße und Glasscherben trennt eine innig-tiefe Feindschaft😁. Da hilft wohl nur ein Kompromiss: optisch ein Weinglas, haptisch ein Erdölprodukt. – Jeden Abend Cocktails, Bier, Wein oder irgendwelche Mixprodukte alkoholischer beziehungsweise nichtalkoholischer Art verlieren schnell ihren Reiz. Ein schöner Kabinen- oder Balkonabend bietet dagegen eine altersgerechte 🤨😉 Alternative. So einen Lebensabend auf einem Kreuzfahrtschiff könnte man schon recht erquicklich gestalten – Gesundheit und Knetenvielfalt vorausgesetzt. – Heute hat der Schlaf etliche Unterbrechungen mitgebracht. Kenne ich schon.

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Good Old Neptun

Es ist eindeutig, unser Frühstück im Diamanten ist nicht zu toppen. Phantastisch, ruhig und aussichtsreich. – Endlich entwickelt sich ein See-Alltag, eine gewisse Routine. Nach der Morgenandacht geht es zum Vortrag über St. Kitts/Nevis. Der Lektor ist wie üblich gut drauf. Wir auch 😉. – Lunch lassen wir ausfallen, es wäre zu gewichtsfördernd (auf einer Kreuzfahrt muss man diesbezüglich gewaltig aufpassen). – Endlich können wir den Balkon wunderbar nutzen. Es ist warm aber nicht zu warm – so habe ich es mir vorgestellt. Manchmal schaue ich virtuell auf unser Außenthermometer daheim und freue mich diebisch fern von dort zu sein. Einfach eine perfekte Zeit für eine Karibikreise. – Abends besucht uns Neptun. Wir überqueren gerade das Meeresgebirge, das sich von der Arktis fass bis zur Antarktis mitten durch den Atlantik zieht. Bei mehreren tausend Metern Wasser darüber merkt man allerdings nichts von ihm. Egal, der bärtige Neptun überreicht dem Kapitän den Atlantikschlüssel und eine große Zahl Mitreisender unterzieht sich der wasserlosen Atlantiktaufe – die Artania-Crew war letztes Jahr einfallsreicher aber da ging es ja auch über den Äquator 😉. Das Wetter spielt heute nur halb mit, denn bis zur Zeremonie regnet es aber bei angenehmen 23 Grad Lufttemperatur. – Ein gemütlicher Seetag neigt sich dem Ende zu, die Uhr zieht sich eine weitere Stunde zurück, das Schiff wiegt uns sanft hin und her, so dass der Schlaf in aller Ruhe seinen Job machen kann. Was will man mehr?

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Schmollmagen

Itzo probieren wir mal eine weitere Frühstückslokalität aus. Im Hauptrestaurant Atlantik, bzw. dem „Ableger“ im 4. Stock, wird ebenfalls am Tisch serviert. Wir sind spät dran und uns wird problemlos ein Fensterplatz zugewiesen. Der Ablauf ist ähnlich wie im Diamanten, nur ist alles viel, viel größer. Dadurch wird die Atmosphäre, das Feeling, die Gemütlichkeit anders, unpersönlicher, wiewohl die Bedienung vergleichbar freundlich und aufmerksam ist. Nur die Qualität des Rühreis lässt deutlich zu wünschen übrig – dafür ist die Portion um ein Drittel mächtiger, was es aber nicht besser macht. Da selbiges ganz zum Schluss serviert wird überlade ich meinen Magen übermäßig. Das ist nicht gut. Er nimmt mir das den ganzen Tag lang ziemlich übel. – Im Vortrag lernen wir eine Menge über Antigua – der Lektor ist wieder einmal total gut drauf. Es macht Spaß zuzuhören und selbst die übereifrige Klimaanlage im Theater kann daran nichts ändern. Man muss sich halt warm anziehen. – Die Außentemperatur hat sich dagegen prächtig entwickelt und ich genieße es im T-Shirt auf dem Balkon zu lesen und dabei dem Rauschen der Wellen zu lauschen. Jetzt wird es endlich auch auf den Außendecks gemütlich, so wie ich es mir erhofft hatte. Wunderbar! – Meine Allerliebste tut sich am späten Nachmittag noch einen Vortrag an, während ich neben dem Innenpool einem Bitburger die Ehre gebe. Vor dem Dinner gönnen wir uns noch einen alkoholfreien ‚blauen Ozean‘ bzw. einen Erdbeerkuss. Leben im Luxus kann, in Maßen genossen, wohltun. – Den Lunch haben wir natürlich ausfallen lassen und selbst zum Dinner erlaube ich mir nur zwei Teller Fischsuppe, die mein Verdauungsorgan widerwillig akzeptiert. Mehr ist keinesfalls drin. – Da uns weder tanzen noch trinken reizt machen wir es uns in der Kabine gemütlich. Fern von Zwängen leben hat schon was – aber auf Dauer käme mir unser derzeitiger Lebensstil etwas trist vor. Aber das „droht“ uns zweifelsohne nicht 😉😀😇! – Die Nacht ist endlich mal wieder 🤨😠 unterbrechungsreich. War wohl dran. Seufz.

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