Beamtenjahr contra Anlassjahr

Erneut ist ein Monat vorbei, mit Riesenschritten gehen wir auf das Ende des ersten Halbjahrs zu. Am Vormittag kommen zwei Fachleute um unsere Terrasse für das neue Geländer zu vermessen. Ein paar „kleine“ Sonderwünsche zum Drumherum erweitern das Messprojekt. So sind jetzt weitere Vorarbeiten nötig, wir präferieren Verkleidungen zwischen Mauer und Terrassenunterbau – das alles wird Geld kosten, wie viel wäre zu ermitteln aber die Mehrkostenerwartung lässt mich erzittern. Wie bei allen größeren Vorhaben kommt Hölzchen zum Stöckchen. Seufz. Die beiden Experten machen einen sehr kompetenten Eindruck, glänzen mit guten Ideen und prüfen unsere Vorstellungen gründlichst. Ich habe das Gefühl unser Auftrag liegt in guten Händen. – Dann erstelle ich meine erste Einnahme-Überschuss-Rechnung der Fotovoltaikanlage für unsere Einkommenssteuererklärung. Es ergibt sich ein riesiger Verlust, weil die Erstattungszahlungen der Umsatzsteuer in diesem Jahr erfolgten und nicht im letzten. Die extreme Kalenderjahresbegrenzung kommt mir äußerst suspekt vor. Ich würde lieber jedes Jahr anlassbezogen berechnen („so kommt zusammen, was zusammengehört“) aber das Steuerrecht ist offensichtlich nicht so „gestrickt“. Nur doof, bescheuert, kurz: beamtenmäßig. – Heute kann ich mir viel Zeit für meine persönliche Andacht nehmen und das tut mir sehr gut. – Ich verwerfe das abendliche TV-Programm und lese einen abenteuerlichen Plot. Ohne hochdramatische, realitätsferne, hochgradig dämliche Aktionen und Akteure verkauft sich Trivialliteratur offensichtlich nicht mehr. Schade eigentlich. Mit ein paar intensiven virtuellen Kartenspielereien wird es recht spät. Erstaunlich.

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Verborgene Gnade

Und wieder gibt es diese neumodische Idee eines Geburtstagsfrühstücks. Was die Menschen nur so Besonderes an dieser unwichtigen Mahlzeit finden? Ich werde es nie verstehen. Zu meinem großen Glück lockt leckeres Rührei und sogar ein Croissant – mehr kann ich zu so einer frühen Stunde sowieso nicht verkraften. Die Plaudereien miteinander sind echt nett, zwei Glas Sekt müssen sein und zum guten Schluss wird mir sogar noch ein Gläschen echt rumänischer Zwetschgenobstler angeboten. Autofahren ist nun nicht mehr drin, auch gut, dann ist das eben so. Die Mittagsruhe fällt recht intensiv aus, was wohl auf der Hand liegt. Zum Kaffee serviert meine Backmeisterin absolut leckeren Rhabarber-Crumble und ich sehe alle meine verlorenen Pfunde wieder auf mich zustürzen. Bleibt mir bloß fern, ganz weit fern!!! – Abends kommt die Nachricht, dass die russische Armee im Vormarsch sei und alles zerstört was ihr in den Weg kommt. So ein absolut sinnloser, mörderischer, irrer Krieg – welch ein Wahnsinn! Es ist zum Verzweifeln und unsere Bundesregierung zögert effektive Waffenhilfe wie es aussieht bis zum St-Nimmerleinstag hinaus. „Frieden schaffen ohne Waffen“ bedeutet nun einmal die Beugung bestenfalls unter eine Diktatur, meist aber unter ein Terrorregime wie es Putin für die Ukrainer plant. Ich bin immer verzweifelt, wenn meine Mitmenschen das nicht sehen, sondern auf eine Vernunft pochen, die leider nicht vorhanden ist. – Abends ruft mich der Pastor, der gestern gepredigt hat, an und wir sprechen über seine Ausführungen. Ich lerne seine Intention zu verstehen, doch die hätte, meine ich, besser in einer Bibelstunde erörtert werden können. Ja, es stimmt schon, bei allem harschen Vorgehen, das zweifellos der damaligen Denkweise entspricht, wird dennoch ein kleiner, winziger Spalt zur Gnade und Barmherzigkeit Gottes geöffnet. Sie ist im Ereignis, im Bibeltext, verborgen aber man kann sie entdecken. Interessante Sichtweise. – Den Abend hindurch begleite ich Barnaby mit seinen vielen Morden, die mit britischem Humor serviert werden – das verstehen deutsche Drehbuchautoren, wenn überhaupt, nur ansatzweise umzusetzen. Famos. Es wird normal spät an diesem kühlen Tag.

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Aufeinander hören

Im Gottesdienst fordert mich eine Predigt heraus. Ich sehe es durchaus anders als der Prediger. Soll ich ihn gleich ansprechen? Nein, besser nicht – direkt nach dem Gottesdienst hat er anderes zu tun und wichtigere Sachen im Kopf. Ich schreibe ihm in aller Ruhe eine E-Mail, eine unaufgeregte, verständnisvolle, denn ich mag ihn und seine Art sehr. Ich will ihn auch nicht kritisieren, wiewohl das natürlich dabei unvermeidbar ist, ich möchte gern seine Sicht der Dinge erfahren und möglicherweise verstehe ich sie, dass ich sie teile erscheint mir schwierig aber wer weiß? Aufeinander hören ist extrem wichtig anders funktionieren menschliche Beziehungen nun einmal nicht! – Nachmittags bin ich ganz verstört weil die Zeit dahinrast. Zack, es ist sieben! Wow! Abends geht es in die Bretagne obwohl mich dieser immer gleiche Berichtsaufbau sehr nervt. Was waren das noch für Zeiten als Walter Sedlmayr von seinen Reise berichtete. Hochinteressant, ideenreich und humorvoll, einfach toll! Seufz. Ich lese noch ein wenig und breche nicht zu spät zu meinem Nachtlager auf. Guadnochd.

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Produktion kaputt

Ich stürze mich auf die Steuererklärung, gebe alle Handwerksleistungen ein, alle Spenden und die Daten der Krankenversicherung. Am Ende erscheint eine kleine, feine Erstattung im unteren dreistelligen Bereich. Immerhin. Ich hoffe, dass das alles so stimmt. Anfang der Woche muss ich schauen was ich für meinen „Gewerbebetrieb“ Fotovoltaikanlage (mein Frust über Politiker erhält neue Nahrung) eintragen muss. So ein Aufstand für ein paar Platten auf dem Dach und die neue Regierung unternimmt – freundlich betrachtet – nur ein paar kleine Trippelschritte zur Verbesserung. Die Energielobby ist wohl einfach zu stark. „Anerkennen“ muss man, dass die gewählten sogenannten Volksvertreter nach Demontage der Solarindustrie inzwischen ebenso „erfolgreich“ mit dem Abbau der Windanlagenproduktion sind. Im TV wird behauptet wir seien bei beidem inzwischen zu über 90 % von China abhängig. Tolle Leistung, ihr diätenverwöhnten Anti-Genies. Und dann wundern diese sich noch, wenn Bürger anfällig für Verschwörungstheorien aller Art werden? Vereimerung produziert halt Verunsicherung und von dort ist der Weg zur Verschwörung nicht weit. Dabei ist das alles nur erfolgreichste Lobbyarbeit der Energiekonzerne. – Ich lese, spiele und versäume dabei meine Andacht, traurig, traurig. Stattdessen zappe ich mich durch YouTube, lese einen blöden (aber lustigen) Krimi mit einem hanebüchenen Plot. Nothing is perfect. Es wird trotzdem spät.

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Flugbegleiter und Bestatter

Die Nacht war kurz und so kämpfe ich morgens mit dem Bett, das mich mit aller Macht festhalten will. Die Dusche spült den letzen Fetzen Schlaf von mir ab – ein Dank an ihren Erfinder! Die Vorbereitungen für den steuerlichen Jahresabschluss oder besser mein Kampf gegen den raffgierigen Staat beginne ich heute. Das heißt erst einmal die Unterlagen zusammenstellen, die das Einkommenssteuerprogramm verarbeiten soll. Dann werfe ich unseren großen Rechenhobel an. Er verlangt ein Update. Okay. Fast eine Stunde später verlangt auch die Steuersoftware ein Update. Okay. Ein gute Viertelstunde später gebe ich unsere Einkommensdaten ein und starte einen Probelauf. Wenn ich nichts weiter abzusetzen hätte, würde der Staat knapp 4.000 € von uns haben wollen. Einfach so, raus aus den Taschen. Das stimmt mich gar nicht froh, das lässt mich eher grollig meine Lippen zusammenpressen. Nein, heute mache ich nicht weiter, morgen ist auch noch ein Tag. Oder überübermorgen. – In der Mittagspause fordert die kurze Nacht brutal ihren Tribut ein und so verlängert sich die Ruhezeit entsprechend. Immerhin ist es begrüßenswert so eine Möglichkeit zu haben. An Steuer ist jetzt nicht mehr zu denken. Das Abendprogramm bestreitet der Hessische Rundfunk mit einem Flugbegleiter, der im Nebenberuf Bestatter ist (oder umgekehrt, egal). Wie sagt er so treffend, er bringe einerseits Menschen unter die Erde und reise andererseits (mit anderen 😀😉) in den Himmel. Einmal kam beides zusammen, da reiste die Leiche im Sarg im Frachtraum des Flugzeugs mit. – Dann kommen noch die E-Auto-News und einige treffliche Bemerkungen über die TUI, die zwar freudig staatliche Hilfen vereinnahmt aber Erstattungen eingefrorener Guthaben nicht auszahlen will bzw. extrem träge damit ist. – Kurz vor der Nacht noch schnell einen Krimi konsumieren und dann lässt der Schlaf sich nicht lange bitten. Gott sei Dank!

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Himmelfahrtstag

Wir frühstücken gemütlich mit unserem Gast, der sich im Anschluss auf den Weg zu vielerlei Besuchen macht. Wir dagegen begeben uns virtuell zum Gottesdienst nach Bremen mit einer grundsoliden Predigt zur Himmelfahrt Jesu. Sehr betroffen macht uns die Erkrankung eines unserer Pastoren im Ruhestand – ein Leben lang nie krank gewesen und dann plötzlich auf der Intensivstation. Nachmittags beten wir in unserer Gemeinde für ihn und seine Familie. Auch in diesem Leid lenkt Gott, denn bei seiner Einlieferung hatte „zufällig“ ein Arzt Dienst, der die Krankheit gut diagnostizieren konnte – sie betraf seinen Fachbereich. – Ansonsten ist es für uns ein ruhiger Tag, während viele Zeitgenossen draußen mit Bollerwagen durch die Gegend streifen, darunter auch auffällig viele Frauengruppen. Gleichberechtigung bedeutet wohl, dass Frauen sogenannte Männerdomänen erobern während sie ihre eigenen Frauenevents erfolgreich gegen männliche Einflüsse verteidigen. Es sei ihnen von Herzen gegönnt, ich habe eh‘ nichts mit irgendwelchen alkoholgeschwängerten Gelagen am Hut. Nichts gegen einen leckeren Rot-, Weiß- oder Roséweine in trauter Runde, doch diese poltrigen „Mir-san-mia-Zusammenrottungen“ sind wirklich nicht mein Ding. Wer Spaß dran hat, koste es halt aus. – In meiner Andacht staune ich über einen Biografen Luthers, der voll Weisheit unterstreicht, dass man Menschen aus ihrem Jahrhundert, ihrem historisch-kulturellen Umfeld beurteilen muss und nicht nach heutigen idealistischen Maßstäben. Letztere, finde ich, halten selbst die nicht ein, die sie heutzutage vollmundig propagieren, aber das ist nur meine bescheidenen Meinung. – Abends geht es in die Karibik, die DomRep und viele kleine Inseln sowie im Anschluss nach Kuba. Interessante Berichte, wenn auch alle gleicher Machart: ein paar ausgewählte einheimische Personen mit ihrer Passion, garniert mit etlichen kurzen Landschaftsimpressionen. Zu viel davon lässt Langeweile aufkommen und das ist sehr schade. Ich lese noch ein bisschen, es wird später und später und später, schließlich begebe ich mich hellwach zur Ruhe, die sich weigert zu kommen. Merde!

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Überwältigend, erschreckend, getragen

Mich überwältigt die Güte mit der Gott uns begegnet, wie er uns versorgt und beschenkt. Verdient haben wir das nicht – wir können nur sehr, sehr dankbar sein und das sind wir auch. Seltsam, dass mich so plötzlich diese Tatsache überfällt und zum Danken bringt. Eben ist so ein wunderbarer Moment. – Wir bereiten unser Heim auf Besuch vor, unser ehemaliger Pastor ist zu Gast und wir haben dazu Freunde eingeladen. Wir haben viel zu erzählen und vieles zum Zuhören, erstaunlich was in ein paar Jahren in den verschiedenen Familien so alles passiert. Dann erreicht uns die erschreckende Nachricht, dass ein anderer ehemaliger Pastor auf die Intensivstation einer großen Klinik verlegt wurde. Er war doch neulich erst noch kerngesund, wenigstens wirkte er so! Im Alter wird mir besonders bewusst wie schnell sich alles ändern kann, persönlich, in der Gemeinde und auch in der Politik. Mir wird ein besserer Blick übergestülpt auf die nur noch scheinbaren Sicherheiten. „So Gott will und wir leben, wollen wir …“ erhält eine brandaktuelle Bedeutung. Aber dennoch hängt alles an Gott, nein, zu unserem großen Glück hängt alles an Gott, der Ursprung und Ziel unseres Lebens ist. Gott sei Dank! – Unsere Gäste verlassen uns frühzeitig, o wie sind alt und müde geworden, „o tempora, o mores“, möchte ich im übertragenen Sinn ausrufen. Für mich wird es natürlich angemessen spät, wie es sich gehört. Der Schlaf steht schon bereit. Toll!

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Ablage

Es hat geregnet, ganze 4 Liter pro Quadratmeter, doch der Mai ist noch weit vom mehrjährigen Mittel entfernt. Das Klima wandelt sich offensichtlich, hoffentlich haben wir Menschen wirklich die tatsächliche Ursache im Blick. Wobei das eigentlich egal ist, denn wir ziehen eh‘ kaum Konsequenzen daraus. – Ich bin voll und ganz mit unserer Ablage beschäftigt, Blatt um Blatt wird registriert und wandert in den Jahresordner. Das müsste man automatisieren können – fühlt sich kein Fummler, Bastler, Grübelkopf zu so einer bahnbrechenden, logischerweise bezahlbaren Erfindung berufen? Nicht? Schade!!! Ich lese ein wenig und dann packt mich der Spieltrieb und ich kloppe virtuell Karten bis der Schädel brummt. Ob das mir die Gedanken an diesen irren Krieg in Europa vertreiben kann? Wohl eher nicht. Es wird mittelspät.

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