Bär jagt Maus und wir sehen zu

Was sollen wir tun? Machen wir das Beste draus und buchen den heutigen Bordtag dazu. Es wird zwar ein schläfriger Tag aber allein die Aussicht ihn auf der Autobahn verbringen zu müssen schreckt mich ab. Noch schrecklicher sind die Ereignisse in der Ukraine. Ein wildgewordener machtversessener Diktator stürzt Europa in einen Krieg. Macht korrumpiert nicht nur, sie scheint auch dem Verstand zu schaden. Ich höre abenteuerliche verquer-verdrehte Reden des ehemaligen KGB-Offiziers aus Leipzig, der in früheren Zeiten im Betrieb meines Onkels wirkte und jetzt von seiner Stellung berauscht ist. Er will Geschichte neu schreiben und in die Geschichtsbücher eingehen als der, der über Leichen geht. Bei allem Abscheu über seine Taten bedauere ich ihn, denn eigentlich ist (oder war?) er ein hochintelligenter Mann. Schade um diese Vergeudung von Talenten. Schlimm für die Menschen der Ukraine, die nach relativ kurzen Jahren der Freiheit wieder durch ein Diktatur unterdrückt werden sollen. Weltliche Politik funktioniert so aber sie steht unter dem Gericht Gottes. Gottes Mühlen mögen langsam mahlen aber sie mahlen unheimlich klein. Das ist eine Realität, keine Drohung, völlig egal ob man dran glaubt oder nicht. – Während die Welt erschüttert wird trinken wir alkoholfreie Cocktails in einer stillen Bar im zwölften Stock des Schiffes und beschließen einen weiteren Tag an Bord zu bleiben. Schön ist es hier. Einem leckeren Dinner folgt eine Show mit vier Artisten. Zeit für eine erholsame Nachtruhe. Morgen ist auch noch ein Kreuzschiffpiertag.

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Kreuzfahrt am Pier

Wir sind pünktlich fertig. Unsere Freunde holen uns morgens ab. Es geht zum Testzentrum. Ausgerechnet heute hat sich eine Schlange gebildet und einige vor uns haben keine App. Sie benötigen ein schriftliches Dokument. Es dauert. Unterwegs ist das Testergebnis meiner liebsten Mitreisenden nicht abrufbar, offenbar weil ein veraltetes nicht gelöscht wurde. Also müssen wir es uns per E-Mail zuschicken lassen – das dauert. Die Kreuzfahrt geht ja gut los. Immerhin kommen wir auf der Autobahn gut durch und können am Kreuzfahrt-Terminal gleich unsere Koffer abgeben. Es bleibt sogar noch Zeit für einen Ausflug in die City mit Kaffee, ergänzt durch einen äußerst leckeren Apfelkuchen mit Sahnehaufen. Doch dann wollen wir an Bord gehen. Es erwartet uns eine wahnsinnig lange Menschenschlange in der Kälte vor dem Terminal. Es geht nur schrittweise langsamst voran. Irgendwann entern wir dieses zugige Gebäude und scheitern fast am ersten Schalter. Die Testergebnisse sind nicht vollständig abrufbar. Ein Desaster. Mit Mühe, viel Schweiß und einem wohl vorausahnend erstellten Screenshot kommen wir gerade so weiter. Wieder schließen wir uns einer langen, langen Reihe an, die sich aber relativ schnell abbaut. Passkontrolle, Sicherheitsfoto, Handgepäckkontrolle, noch eine kleine lästige Schwierigkeit bei der Bordkartenprüfung und schon sind wir an Bord. Meine Zeit. Unser Koffer wartet vor der Kabine. Jetzt aber fix zur Sicherheitsbelehrung und alles Offizielle ist geschafft. Endlich kann es losgehen. Irgendwann sitzen wir gemütlich beim Dinner – da meldet sich der Kreuzfahrtdirektor. Das Schiff bleibt in Bremerhaven alldieweil es einen hochdefekten Stabilisator hat. Der Kapitän „spendiert“ uns eine kostenlose Übernachtung und alles weitere soll uns in einem Brief auf unserer Kabine mitgeteilt werden. Ein Scherz? Mitnichten! Für einen „Sonderpreis“ von 80 Euros pro Tag/Person können wir weitere Tage (bis Sonntag) an Bord bleiben – im All-In-Status immerhin. So lassen wir den Abend mit zwei Cocktails – all-in – ausklingen. Stillstand statt Kreuzfahrt. Na dann, gute Nacht.

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Es stürmt in meinen Gedanken

Meine anstehende Reise verfolgt mich. Ich recherchiere ob ich an alles gedacht habe, was noch zu erledigen ist. Meine Automitnutzerin fährt ein letztes Mal mit unserem Cabrio und überlässt es dann dem Händler. Ich hole sie ab und wenig später trifft per E-Mail der Abnahmebericht ein. Er fällt ausgesprochen positiv aus. Sehr schön. Unser freundlicher Autoverkäufer bietet uns gleich ein Nachfolgemodell an und wir kommen ins Grübeln. Erst der Urlaub, dann diese Gespräche – die Priorität sollte klar sein. Wenn sich dadurch das Angebot wegen zu geringer Lieferkapazitäten erledigt haben sollte, dann ist das halt so. – Unser Mitreisender teilt uns unsere Abholzeit mit und leitet so einen Verhandlungsprozess ein an dessen Ende ein anderer Zeitpunkt steht. Viel zu früh aber nicht zu ändern. Mir schwirrt der Kopf von den vielen Einstürmereien. Da hilft eine gelassene Andachtszeit und die innere Unruhe verliert ihre Vorsilbe. Puh, das tut wohl. – Der gar nicht so gute Putin will sich die Ukraine einverleiben und beginnt mit zwei fetten Stücken im Osten. Es bestätigt sich wieder einmal die alte These: je länger jemand Macht ausübt, desto unverschämter wird er oder kurz: Macht korrumpiert. Dass viele Menschen in Leid und Elend gestürzt werden ist den Bonzen immer egal. Es ist zum Kotzen. – Ich schaue mir vergnügt den neuen ID Buzz an und anderthalb tausend Kilometer weiter steht eine Invasion vor der Tür. Die Welt ist verrückt. Ich freue mich auf die Ewigkeit bei Gott wenn all dieser Irrsinn ein Ende haben wird. Gute Nacht!

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Wirbeltag

Und es geht weiter rund. Ein Koffer muss entpackt werden, die Dachdecker kommen um einen kleinen Sturmschaden am Dach zu reparieren, der erste Kurz-Kreuzfahrt-Test ist zu absolvieren – dankenswerterweise fällt er negativ aus – und ein paar Einkäufe sind zu erledigen. Ich buche noch schnell – nach Absprache mit unseren Mitreisenden – einen Ausflug am Zielort der Reise. Der Sturm hat unsere Mülltonnenbox umgerissen und die Mülltonnen gleich mit. Es gilt also letztere aufzurichten, am Haus zu platzieren und die Boxreste etwas zusammenzufalten. Eine Reparatur käme einem Neubau gleich. Das ist nicht schön. Dann lassen wir den Beetle waschen, saugen und putzen ihn innen. Langsam wird es Zeit die nächste Reise papiermäßig vorzubereiten und fehlende Dokumente auszudrucken. Ich laminiere noch eine Übersicht, halte im Anschluss eine kurze Andacht und schaue endlich Nachrichten. Mein Schwager fragt wegen einer eventuellen Zeltausleihe an und Barnaby ermittelt in zwei komplizierten Fällen. Noch ein kurzer Blick in einen Kriminalroman und schon ist der Tag vorbei. Der Schlaf trudelt gemächlich ein.

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Regenreise

Aufstehen, Wohnung aufräumen, Abschied nehmen und los geht es heimwärts. Tiger schlägt sich prächtig in Regen und Sturmgebraus, erkennt die richtige Spur, beschleunigt, bremst, hilft beim Lenken und schenkt mir so viel Gelassenheit beim Fahren. Trotzdem ist es ein ekliges Vorankommen durch die Regenschleier hindurch aber was soll’s das Wetter will es so. Meine Ladeplanung bewährt sich eindrucksvoll, wir kommen gut bis Auetal Süd durch und finden gleich die leider nicht ausgeschilderten Ladestationen. Eine zeitlang sind alle fünf Säulen belegt – mit unserer Abfahrt machen wir erst die zweite Station frei. Es gibt offensichtlich viel mehr E-Autos als man meint, wenn schon an einem Sturm- und Regentag die Stromspender so begehrt sind. Erstaunlich früh kommen wir daheim an, unterwegs erreicht uns noch eine Einladung zum Dinner – perfekt. – Nach einer ausgiebigen Mittagsruhe (ich bin wohl mehr geschafft als ich dachte) erhält Tiger neuen Saft, wir werden abgeholt und erfreuen uns wieder einmal bester Gesellschaft. Ich lerne einen Whisky mit Sylter Herkunft kennen, der mir vorzüglich mundet – sein Preis allerdings würde meine monetären Gesundheit spürbar schädigen. Schade. Es wird gar nicht mal so spät, ich zähle wohl, die Erkenntnis greift immer mehr in mir Raum, nicht mehr zu den Jüngsten. Die vielen mit Feiern behafteten Reisetage haben offensichtlich ihre Spuren hinterlassen. Immerhin lässt auch der Schlaf sich nicht lumpen. Prima.

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Nachhochzeitstag

Sehr freundlich von meinen Mitbewohnern, dass ich heute ausschlafen darf. Natürlich nutze ich das nicht aus und dennoch tut es gut. Den Vormittag verkrieche ich mich in unserer Wohnung, denn das Wetter ist eher ausladend. Am Nachmittag besuchen wir das frischgetraute Paar, packen Geschenke aus, vernichten etwas Kuchen und plaudern als ob es den gestrigen Tag nicht gegeben hätte. Am frühen Abend ziehen wir uns zurück. Wir laden unseren Tiger randvoll während unsere Mitbewohner ihren Sohn wegen blockierter Bahnstrecken bis nach Düsseldorf zum Zug bringen dürfen. Sie sind recht schnell zurück und so verbringen wir mit Schwägerin in Schwager noch einen gemütlichen Abend bis das Bett sehr lautstark nach mir ruft. Es ist sehr früh und doch sinke ich sofort in Tiefschlaf. Ich kann wohl nichts mehr ab.

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Hochzeit

Frühmorgens verlassen wir unsere kurzbeinige Lagerstatt und wuchten uns in die Höhe. Wie sehr vermisse ich mein Seniorenbett. Doch es bleibt keine Zeit zum Klagen, denn wir feiern heute Hochzeit. Bereits um halb neun sind wir am Standesamt und warten auf das Brautpaar samt Eltern und Schwiegereltern. Unsere Gesellschaft umfasst 11 Personen, zulässig bei der Trauung sind nur 10. Selbstverständlich kennen die Beamten keine Ausnahmen – ich habe nichts anderes erwartet, denn ich kenne meine Pappenheimer aus der Verwaltung. Ich bleibe also draußen vor der Tür während drinnen eine Eheschließung vollzogen wird. Doch das war ja schon vorher klar denn ich bin ein Freiwilliger. Im Anschluss stoßen wir im Freien unter einem schützenden Dach mit Sekt an, während rundherum der Regen vor sich hin nieselt. Beim Paar daheim gibt es total leckere Dipps und eine ausgiebige Plauderei. Dann geht es zur Kirche zu einem Gottesdienst im kleinsten Kreis. Sehr gelungene Sache. Gerade noch vor einem wilden Regensturm gelangen wir wieder trockenen Fußes zurück zum Hochzeitshaus. Kaffee und Kuchen samt einer wundervoll gestalteten Hochzeitstorte laden zum Verzehr ein. – Um die Völlerei fortzusetzen sind wir abends in ein feudales Gasthaus eingeladen und schlagen uns den Magen voll. Ich habe aus früheren Magenüberforderungsgelagen gelernt und bleibe bei leicht verdaulichen Fischgerichten. Die Taktik bewährt sich. Zum guten Abschluss suchen wir noch einmal die Wohnung des Paares auf und ich lassen einen Gin Tonic auf meinen Magen lost. Der findet das gar nicht mal so schlecht. In der Ferienwohnung falle ich ins Bett und in Tiefschlaf, der fast bis zum Morgen währt. Trotzdem ist das keine auf Dauer empfehlenswerte Methode für gutes Schlafen 😉😇.

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Fiese Ladestopps

Am Morgen ereilt uns ein Ladeschock – nichts ist passiert! Tigers Akku ist auf dem gestrigen Ladestand verblieben. So ein Mist. Sehr frustriert packen wir die Sachen ein, fahren bis kurz vor Hannover und laden eine Stunde lang. Wir nutzen die Zeit für eine vorgezogene Mittagspause. Danach geht es weiter. Tiger genehmigt sich für jeden Kilometer in Sturm, Regen und Winter einen kräftigen Schluck aus der Strompulle. Meine Zeit, zusehends vermindern sich die Restkilometer im Affentempo. In Dortmund müssen wir wieder ran an die Säule und warten geduldig bis ein akzeptabler Füllstand erreicht ist. Zum Glück kommen wir nun spät aber glücklich am Ziel an. Unsere Wohnungsmitbewohner sind schon da – im Winter spielt halt ein Verbrenner seine Vorteile auf weiten Strecken voll aus. Aber wir sind ja geduldig und warteerprobt. Es wird ein netter Abend und uns gelingt es sogar den Fernseher in Betrieb zu nehmen – einfach einschalten ist nicht, man muss über ein Amazon-Konto fernsehen, welch ein Rummel bis zum ersten Bild! Eine Hopfenkaltschale sorgt für eine gewisse Bettschwere und erleichtert ganz offensichtlich dem Schlaf seinen Job. Wie verwöhnt ich bin, zeigt sich bei jedem Aufstehversuch aus meinem Flachbett. Zu allem weiteren Erschwernis befindet sich das Badezimmer im Keller, viele, viele Stufen hinab. Seltsamer Wohnungsschnitt aber damit müssen wir leider leben – ist ja nur ein Kurztrip. Schwacher Trost!

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