Haufenwerfer, Scheinriesen und verpasste Chancen

Mauli baut einen Berg mitten auf dem Rasen, meine Gartenexpertin beseitigt ihn und in der Mittagspause häuft Mauli ihn wieder auf. Prompt fährt Mr. Shorty sich fest. Unendliche Geschichte. Uns scheint nur die Hoffnung zu bleiben, dass sich Mauli irgendwann über uns totlacht. Keine frohmachende Perspektive. – Die neuen umwerfenden, revolutionären, alles Bisherige in den Schatten stellenden neuen Betriebssysteme für Handy, iPad und Watch sind da. Die beiden ersteren lassen sich äußerst geschmeidig installieren aber die Watch zickt rum. Dennoch schafft sie es nach mehreren Versuchen ebenfalls in ihr neues Outfit zu schlüpfen. Parallel dazu steht unser Installateur zur Heizungswartung vor der Tür, damit er bald seine Rechnung schreiben kann. Immerhin erledigt er bei dieser Gelegenheit noch zwei weitere kleinere Jobs erfolgreich. Der „Wind of Change“ von Apple erweist sich übrigens als laues Lüftchen. Die einzige Neuerung, die mich wirklich interessiert hätte, gibt es derzeit nur in englischer und chinesischer Sprache. Na toll! Bitteschön, so bilde ich mir halt ein, dass sich Großes noch im Kleinen versteckt. 😉😇 – Meine Gemeinde zeigt demnächst, wie erwartet, uns Langschläfern die kalte Schulter. Hätten wir nur damals das DLRG-Gebäude gekauft. Dann wäre vieles leichter. Das haben wir nun davon! Warum erkennt man gute Gelegenheiten viel zu oft erst hinterher? Ich war genauso blind wie alle anderen. Merde!

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Schwindelnde Höhen oder sicherer Grund?

In verdunstendem Frühtau geht es auf in den Harz. Wir nähern uns auf östlicher Route, erklimmen auf dem Weg einen Aussichtsturm auf dem Heeseberg, den irgendwann einmal ein Reichstagsabgeordneter seinem Ort spendiert hat – nicht den Berg, sondern den Turm natürlich. Wir stellen uns vor, wir könnten den Brocken sehen, was bei klarer Sicht möglich wäre. Die Rundumsicht ist inzwischen durch konkurrierende Laubbäume leider nur unvollständig möglich. In Bad Harzburg speisen wir in einem Balkanrestaurant, das zu meinen Harzburger Zeiten noch ein höchst angesagter Grieche war. Die Zeiten ändern sich. Das Essen jedoch ist nach wie vor lecker. Meine Mitreisenden eilen dem Baumwipfelpfad entgegen, ich pflege die Mittagsruhe. Nicht die schlechteste Alternative. Gut ausgeruht und wieder fit kann ich so ein paar Stunden später die Wipfelstürmer willkommen heißen. Sie wanderten hoch in den Bäumen und ich spazierte in den Tiefen des Kurparks. Jedem das Seine. Nachmittags verkündet mir die Wobcom die Rückkehr des Internets daheim. Auch nicht schlecht. A very nice day. Indeed!

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Apfelparty

Und mal wieder kommen wir in den sehr eigenen Genuss einer Nachbesprechung im Klinikum. Diesmal dürfen wir sogar draußen warten. Pärchen für Pärchen treten nach und nach in den ordnungsgerechten Abständen ein. Wir absolvieren die Formalitäten und ich frage mich wie man aus der Vielfalt aller Zettel im Ernstfall Personen ermitteln will. Aber das ist nicht mein Problem. Die ärztliche Betreuung glänzt durch Freundlichkeit, Ausführlichkeit und großer Geduld mit uns. Das tut gut. Gegen Abend ziehe ich mir das Apple-Event rein um die Elefanten zu bewundern, die uns präsentiert werden. Es ist beeindruckend. Noch beeindruckender wird sein, wenn sie sich nach der Installation oder dem Kauf in kleine Mäuschen verwandeln, wenn den aufgeblasenen Verheißungen in der praktischen Arbeit fix die Luft ausgeht. Aber nett ist die Verkaufsparty – diesmal publikumslos – immer wieder. Um Klassen professioneller als Tupper. Theater der Illusionen!

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Kabel im Baggerloch

Die gesamte Kommunikation über das Netz der Wobcom ist perdu. Einfach so. Zum Glück habe ich noch die Speedbox der Telekom. Die hat zwar wenig Speed aber immerhin Verbindungen. Mein Anruf bei der Wobcom stößt auf eine gewisse Fassungslosigkeit. Man will zurückrufen. Ein zufälliges Gespräch mit einem Nachbarn ergibt, dass ein Bagger wohl ein Telefonkabel zerlegt hat. Na toll. Die Reparatur soll mindestens bis Mittwoch dauern. Wenig später meldet sich die Wobcom zurück. Man weiß von nichts. Morgen soll ein Telekom-Techniker bei mir vorbeischauen. Aha. Warten wir es mal ab. Die Box der Telekom scheint dagegen nicht die schlechteste Investition gewesen zu sein. Ich leite das Telefon aufs Handy um und warte ab. Freunde laden uns zu einem spontanen Rotweinabend ein. Das passt perfekt. Prost Wobcom! Prost Telekom! Prost Bodo mit dem Bagger!

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Azteken

Den Gottesdienst in der reformierten Gemeinde hält sehr ansprechend eine gute Freundin. Es geht um Zachäus und Jesus. Der Gottesdienstbesuch weist noch viel Potenzial nach oben aus. Im Anschluss besuchen wir meine Mum, die es in diesen Zeiten nicht leicht hat. – Es folgt ein weiterer ruhiger Sonntag mit einer Predigt aus Bremen, ebenfalls über Zachäus. Die Azteken, ihr Aufstieg und Fall, beschäftigen uns am Vorabend. Es war ein Volk mit klaren moralischen Grundsätzen, detaillierten Verhaltensregeln, einem geordneten Schulwesen für Mädchen und Jungen, einer beeindruckenden Infrastruktur, ausgeprägter Hygiene und mancherlei überraschenden Sozialregeln wie die Festlegung, dass Sklaverei nicht vererbbar war – die Kinder wurden als Freie geboren. Das klingt alles gut, wenn nicht die unendliche Zahl der Menschenopfer, meist Kriegsgefangene, gewesen wäre. Im Jahr 2015 fand man eine fette Mauer aus Schädeln der Getöteten. DNA-Analysen zeigten, dass sie von den unterdrückten indigenen Völkern stammten. Die Götter sollten durch Blut versöhnt werden. Das entschuldigt in keiner Weise den goldgierigen Völkermord der spanischen Konquistadoren, hält aber das Mitleid mit dieser opferwütigen Zivilisation in Grenzen. Immerhin war die Gesellschaftsstruktur und das Lebensumfeld allen vergleichbaren europäischen Städten der damaligen Zeit weit überlegen. Übrigens initiierten die Spanier zwar den Untergang, weitestgehend ausgeführt haben ihn aber die jahrzehntelang von den Azteken unterdrückten Völker. Man könnte vielerlei Lehren aus dieser Geschichte ziehen, voranbringende oder zurückwerfende. Ich befürchte man hat es auch. Vor allem die Letzteren.

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Apolitikaner

Immer wieder tappe ich in diese politischen Fallen. Wann werde ich es je lernen? Wie werde ich ein apolitischer Mensch? Warum kann ich nicht wie ein Veganer, der auf tierische Produkte verzichtet, auf politische Produkte verzichten? So eine Art Apolitikaner? Weshalb bewegen mich in meinem Alter noch tagespolitische Kinkerlitzchen? Dieses blöde Covid-19-Virus ist schuld! Wenn ich nicht verreisen kann, keine Gemeindeaktivitäten habe und viel zu stark ans Haus gefesselt bin, dann drehen sich die Gedanken halt um das was bleibt und dazu gehört das öffentliche Leben. Heute konzentriere ich mich bewusst darauf ein Touristenticket für Bremen zu buchen, einen Reisevorrat an Masken zu bestellen und mal zu kalkulieren, ob ich avisierte Reisetouren ohne Ladeaufenthalte mittendrin per Elektroauto schaffen könnte. Im Ergebnis wäre das gut möglich – für den späteren Dänemark-Urlaub wäre nur eine Ladepause einzuplanen – mithin Mittagessen an der Ladesäule. Macht Mut auf die neue Technik! Durch den Abend geleiten mich die völlig unpolitischen Rentnercops mit sehr sympathischen Versuchen mir den Zeitgeist unterzujubeln. Es wird spät.

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Fakten und Meinungen

Ich mag das Covid-19-Virus nicht. Wir werden keine Freunde mehr werden. Okay, es hat mir einen Urlaub mit einer sturen Gesellschaft vom Hals geschafft, hat uns davor bewahrt im Urlaub eine Krankheit auszufechten und eine Reise vertagt, die wir wohl hätten stornieren müssen. Kurz: für uns fällt das Virus in ein durchaus „passendes“ Jahr. Deswegen sind wir nicht gar zu böse aber glücklich noch lange nicht. Mich quälen Luxusprobleme wie Fernweh und Reiselust. Ein Maulwurf treibt mich in schiere „Verzweiflung“, wobei Covid-19 dafür überhaupt nichts kann. Die einseitige Medienberichterstattung nervt mich – ein Riesebohei gegen die „Querdenker“-Demo wegen Abstand und Masken und wenig später ein Schweigen im Walde beim ähnlich masken- und abstandslosen Chritopher-Street-Day in Dresden. Sind Masken nur bei deren Verächtern nötig? Ich kann zwar weder mit den Querköpfen noch den Christopheranten etwas anfangen, doch noch weniger mit tendenziöser Presse, die dadurch Vertrauen verspielt. Ein anderes Beispiel: auf Lesbos brennt ein Flüchtlingslager ab. Das ist schrecklich, glücklicherweise gibt es keine Toten. Es war Brandstiftung, das findet man noch in den Medien. Der Verdacht, dass es Flüchtlinge waren, taucht auch auf aber oft mit dem Hinweis, dass das noch nicht erwiesen sei. Diese Zurückhaltung ist eigentlich vorbildlich. Gäbe es allerdings den Verdacht, dass den Brand Rechtsradikale verursacht hätten, würde das auf allen Kanälen an erster Stelle berichtet werden. Wohlgemerkt, ich trete nicht für Nazis ein, ich bin und bleibe ein Freund der Juden also ein natürlicher Feind der rechten Szene. Doch dieses zweierlei Maß der Medien stimmt mich traurig. Das Prinzip: „Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir die Fresse ein“, feiert, wenigstens medial und verbal, fröhliche Urständ. Das ist gar nicht gut.

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Bleibt die Hoffnung

Die Panik hält Einzug und wirbelt meine Gedanken kreuz und quer. Die an sich gute Botschaft, dass meine Gemeinde zwei Gottesdienste am Sonntag anbieten will kommt zunächst sehr positiv daher. Ein „normaler“ Gottesdienst und einer speziell für Familien. Das klingt perfekt. An sich. Doch zu welcher Zeit sollen sie beginnen? Ich bin Langschläfer, Zeiten vor 10 Uhr wären fürchterlich – nicht nur wegen des Aufstehens, mehr noch wegen der geistigen Aufnahmefähigkeit. Halb wach im Gottesdienst geht gar nicht! Ob die Verantwortlichen mit 9 Uhr oder 9:30 Uhr gedanklich spielen – also aufstehen um halb acht oder acht? O wie schrecklich. Panik pur. Moderation entfiele natürlich für mich, klar, und die gelegentlichen Anfahrten per Fahrrad ebenso. Schade. Aber da wäre doch noch der Familiengottesdienst, der sogar später starten könnte. Tja, ich befürworte sehr ein auf Kids zugeschnittenes Angebot. Jedoch für Kinderlieder kombiniert mit Bewegungsspielen immer wieder sonntags bin ich zu alt. Gemeindewechsel? Aber ich liebe meine Gemeinde doch! Sehr! Was bleibt? Abwarten und Retsina trinken und auf die Weisheit des Vorstandes vertrauen. Alles wird gut. Hoffentlich.

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