Gefühle, Sentimentalitäten und gescheiterte Poeten

Aus welchem kühlen Grunde schwebe ich so beschwingt nach jeder Fußpflege durch die Straßen? Die „Erleichterung“ von 10 Zehennägeln dürfte es kaum sein. Ob meine Treterchen so eine Art geheimes Eigenleben führen und nach intensiver Zuwendung ein Wohlfühlhormon freisetzen? Kaum zu glauben. Aber ich spaziere schwebend durch die Gassen. Ein erhebendes aber inzwischen schweineteures Vergnügen. Unser podologischer Briefmarkensammler hat seine Preise um 12% erhöht. Darin ist somit die Suche nach Alternativen quasi integriert. Schade. – Ein Blick auf das armselige Häuflein, das sich immer noch Wolfsburger Markt nennt, stimmt mich sentimental. Früher war nicht alles besser aber hier war es zweifelsohne voller. Immerhin fällt mir ein Blick auf meine jahrzehntelange Ausbildungsstätte jetzt leichter, denn mein Traumberuf Pensionist erforderte sehr lange und aufreibende Lehrjahrzehnte in diesem Hause. – Abends verreisen wir per TV zuerst in die Arktis und dann ins Erzgebirge, zwei sehr sehenswerte Ausflüge, die leider beide recht pathetisch kommentiert wurden. Es sollte wohl herzanrührend sein. Leider verfehlten sich dabei Herz und Rührung. Das schwächte zum Glück weder die Kraft der Bilder noch den Gehalt der Informationen. Alles roger.

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Baumschwund, Jungfrau und Südafrika

Ade ehemals geschmückter Baum, trotz immer noch großer Nadelhaftung muss er weichen. Ich nutze die Gelegenheit um mich ein wenig über die Jungfrau in Jesaja 7,14 schlau zu machen. Ein interessantes Thema für Christen, denn es berührt die Basis der Lehre. Hier kann es sich entscheiden ob es eine Lehre oder eine Leere ist. – Wir diskutieren unsere Erkenntnisse mit unserem Pastor, reden über die mögliche Entwicklung unserer Gemeinde, über das nötige Engagement aller Mitglieder im Licht neuer Anforderungen im Beruf. Ein interessantes Thema. – Unser Urlaub in Südafrika liegt zwar noch ein gutes Stück in der Zukunft und doch schaue ich mir die Tagesprogramme noch einmal an, erfreue mich an den vielen freien Zeiten und längeren Hotelaufenthalten, kurz am geruhsamen Programm. Es könnte möglicherweise nett werden. In jedem Fall erfreut die Beschäftigung damit schon jetzt ein wenig mein Herz und das finde ich gut. – Ohne Weihnachtsbeleuchtung wirkt alles etwas trist. Gewöhnungsbedürftig.

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Winterschlaf, Weihnachtsbaum, Midsomer

Wow habe ich lange geschlafen. Meine Entwicklung zum Bären schreitet fort, wenigstens was das Winterschlafbedürfnis angeht. Brumm. – Am Nachmittag begutachtet ein Gartenbauer die nötigen Arbeiten um unser kahles Feld, das einmal eine Lichtung war, seufz, wiederzubeleben. Ein zweiter Versuch, denn der erste Meister hat sich nie wieder gemeldet. Das übliche Problem wenn Betriebe unter Volllast laufen. – Da wir gestern keine Chance hatten den Weihnachtsbaum mit den letzten 15 Restkerzen (je Packung 20, bleiben jeweils 5 übrig, nach drei Packungen ist die vierte Runde komplett) anzuzünden, glänzt der Nadelträger heute noch in seinem vollen Ornat. Fünfzehn vor sich hin flackernde Kerzen vor dunkelgrünem Hintergrund – welch ein prachtvoller Anblick. Ich genieße zum Abschluss der Weihnachtszeit noch einmal die knapp zweistündige Brenndauer voll innerer Freude gepaart mit einem kleinen Bedauern. Mit dem anderen Auge schaue ich dagegen Barnaby beim Lösen eines leichenreichen Falls zu. Den folgenden zweiten Fall kenne ich schon. Es wird wieder spät. Wie könnte es anders sein?

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Kollateralnutzen

In unserer Studierstube sind wir heute nur eine kleine Runde, der Bibeltext wirkt ein wenig gruselig obwohl seine Aussage äußerst positiv und recht eindeutig ist. So überrascht es mich nicht, dass wir schnell abweichen und Randthemen erörtern. Unterschiedliche Auffassungen prallen aufeinander ohne zu Verwerfungen zu führen. So sollten Diskussionen überall laufen. Das wäre zwar langweilig für Schaulustige dafür um so interessanter für Menschen, denen das Thema wichtig ist. Nur so hat man wirklich die Chance zu verstehen wie der andere tickt, was ihn bewegt und zu seiner Meinung bringt. Selbst wenn ein Konsens nicht möglich ist, fällt es leichter abweichende Ansichten einfach stehen zu lassen. – Nicht so leicht ist es für mich nachzuvollziehen in welcher Gedankenwelt meine Mum jetzt lebt und wo die Zugänge dorthin liegen. Die Kommunikation bleibt, wenn überhaupt, an der Oberfläche – ein schmales, kleines Feld. – Heute predigt unsere Jugendpastorin und sie macht ihre Sache sehr gut. Zur Freude aller Wortwiege-Spezialisten unter uns vermeidet sie den Jugendjargon, der mich immer krass erheitert hat. Dennoch können alte unbewegliche Ohren ihr nunmehr leichter folgen ohne die Gefährdung an ungeliebten Formulierungen klebenzubleiben. So ganz nebenbei entdecke ich beim Mitlesen des Textzusammenhangs Beziehungen, die mir vorher noch nie so aufgefallen waren. Kollateralnutzen, sozusagen. Im Anschluss treffen wir uns spontan bei Freunden und begeben uns bilderreich nach Ägypten. Ein insgesamt aufbauender Abend.

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Auswandern

Ich habe so ein kleines Kurzzeithobby. Über YouTube höre ich mir gern Berichte von Thailand-Auswanderern an, ihre Motivation, ihre Berichte, ihre Warnungen und ihr Lob. Es gibt Rentner, die mit ihrer kleinen Rente in Thailand viel besser zurechtkommen als in Deutschland. Es gibt Menschen, die das gesellschaftliche Klima in den deutschsprachigen Ländern nicht mehr behagt. Interessant, ihnen zuzuhören. Nun habe ich keinesfalls vor ebenfalls in dieses ferne Land auszuwandern und dennoch lasse ich mich gern darauf ein von Insidern, die vor Ort Outsider sind, ihre Sicht der Dinge zu vernehmen. Spielt da Neid, Neugier oder gar Schadenfreude eine Rolle – keine Ahnung und so genau will ich das auch nicht wissen. Schön, wenn das auch noch mit kleinen Filmchen begleitet wird und ich so gedanklich wieder in die Zeit unserer Rundreise in dieses faszinierende Stück Erde zurückkehren kann. Ein wenig Wehmut beschleicht mich. Aber nur ein wenig. Heute und morgen hat unser Weihnachtsbaum noch eine Überlebenszusage. Am Montag ist seine Zeit vorbei. Schon. Schade.

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Gleichgewichtssuche

Wenn ich saugerschiebend durch das Erdgeschoss unserer Gemeinde ziehe ist es wieder soweit: die Pflicht hat lauthals gebrüllt, alles Zuhalten sämtlicher Ohren hat nichts gebracht, also bin ich los und entferne größere und kleinere Niederlassungen des Straßenstaubs aus dem Teppichboden. Wie viel böser, böser Feinstaub da wohl auf mich einströmt – demnächst wird wohl Atemschutz vorgeschrieben sein. Nebenbei lasse ich Roger Liebi mir seine Sicht der Eiszeit samt Saurierkultur und Alter der Menschheit erläutern und bin überaus überrascht. So kann man das also auch sehen. Faszinierend. Heute habe ich mir ausnahmsweise den Mittagsschlaf echt verdient und lasse viel Ruhe um mich walten. Perfekt. Im Übereifer hole ich versäumte Zeiten der Andacht nach, andere würden sagen des Meditierens (worunter wir wohl nicht alle dasselbe verstehen), wie auch immer. Die sonst übliche Dreiviertelstunde bläht sich nach und nach zu einer Zwei-Stunden-Größe auf. Nein, ein Kloster wollte ich eigentlich nicht gründen. Es bleibt spannend ob und wie sich im Laufe des Jahres mein Tagwerk mit meiner Andacht vertragen wird. Ich brauche künftig ziemliche Schlichterqualitäten damit nicht eins vom anderen gefressen wird. Es bleibt spannend im Kleinen.

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Noch ein Trödeltag

Neben ein paar absolut notwendig erscheinenden Aktionen lasse ich den Tag einfach so vergehen. Erst in der Nachtandacht wird mir klar, was ich versäume – der gute alte Spurgeon bringt es auf den Punkt. Schon jetzt erweist sich die Wahl des Andachtsbuches als Volltreffer. Klasse. So gegen Abend entdecke ich eine uralte Fernsehserie, die ich früher mit Begeisterung geschaut habe. Nun ja, die Autos sind alt geworden, der Plot ist im heutigen stromlinienförmigen TV kaum noch denkbar aber er ist gelungen. So vier, fünf (oder sind es gar sechs?) Folgen ziehe ich mir rein. Gut für die Zeit, schlecht für die Nacht, für mein Traumleben, das sich dadurch leicht beeinflussen lässt. Warten wir es ab.

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Neujahr

Schön ist das Schlafen bis in die Mittagszeit und es erinnert mich an jüngere Jahre wo ich problemlos durchmachen konnte. Heute bin ich schon froh, dass kein Fellmonster in meinem Kopf sein Unwesen treibt und ich recht fit bin. Wir gestalten, wie meist am Anfang eines neuen Jahres unsere Andachten um. Morgens wie gewohnt natürlich Losungen, Neukirchener und Momento – selbstverständlich digital – und dazu eine Morgenandacht von Spurgeon als eBook. Abends wieder Spurgeon und Leben ist mehr. Wir haben halt Zeit und können uns das leisten. Ansonsten ist es ein ruhiger Tag – wie könnte es nach dieser Nacht auch anders sein?! – Abends verfolgen wir den letzten Bericht über die Erdteile bei Terra X, diesmal Afrika. Prächtig auf der Leinwand anzuschauen und erschreckend das Abschlachten von Wildtieren wegen Elfenbein oder der traditionellen und in diesem Fall hirnlosen wie ich finde, chinesischen Medizin. Zum Abschluss lassen uns die Filmteams an ihren Problemen bei dieser Produktion teilhaben. Ich kann nur sagen: ‚Augen auf bei der Berufswahl‘. Es kristallisiert sich für mich immer mehr heraus, dass mein ungeliebter Beamtenjob möglicherweise doch nicht die schlechteste Wahl war. Späte Erkenntnis.

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