Geburtstag Nummer 94

Schritt für Schritt nähert sich meine Mum der nächsten runden Zahl. Ob sie dort jemals ankommen wird ist sehr ungewiss, sie legt auch keinerlei Wert darauf. Immerhin feiern wir ihren diesjährigen Jahrestag mit Schnitzel und Spargel, so wie sie es wollte. Anderthalb Stunden sind schon eine arg lange Zeit für sie und sie ist total happy als sie wieder ihr Bett entern darf. Mein Magen nimmt ebenso dankbar eine Ruheposition an und die Mittagspause beginnt spät wird dafür aber sehr lang. Heuer ereignet sich ein Monat ohne jegliche Urlaubs-, Bestell- oder Restzahlungen. Wir verfügen frei über unser Einkommen. Klasse. Oder habe ich etwas falsch gemacht? Vergessen zu buchen? Ich gehe in mich, doch alles bleibt okay. Immerhin ist ja noch nicht aller Monat Abend.

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Elstereien

Heute will ich mich an die Steuererklärung wagen. Mein Programm behauptet, dass ich die ganzen von Dritten ans Finanzamt gemeldeten Daten herunterladen kann, wenn ich mich bei Elster anmelde. Am Rande bemerkt ist „Elster“ ein trefflicher Name für das finanzamtliche Wirken, vor allem wenn man an das wohlbekannte Adjektiv denkt, das man gemeinhin der Elster zuordnet. Klare Selbsterkenntnis – Respekt! Das ist der amüsante Teil der Sache. Die Anmeldung entpuppt sich als langwieriger Vorgang. In dieser Zeit hätte ich unsere Daten dreimal eingeben können. Aber wenn ich schon mal etwas anfange, versuche ich es auch zu Ende zu bringen. Und das ist nicht leicht, denn kurz bevor mir leicht stöhnend ein „Geschafft!!!“ über die Lippen kommt, erscheint ein Hinweis auf einen nötigen Abrufcode, der in den nächsten Tagen per Post eintrudeln soll. Per Post, du meine Zeit! Die mehrfach verschlüsselte Kommunikation mit ‚Elster‘ erscheint nicht sicher genug und deshalb wählt man den „Fort-Knox-Weg“ per Briefboten. Wow. Mal schauen ob der Briefträger das Teil im Geldtransporter bringt. Wenn ich eins nicht ab kann, dann so eine „gewollt-aber-nicht-gekonnte“ Vorgehensweise. Was soll an einer wie auch immer gestalteten gedruckten Information sicherer sein? Und dann muss ich höchstwahrscheinlich eine kryptische Zeile Zeichen für Zeichen eintippen und jeder kleinste Tippfehler wird sich furchtbar rächen. Horror! Soll ich jetzt – kurz vor dem Ziel – alles manuell eingeben oder ein paar Tage warten? Okay, spiele ich das miese Spiel bis zum bitteren Ende mit. Bürokraten at work!

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Steuerqualen

Zum 94. Geburtstag soll meine Mum sich fein machen – ein Friseurbesuch schafft dazu die erste Voraussetzung. Schön, dass es im Klinikum einen Salon gibt, der nicht zu den preiswertesten gehört, aber immerhin in Rollstuhlnähe dienstbereit ist. Mit einem „neuen Kopf“ versehen geht die ältere Dame nun auf ihren Jahrestag zu. Fein. Wir dagegen sausen heimwärts und ich darf die Steuersoftware installieren, die AusweisApp samt Lesegerät verfügbar machen und mit Grausen auf die Steuererklärung in den nächsten Tagen zugehen. Jedes Jahr das gleiche Theater – ‚ich liebe sie nicht‘ ist eine äußerst positive Umschreibung dieser misslichen Aufgabe. Abends im Hauskreis komme ich auf positivere Gedanken und vergesse für kurze Zeit diesen Steuergenerierungsquatsch. Ja, ja, ich weiß, unser Geld dienst hehren Zwecken der Gemeinschaft, dass beispielsweise Panzer wieder fahren können und der Airbus A400 endlich bei der Luftwaffe mitspielen kann. Na toll.

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Eine innere Uhr, diverse Fotos und Hausmannskost

Meine innere Uhr tickt weiter auf griechischem Level. Immerhin stehe ich so fast eine Stunde früher auf. Neben ein paar Kleinigkeiten sind heute die Fotos dran. Tatsächlich komme ich zu einem guten Abschluss, kann sie sogar per Beamer in aller Ruhe betrachten und meiner Mitreisenden vorführen. Alles ist gut. Knapp zwei Drittel des Ausgangsmaterials wandert in die zweite Reihe. Ich bin zufrieden. Außerdem lerne ich einiges über das Vorausbuchen von Flügen, über mögliche Zeiträume und Preisszenarien. Da kommt noch einiges auf mich zu. Auf der Großleinwand lasse ich mich vom rbb in die Berliner Parklandschaften entführen und staune über das vielfältige Angebot unserer Bundeshauptstadt. Ansonsten ist es schön wieder daheim zu sein, die Ernährung auf das Gewohnte zurückzustellen und die Mengen zu reduzieren. Die überbordende Augenlust bei der Speisenauswahl vermisse ich keinen Augenblick, wiewohl sie für einen begrenzten Zeitraum sich durchaus angenehm darstellte. Nein, ein Gourmet werde ich nicht mehr. Wunderbar!

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Einbruch

Bestens ausgeruht und doch recht früh – meine innere Uhr tickt noch nach der griechischen Eichung – beginnen wir den Tag. Meine dem Einkaufen nicht ganz so abgeneigte Ehehälfte steigt in unseren fahrbaren Untersatz und stutzt gewaltig. Der Blick aus dem kleinen Garagenfenster ist klar wie nie zuvor. So transparent kann man doch keine Scheibe putzen! Und siehe da, es ist gar keine Scheibe drin. Selbige steht auf dem Fußboden an ein Mäuerchen gelehnt. Wie das? Außerdem baumelt der Stecker unserer Außenkamera weit entfernt von seiner Steckdose vor sich hin. Ich betrachte die Scheibe näher. Sie ist an einer Ecke aufgehebelt und herausgebrochen worden. In vier Meter Höhe – ich werde nicht wieder! Der Einbrecher muss eine Leiter benutzt und sich dann durch das Fenster gezwängt haben. Vermutlich hat ihn der Anblick der Außensirene und der Stahltür zum Keller dann doch geschockt und er (oder sie?) ist unverrichteter Dinge – Gott sei Dank!!! – abgezogen. Der zweite Einbruch innerhalb von anderthalb Jahren stimmt schon sehr nachdenklich. Soll ich die Polizei alarmieren? Nö, keine Lust, es fehlt nichts und auf einen weiteren Schrieb von der Staatsanwaltschaft, dass sie die Ermittlungen erfolglos eingestellt hat, habe ich keinen Bock. Ansonsten entlohne ich unseren Sicherheitsdienst, bestelle schweren Herzens noch einen Bewegungsmelder für die Garage und erledige mancherlei „Nach-Reise-Arbeiten“. Meine hochaktive Mitbewohnerin lässt sich sogar die heutige Bibelstunde in unserer Gemeinde nicht entgehen. Ich dagegen lasse sie aus. Gut so.

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On Tour

Ich stehe um Viertel vor fünf auf. Das wird ein Tag! Pünktlich um 5:20 Uhr werden die Koffer abgeholt und wenig später nehme ich ein kärgliches Frühstück ein (das Angebot wäre da aber der Körper verweigert die Annahme). Die Frauen nehmen samt allen Koffern das Transferangebot wahr und wir Männer schleichen mit unserem Alfa Romeo zum Airport. Das Abgeben des Fahrzeugs geschieht völlig problemlos und wenig später treffen die Damen ebenfalls ein. Ausnahmsweise geht die Gepäckabgabe, dank Web-Checkin – relativ schnell vonstatten. Auch die Handgepäckfilzerei ist fix überstanden. Der Flieger ist nicht voll besetzt und so bleibt ein Platz in unserer Reihe frei. Das gefällt mir gut. Wir fliegen früher los und sind erheblich früher am Ziel. Fein. Nun noch die S-Bahn zum Hauptbahnhof nutzen, eine halbe Stunde im vollen ICE stehen, den Liebesdienst einer Freundin zum Transport annehmen und schon sind wir wieder daheim. Kurz darauf sinke ich auf mein geliebtes Lager und hole ordentlich Schlaf nach. Bei Retsina und einem Ouzo lassen wir die Reise ausklingen. Die Nachtruhe ist sehr intensiv und tut unheimlich gut. Fein.

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Abschiedstag

Der letzte Tag bricht an. Heute sind wir noch hier und morgen wieder unterwegs. Die Sonne strahlt uns an und heizt die Luft ordentlich auf. Warum erst jetzt? Egal, da stecken wir nicht drin. Wir genießen diesen Abschlusstag im Hotel und in unserer Taverne. Der (oder das, was weiß ich) Web-Checkin für unseren Flug ist schnell und problemlos abgewickelt. Die Bordkarten lasse ich im Hotel ausdrucken. Ja, es geht auch per Wallet – aber Papier ist am Airport einfach leichter zu handeln. – Eigentlich bin ich froh, dass die viele Esserei ein Ende hat. Das Überangebot an Speisen in Kombination mit meiner Probierlust wird langsam zum Problem. Die Koffer sind relativ schnell gepackt und das Abschiedsdinner mundet prima, auch der besondere Wein erweist sich als gute Wahl. Ein kleines Trinkgeld veranlasst die Servicekraft uns alle per Wangenküsschen zu danken – gut gemeint aber nichts für mich – manches muss ich eben hinnehmen. So ist das Leben. Auch der Bar erweisen wir unsere letzte Reverenz – ich mit einem 7er-Metaxa und einem Gin Fizz. Schließlich bleibt noch der Gang zur Rezeption um alle dort aufgelaufenen Zettel mit unserer Unterschrift auszulösen. Da kommt schon was zusammen. Eine Kartenprozedur später ist alles beglichen. Nach einem Zigarillo auf dem Balkon und einem liebevollen letzten Blick auf die Lichter von Georgioupoli beginne ich meine kurze Nachtruhe. Schön wars.

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Kleine Rundreise

Ein deutscher Sommertag wie er im Buche steht begleitet uns heute. Einerseits hätte ich mir diese Temperaturen für den ganzen Urlaub gewünscht – andererseits hätten wir dann viel weniger gesehen, denn der Hotelmagnetismus wäre für mich zu stark gewesen. Heute überwinde ich diese Anziehungskraft und eruiere die Lage zweier Kirchen für den griechischen Ostergottesdienst um 23 Uhr. Meiner dauerhaften Reisebegleiterin und mir wird schnell klar, dass wir keinerlei Lust verspüren mitten in der Nacht per Automobil zur Kirche zu kurven. Dem kleinen Glitzern in den Augen unseres Mitreisenden dagegen entnehme ich die gegenteilige Ansicht. Egal, wir erschlendern das beschaulich-urlaubergerechte Georgioupoli, das allmählich aus dem Winterschlaf erwacht. Danach nehmen wir Abschied von Rethymno mit einer kleinen Mahlzeit am Hafen. Um Mitternacht blicke ich zum Osterfeuer und -feuerwerk in Georgioupoli hinüber, während unsere Freunde auf dem Berge den orthodoxen Gottesdienst mitfeiern. So ist jeder zufrieden. Prima.

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