Regen und Segen

Es pladdert. Der Himmel heult. Doch das ist bald vorbei und die Pfützen verdampfen beeindruckend schnell. Waschküchenatmosphäre. Als es nur noch heiß ist, flanieren wir die Altstadthauptstraße entlang. Ein Tempel jagt den anderen. Ein kleines Lokal nährt uns mit thailändischer Kost und erfrischt mit Smoothies. Am Nachmittag feiern wir einen deutsch-thailändischen Gottesdienst und lernen eine ganze Menge über den Segen und das Segnen. Wow, es leben doch etliche Deutschsprachige in Chiang Mai! Ein befreundetes Missionarsruheständlerehepaar holt uns vom Godi zum Essen ab. Wir sitzen in einem aussichtsreichen Restaurant direkt am Fluss, wunderbar im thailändischen Holzschnitzstil gestaltet und genießen einheimische Spezialitäten. Die Sitte mehrere unterschiedliche Gerichte zu bestellen, diese in der Mitte zu platzieren und sich von jedem ein wenig zu verköstigen, gefällt mir ausgesprochen gut. Im Anschluss besuchen wir die Beiden noch zu Hause und plaudern munter miteinander. – Gleich neben unserem Hotel nähert sich der berühmte Sonntagsmarkt seinem Ende. Munter drängen wir uns durch die Menschenmassen. Es fängt an zu tröpfeln. Dann regnet es. Wir suchen unser Hotel zu erreichen. Der Regen ist viel schneller und überschüttet uns wie aus Kannen mit strömender Zuneigung. Im Bad findet sich genügend Platz für unsere klatschnasse Oberbekleidung. Regenzeitreisen fordern ihren Tribut.

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Hauseinweihung

In kleiner Gruppe begeben wir uns zu einer Hauseinweihung in die Berge. Ein stolzer Hausbesitzer erwartet uns und begrüßt uns traditionell mit einem Becher Tee. Dazu werden chinesischer Neumondkuchen und Papayas gereicht. Eigentlich bin ich jetzt satt, aber das hilft mir nichts. Wir gehen ins freigeräumte Haus, feiern ausgiebig und lang einen Hausgottesdienst – verstehen natürlich kaum ein Wort – und in Kombination damit, spontan, den ersten Geburtstag eines kleinen Jungen. Danach gibt es die Geburtstagstorte, schrecklich bunt und sehr süß. Zulangen ist Pflicht! Am schnell aufgestellten und fix gedeckten Promi-Tisch sind Plätze für uns reserviert. Essen ist Pflicht. Viel essen wird erwartet. Je mehr desto höflicher. Wir sind sehr höflich und pappsatt. Ein heftiger Regenguss beschleunigt unseren Abschied ungemein. Wir fahren mit dem Eindruck sehr gastfreundliche, sehr nette und liebe Menschen kennengelernt zu haben. Ein Stopp bei einem idyllisch gelegenen Rasthaus mit adäquatem Ambiente und ein Halt bei heißen Quellen machen die lange Fahrt nach Chiang Mai erträglich. Erträglich ist auch unser Hotel und unser erster abendlicher Eindruck der Stadt.

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Planungspause

Der Tag der Trennung ist da! Wir verlassen die arbeitende Bevölkerung, unsere Mitreisenden, die in einer Woche heimfliegen wollen und zuvor noch ein wenig Sonne zu tanken beabsichtigen. Wir dagegen planen längerfristig und setzen unsere Rundreise fort. Doch zuvor pausieren wir einen Tag bei Lothar. Das tut gut. Heute ist Freitagsmarkt vor Ort – sozusagen ein plattes Kaufhaus mit vielen Ständen. Kleidung, Parfüm, Obst, Gemüse, Elektronik und leckere Esswaren aller Art. Am Abend buchen wir unser Hotel in Chiang Mai und planen die Fortsetzung unserer Reise.

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Bergtour mit Germknödel

Heute darf ich ein wenig ausschlafen und danach geht es ohne Frühtau in die Berge. Wir schrauben uns steilste Straßen hinauf – Schilder, die 10% Steigung ankündigen würden hierzulande Heiterkeitsausbrüche hervorrufen. Unser Busfahrer stellt seine Klimaanlage aus, um noch den letzten Rest der Pferdestärken für den Antrieb nutzbar zu machen. Uns eröffnen sich fantastische Ein- und Ausblicke. Thailand besitzt eine herrliche Landschaft. Die schmale Asphaltpiste verwandelt sich in einen Feldweg vierter oder fünfter Ordnung. Links und rechts wachsen Teepflanzen, Assam als Busch, Oolong als Hecke. Der burmesischen Grenze rücken wir hautnah auf den Pelz, um schließlich eine riesige Teeplantage zu erreichen. Faszinierend. Weiter gehts zu einer christlichen Kirche, die so schnell expandiert, dass geplante Tagungsräume kurzerhand in einen Erweiterungsbau des Kirchenraums umgewandelt wurden. Ganz, ganz, ganz weit weg von jeglichen Ansiedlungen besuchen wir ein Drogenrehabilitationszentrum – die Filiale von Ban Lao Fu. – Mit einem Germknödel thailändischer Art (deftig-leichtsüß) stillen wir die allerkleinsten Anzeichen von Appetit. Und dann sausen wir hotelwärts. Das ist okay!

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Elefantös

Heute geht es zu den Großen. Vorbei an Tempeln unterschiedlicher Ausdehnung, Buddhas diverser Größen, Formen und Farben verbunden mit hochinteressanten theologischen Ausführungen Lothars erreichen wir in einem christlichen Dorf unseren Elefantenbahnhof. Die Dickhäuter sind zwar gerade dabei eine andere Touristenfuhre kurz umherzutragen, doch zwanzig Minuten später dürfen wir in luftiger Höhe auf unserem Bänklein Platz nehmen. Gleich darauf schaukelt unser grauer Riese los. Eine Stunde lang stapft er mit uns auf dem Buckel über schmale Pfade, durch tiefen Matsch und mitten durch ein friedliches Dorf hindurch. Wir werden kräftig hin und her geschaukelt, unsere Wirbel werden neu zurechtgerückt, sozusagen eine Thai-Massage auf elefantisch. – Ein idyllisch gelegenes Restaurant verwöhnt uns mit inländischen Spezialitäten. Ich darf zum Glück pausieren, denn ich fühle mich inzwischen vollgestopft wie eine Weihnachtsgans. Eine Kaltschale und ein Kaffee sind mehr als genug für mich. Toll mein Magen atmet tief durch. Zum Abschluss statten wir der weiblichen weißen riesigen Inkarnation Buddhas noch einen Besuch ab. Neben ihr ein Tempel und eine beeindruckende Pagode. Mächtig exotisch. Elefantös!

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Grenzgeschäfte

In Mae Sai, Grenzort zu Myanmar, durchstöbern wir den Markt, der sich über eine riesige Fläche erstreckt. Mehlwürmer (in Wirklichkeit Bambus-Raupen), eine Delikatesse, lebende Riesenameisen, Trockenfisch und vielerlei Köstlichkeiten, Kleidung, Spielzeug, „echte“ Bose-Lautsprecher, „Markenware“ aller Art und was weiß ich nicht alles. Offensichtlich kann man hier gut Schmuck kaufen. Unsere weiblichen Mitreisenden machen hiervon reichlich Gebrauch. Und ich warte. Männerschicksal. Im goldenen Dreieck bestaune ich den Mekong, wow was für ein riesiger Strom! Meine ersten Tempel beschaue ich mir gründlich, lasse mir vom Fachmann die Grundzüge des Buddhismus erklären und freue mich meines Christseins. Halleluja!

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Geisterschaukel, Nudelsuppe und Entzug

Wir kurven durch Nordthailand hinein in die Berge. In einem Regenschauer treffen wir Lothar, der uns zu einem Diensttermin vorausgeeilt war. Am Treffpunkt bestaunen wir eine Geisterschaukel und ein Geistertor, das Geister vom Ort fernhalten soll. Animismus ist ein furchtverbreitender erlösungsferner Glaube. Gemeinsam erreichen wir danach das touristisch geprägte chinesische Einkaufsdorf Mae Salong, kaufen Nüsse und speisen eine schmackhafte extrem preisgünstige Nudelsuppe mit Stäbchen. Geht über Erwarten gut. Im Drogenentzugszentrum in Ban Lao Fu erfahren wir einiges über Drogensucht und Drogenentzug in Thailand und wie der Glaube die Chancen hinterher verbessert.

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Bergstammgottesdienst

Gottesdienst in einem Bergdorf und wir werden freundlichst begrüßt. Wir verstehen nur „Jesus“, „Abraham“ und „Amen“. Außerdem singen unsere thailändischen Geschwister – wir können aus dem Gesangbuch mitsingen ohne ein Wort – außer Jesus – zu verstehen. Es klingt gut und fromm. Was auch immer es ist. Es passiert mir selten, wohl aber heute: ich verstehe die Speisekarte nicht, auch nicht die englische Übersetzung. Also bestelle ich auf Verdacht. Es ist okay. Eine Parkwanderung am Nachmittag ist entspannend und schweißtreibend, ja, das geht. Ein wunderhübscher Park mit Dahlien aller Arten und Formen lässt uns staunen. Abends belasten wir Lothar mit unserer Gegenwart und lassen uns am Markt gekaufte Speisen – meist mehr und selten weniger – schmecken. Tagesabschluss mit Hopfenkaltschale. Wie üblich.

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