Bratislava

Beim Aufstehen drinnen legen wir draußen in der slowakischen Hauptstadt an. Ein frühes Frühstück und schon geht es per Pedes quer duch die Altstadt. Dort umhüllen uns die wortreichen Ausführungen unserer Fremdenführerin. Wir sehen die alte Synagoge als Mahnmal und als Foto, gedenken der vielen ermordeten Juden, stehen vor der ersten Apotheke fast noch in der Originalbestückung, die wir durch schmale Streifen im milchigen Glas der Scheiben erkennen (oder besser: erahnen) können. Erstaunlich viele Drachenkämpfer hat es hier, selbst das letzte verbliebene Stadttor ist mit einem auf der Spitze verziert. – Fasziniert haben mich zwei Türen, die eine im historischen Stil und die daneben liegende spiegelt die grafischen Elemente ihrer „alten Schwester“ in hochmoderner Form wider. Stark. Der Unterrockgucker, der aus einem Abwasserschacht lugt und durch ein eigenes Verkehrsschild geschützt wird, begeistert mich wie alle anderen oberflächlichen Touristen 😉😀, die neue Synagoge lädt zum Innehalten ein und der jüdische Friedhof im Untergrund gibt Zeugnis über Aspekte der jüdischen Geschichte dieser Stadt. – Auf der Lady Cristina ereilt uns der Fluch eines Gruppenfotos und danach die üblichen Ausschiffungsinformationen. Man, war die Reise kurz – ich komme mit diesen 1-Wochen-Reisen gefühlsmäßig nicht mehr recht klar. Bei bzw. nach Kaffee und Kuchen lauschen wir Anatoli bei seinen Ausführungen und staunen über mancherlei Verständnislücken zwischen dem Heute zum Damals. – In der Bar wird jetzt ab und an ein Gratisgetränk serviert, ob das die Reederei erlaubt oder die Ober es sich erlauben, weiß ich nicht und will es auch nicht wissen. So geht der vorletzte Tag der Reise dahin. Seufz, schon, seufz.

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Budapest ade

Schon wieder ausschlafen – wir werden ja richtig verwöhnt 😉. Natürlich funktioniert das nur durch meinen Frühstücksverzicht und einem von meiner Frühstücksbegeisterten mitgebrachten Croissant, das ich mit ein wenig Kaffee in der Lounge genieße. Danach machen wir uns auf zur berühmten Budapester Markthalle. Den Keller mit dem Fisch ersparen wir uns, die Rundläufe im OG sind mit Touristenschrott bestückt – man sieht seltsamste Kreationen, erstaunlich, dass die jemand erwirbt. Aber das Erdgeschoss wird seinem guten Ruf gerecht, ein Gang durch das Warenangebot, Früchte blankgeputzt in staunenswerter Größe, Wurst, Käse, Paprikawürze aller Stärken und vieles mehr. So gern ich auch gucke, die Luft wird mir in solchen Einkaufstempeln immer schnell knapp. Das Odeur kann ich nicht lange ertragen. So atme ich bald draußen wieder auf. Das tut gut! Jetzt noch schnell von der Freiheitsbrücke ein paar Fotos schießen. Es wird Zeit die Lady Cristina als Datei zu speichern 😀🤔 sowie das Schloss und die Fischerbastei auf der anderen Seite. – Wir gehen an Bord, beten gemeinsam für Israel in seiner schwierigen Situation und im Anschluss nur unter uns für einen ehemaligen Kollegen, der schwer zu leiden hat. Möge Gott ihm Hilfe zuteil werden lassen! – Überpünktlich verlassen wir Budapest. Die Reederei spendiert uns ein Glas Sekt mit O-Saft und verpasst ihm einen ungarischen Namen. Nun denn: nach hoher Erwartung wieder auf dem Boden gelandet. Trotzdem sehr nett. Wir passieren die Sehenswürdigkeiten im strahlenden Sonnenschein auf dem Oberdeck. Es geht wieder heimwärts. Die Zeit saust nur so dahin. – Die Bibelarbeit mit Anatoli gefällt mir gut. Er ist zwar ein wenig dramatisch in seinem Bemühen uns zu vermitteln wie Jesu Zeitgenossen seine Worte und Taten verstanden haben, diese also in ihren alt-jüdischen Kontext zu interpretieren. Manche Hintergründe werden deutlicher, unverständliche Aussagen erlangen Klarheit und ein paar „Stolpersteine“ werden begehbar. Sehr gut. Das Donauufer zieht währenddessen an uns vorbei, so sagt man wohl, in Wirklichkeit bleibt es wo es ist, denn wir sind es die ziehen. – Ein Abend in der Panoramalounge und alles ist gut. Entspannend so eine Flusschipperei. Das Schlafen in engen Betten funktioniert besser als erwartet.

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Rolf-Desaster

Ausschlafen (mein Thema) ist angesagt und ich fröne diesem Laster bis kurz vor neun Uhr. Mein Rücken mosert noch, doch die Gymnastik beruhigt ihn spürbar. Sehr schön. Danke. Wir hören in aller Ruhe den Gottesdienst aus Bremen, speisen ein light Lunch und nach ein wenig Mittagsruhe bereiten wir uns auf den Ausflug vor. Mein Körper ist dagegen. Er versucht trickreich meine Teilnahme zu verhindern, fast hätte ich es trotzdem geschafft doch dann ist auch noch meine Sonnenbrille weg. Unauffindbar. Schon wieder. Sonnenbrillen halten es nie lange mit mir aus. Frust pur. Inzwischen fahren die Busse ab und ich stehe belämmert da. Alter Idiot. Ich bin sauer wie lange nicht, ersäufe meinen Frust in einem Nachmittagsbier und schreibe Tagebuch. Ich bin und bleibe stinkig, gefrustet und abgeätzt. Da buche ich einen sauteuren Urlaub mit monetär spürbaren Ausflügen und darf an Bord bleiben. Verdrossen-knurrig sind kaum Worte, die das nur annähernd beschreiben. Groll!!! Selbst der superleckere Apfelkuchen am Nachmittag versöhnt mich kaum. Alles ist gut? Von wegen! Zweifellos bin ich ungerecht aber ich brauche viel Zeit, um das zu merken und zu akzeptieren. – Meine Allerliebste berichtet von der interessanten Exkursion zu zwei prachtvollen Synagogen und einiges mehr. Möglicherweise hätte mich das Laufpensum nach dem gestrigen Erlebnis wieder überfordert. Kann sein – oder ist es Selbstberuhigung? – Abends plaudern wir ausgiebig mit unserem Gegenüber beim Dinner und beschließen den Abend in der Lounge. Mangels funktionierendem Informationswesen verpassen wir das Treffen der Handinhandgruppe am Abend. Schade, aber geliefert wird eben nichts, man muss es sich holen. Dann ist das so. Eine übliche Nacht schließt sich an.

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Wien-Desaster

Pünktlich um 08:45 sind wir abmarschbereit für einen Ganztagesausflug ins jüdische Wien. Unser Schiff parkt weit außerhalb in Nussdorf. Heute marschieren die Regenbogenspinner rund um den Ring. Die Zahl der Sperrungen ist groß. Die Masse eigenartig mehr oder weniger Bekleideter noch viel größer. Ein dünnes Wesen im Tanga-Slip mit je zwei Klebebändern über dem Ort wo sich wohl die Brustwarzen befinden, glänzt sogar mit weißer eigenwilliger Nacktheit. Wenn sie’s gut findet. – Wir dagegen, gesittet gekleidet, durften noch nicht einmal in die Synagoge, weil zwischen Teheran und Tel Aviv Raketen hin- und herfliegen. Die Gefahr, die hier in Wien von einer Gruppe erklärter Israelfreunde ausgeht, scheint den Verantwortlichen wohl zu groß. Nun ja, alles muss ich nicht verstehen. Dafür hält ein überengagierter Guide einen überlangen Vortrag in einer enormen Wortfülle/Minute 😉. Danach heißt es aufs Mittagessen warten. Das jüdische, koschere Lokal lässt uns erst Punkt Zwölf an die Tische. Es gibt eine exzellente Vorspeisenauswahl, dem Schabbat angemessen mit dem berühmten „gefillten Fisch“. Der Hauptgang mit kaltem Wiener Schnitzel samt warmen Gemüse erweist sich als weniger überzeugend. Am schlimmsten, ja fast katastrophal für mich, ist der äußerst bequeme Stuhl, den mein Rücken dennoch als Kriegserklärung betrachtet. Ein Schmerz durchzuckt mich, ich schleiche zum WC im Tiefgeschoss (Treppen sind für Rückenschmerzen eher kontraproduktiv). Der Weg entspannt trotzdem ein bisschen aber jegliches Sitzen motiviert den erzürnten Rückenmuskel mächtig gewaltig. So warte ich stehend fast eine Stunde auf unsere Gruppe. Toll. Das ist nur das Vorspiel, denn jetzt startet eine Stadtwanderung allererster Kategorie. Hier ein Denkmal, dort ein paar Erinnerungssteine, dann der Platz an dem mal eine Synagoge stand, ein Anschlag stattfand oder berühmte Leute wohnten. Ich trapse Schritt für Schritt voran bis endlich, endlich, endlich unser Bus erreicht ist. Das Freud-Museum erspare ich mir und bleibe im Bus, bis wir irgendwann das langersehnte Schiff erreichen. Ich sinke aufs Bett und lasse meinen Rücken zucken. Desaster pur. Doch er beruhigt sich, so dass ich zum Dinner humpeln und viel später sogar in die Lounge zu ein wenig Rosé trapsen kann. Abends legen wir ab, sehen sogar noch die Burg von Bratislava bevor wir dem Ruf der Kabine folgen. Die Nacht beginnt schmerzhaft, mündet aber in einen erholsamen Schlaf. Danke!

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Dürnstein und Wien

Beim Aufwachen liegen wir in Dürnstein am Tau fest. Frühstück gibt es nur bis 9 Uhr, es wird also knapp aber ich schaffe es gerade so. Zwei Schälchen Kaffee und zwei Mini-Blätterteigstückchen (Croissants sind aus) und ich bin mehr als satt. Ich genieße den ersten Tag in der Sonne und auf Deck, höre alte Hits und fühle mich sauwohl während meine Allerliebste per Pedes Dürnstein erkundet. Es sei ihr von Herzen gegönnt. Dürnstein ist ein malerisches Städtchen, jedoch tagsüber völlig überlaufen. – Mittagessen light ist ein tolles Angebot von Plantours. Man muss nicht ins Restaurant zum Vier-Gänge-Menü sondern kann sich – je nach Gusto – eine Suppe auswählen, einen Salat, ein Nudelgericht und/oder ein Dessert. Gute Idee. Kaffee gratis vom Morgen bis zur Nacht ist ebenso eine prima Angebot. Dafür ist der übrige Service spürbar unter Phoenix-Niveau – dann ist das so. Ich fühle mich dennoch wohl, man erhält halt nicht überall das Gleiche fürs gleiche Geld 🤔. – Gegen Mittag lichten wir die Taue 😉 und folgen der Donau stromab bis Wien. Wir bleiben aber an Bord, ersparen uns die Touristenfalle Grinzing, Der Mojito an Bord ist dagegen gut und das musikalische Duo laut aber nicht schlecht. Ein entspannter zweiter Tag geht auf diese Weise seinem Ende entgegen. Fein. Es wird gar nicht mal so spät und der Schlaf ist recht okay.

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Einschiffen

Wir spazieren an der Donau entlang, beobachten Flusskreuzfahrer bei ihrem üblichen Tagesgeschäft, bestaunen große, komfortable Pötte und eher bescheidene Exemplare. Ein einheimischer Reeder hat das halbe Donauufer für seine Ausflugsschiffe requiriert und startet eine 3-Flüsse-Tour nach der anderen, bei diesem tollen Wetter ist der Andrang groß. Irgendwann sind wir an der Spitze der Landzunge, sehen wie das trübe Wasser der Inn den dunklen Ton der Donau aufmischt, genießen die Ruhe auf einer Bank, treffen elektrische Radfahrer am Ende ihrer 600-Kilometer-Tour (schön für sie). – Ein Taxi bringt uns schließlich zur Lady Cristina. Nahezu unbeachtet begeben wir uns an Bord, das Einchecken funktioniert schnell und problemlos. Erfreut beziehen wir die 23-qm-große Kabine und sind sehr angetan. Alles ist gut bis auf einen Mangel an Stromquellen und ein winziges Waschbecken in einem echt großen Bad mit Wanne. So geht komfortables Dahinschippern. Die übliche Rettungsbelehrung, Tour- und Mannschaftsvorstellung samt Sektempfang ist schnell absolviert. Das Willkommensdinner ist okay, die Tischgesellschaft passabel und der/die/das Aperol Spritz am Abend auf den ersten Schluck dünn. Doch es „bessert“ sich Zug um Zug per Strohhalm. Die erste Nacht in den engen Betten ist durchaus okay und in der sogenannten Suite fühlen wir uns sauwohl. Es geht echt gut los.

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Passau

Weckerlos bin ich um sieben Uhr munter. Um sieben Uhr! Ich! Unglaublichkeitsbar! Kurz nach acht sind wir im Auto, rangieren Laura sanft aus der Garage, lernen viel über unvollkommene Navigationssysteme und sind schließlich unterwegs. Erst schier endlos durch Leipzig, dann kilometerfressend über die Autobahnen. Lady Laura macht ihre Sache sehr gut, sie gleitet fast lautlos dahin, verbraucht weniger Strom als Tiger und so erreichen wir nach einem relativ kurzen Ladevorgang Passau. Die Straße ist frei, die Sonne lacht stündlich mehr vom Himmel und gegen 13 Uhr stehen wir vor dem Parkhaus. Die Sonne vermittelt Sommerfeeling, doch der Globus-Konzern verbannt Laura von Grün in die hinterste Ecke einer nach allen Seiten offenen Freifläche. Nun ja, empfehlenswert ist das sicher nicht. Immerhin bringt uns eine supernetter Fahrer samt Gepäck bis zum Hotel. Das Personal dort ist freundlich ohne Ende, das Zimmer mehr als okay und wir sinken aufs Bett. Die Erhohlung brauche ich dringend. – Nachmittags schlendern wir an der Donau entlang, kosten das bayerische Bier, beehren die Fuzo mit unserer Gegenwart bis wir am frühen Abend einen Imbiss zu uns nehmen. Sommerfeeling. Danke, lieber Gott und Herr!!! – Im Hotel fordert der Tag seinen Tribut. Ich verfalle in einen erholsamen Halbtiefschlaf, was immer das sein mag und kann wieder durchatmen. Faszinierend wie Schönheit und körperlich-physische Möglichkeiten in mir miteinander streiten. Ich bin zu alt für sowas 😢, ehrlich. Der Kopf will schlafen und die Wade krampfen. Die Sonne erfreut das Herz und die Fülle der Eindrücke und Anforderungen malträtiert die Nerven. Ach ja, dann kommt unerwartet früh das dritte Paket. Ich schicke einen Freund zum Einsammeln, doch unsere aufmerksame, liebenswürdige Nachbarin hat es bereits gesichert, weil sie weiß, dass wir weg sind. Peinlich und höchst erfreulich zugleich. Eine ruhige Nacht wünsche ich mir!

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Beerdigung und Leipzig

Der Frühstückswirbel ist beeindruckend. Faszinierend was wir Menschen, außer mir natürlich😉, nach solch einem Abendmampf am Morgen wieder vertragen. Ich bin ziemlich baff. Weshalb, um alles in der Welt, bin ich dann ‚Der Dicke‘. Gerechtigkeit geht anders. Schmoll!!! – Mein Schwager stimmt sich als Pastor mit dem Beerdigungsinstitut ab. Wir anderen verbringen den Vormittag recht unterschiedlich. Ich bereite noch so nebenbei die letzten Urlaubsangelegenheiten vor, packe Lady Laura soweit möglich und mache sie abfahrbereit. -Zwischendurch trifft noch der bestellte Pavillon ein. Eigentlich war eine Lieferung in der letzten Woche avisiert. Nun ja. Von drei Paketen kommen zwei. Wo ist das Dritte? Kommt es noch? Oder gibt es überhaupt drei? Keine Ahnung, keine Zeit für Recherchen, wir müssen los. Zur Beerdigung fahren wir mit Foxi. Es regnet. Uns erwartet eine würdevolle Urnenbestattung auf einem alten Friedhof. Die Trauergemeinde ist klein und trifft sich hinterher in der neuen Seniorenresidenz unserer Heimatstadt. Ich probiere einen Mohn-Lemon-Kuchen und bin sehr angetan von der Kombination. Doch ziemlich bald müssen wir uns verabschieden, denn es wartet eine Tour nach Leipzig auf uns. Wir wollen ein Drittel der Strecke nach Passau schon heute bewältigen um morgen früh genug am Urlaubsdomizil von Laura von Grün, dem Globus-Parkhaus, anzukommen. Also ab nach Hause, umziehen, Auto wechseln, den Rest einpacken und ab geht die Post im Regenschleier in die alte Messestadt. Welch eine Fahrt! Das Navi lotst uns quer durch die Innenstadt, die Fahrt nimmt kein Ende, bis wir endlich an der Ladestation ankommen. Lady Laura lädt fast perfekt schnell bis 90%. Wieder lassen wir uns durch die City führen bis wir endlich das Hotel erreichen. Draußen ist alles vollgeparkt, keine Chance auf ein freies Plätzchen. Gut, saurer Apfel wir beißen und blechen 17 € für einen Tiefgaragenplatz. Darin enthalten ist ein Selbsterfahrungskurs „Parken in aller Enge“. Dankeschön. Das ist Zimmer ist toll. Ich bin alle. Die Fahrt ins Mephisto zum traditionellen Leipzig-Rosé fällt meiner Schlappheit zum Opfer. Welch ein Tag! Welch eine emotionale Kampfstrecke! Welch eine Regentour! Gute Nacht allerseits.

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