Frühtau, Apfelschwein und Island

Um neun soll er kommen, eine Viertelstunde früher schellt es. Ich bin glücklicherweise mit einer Ehefrau gesegnet, die sich etwas leichter tut mit früherem Aufstehen. So muss der Wasserwerker nicht lange vor der Tür warten. Immerhin schaffe ich es noch das Einbaufinale zu erleben. Wie kann man um diese Zeit schon so eine Plaudertasche sein, frage ich mich. Putzmunter der Junge (im völligen Gegensatz zu mir)! – Draußen beginnt die Hitze zu wüten und ich freue mich über die offensichtlich recht gute Isolierung unseres Heims. Egal wie eventuelle Energiefachleute urteilen würden – es hält im Sommer lang die Kühle und im Winter kühlt es nur langsam aus. – Abends begeben wir uns zu einer Einladung zum Dinner bei ‚Ferdinands‘ in die Nordstadt. Ich genieße eine hervorragende Mais-Curry-Suppe und ein gut geratenes Schweine-Cordon-Bleu, vom Apfelschwein wird gesagt, mag auch so sein, denn es ist sehr zartes Fleisch. Mundet prächtig. Im Anschluss betrachten wir Fotos einer Island-Rundreise, hoch interessant, eindrucksvolle Fotos aber ganz gewiss keine Reiseziel für mich: zu kalt, zu nass und zu karg. Ach ja, und zu teuer, in summa meinen Vorlieben ziemlich genau entgegengesetzt. Ein sehr schöner Abend, der gar nicht mal so spät endet.

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Geschwächt

Es ist wieder an der Zeit mit einem Sauggerät durch meine Gemeinde zu ziehen. Erfreut registriere ich jeden Fussel, damit ich mir einreden kann es sei wirklich notwendig. Immerhin lerne ich einiges über Bäume in der Bibel, ein nicht uninteressanter Vortrag von Roger Liebi. Erstaunt bin ich wie mich Corona geschwächt hat, wiewohl ich wieder fast ganz auf dem Damm bin muss ich mich bei dieser einfachen Tätigkeit mehrmals hinsetzen und durchschnaufen. Auch in der Mittagsruhe bin ich echt geschafft. Seltsam. Zu Mittag speisen wir chinesisch, frisch zubereitet aus der City Galerie. Lecker. Nachmittags führe ich mein erstes Telefonat mit rabenkrächzender Stimme mit dem Wasserverband. Die wollen uns tatsächlich am allerfrühesten Morgen eine neue Wasseruhr einbauen, es gelingt mir das auf neun Uhr zu verschieben. Ich verstehe überhaupt nicht was die Handwerker so kurz nach Mitternacht schon auf die Straße treibt 😉😀😇. Ich schwächle selbst zur Kaffeezeit noch herum, fühle mich irgendwie matt und schlapp. Also konzentriere ich mich auf das Lesen. Es wird mittelspät.

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Meine Schutzhütte

In letzter Zeit mehren sich die Erfahrungen wie schnell ein Leben sich total ändern kann – der Weg vom Springinsfeld zum Greis ist in meinem Alter sehr, sehr kurz. Nicht, dass ich ein Springinsfeld wäre, weit entfernt davon, aber das macht die Sache eher ernster als leichter. Die Begegnung mit dem Ewigen rückt näher, das ist eigentlich eher schön als erschreckend, wiewohl eine Begegnung mit Gott immer von heiligem Erschrecken begleitet sein wird, nein, der sogenannte „letzte Weg“ dorthin kann sich sehr lang ziehen und physisch wie psychisch unangenehm schmerzhaft sein. Ja, solche Gedanken kommen immer wieder, ihnen zu begegnen ist normal, ihnen nachzusinnen und nachzulaufen aber mehr als fatal. Ich lebe, Gott ist bei mir und wird bei mir bleiben – mit dieser Gewissheit will ich weitergehen. Carpe diem ist ein christlicher Satz wenn man jeden Tag bewusst aus Gottes Hand nehmen will. Es ist ein herzloses Wort sollte ich versuchen das ohne Gott zu tun, ich würde an mir verzweifeln. In Tagen existenzieller Fragen und Erfahrungen ist bei Gott meine Schutzhütte, spendet er mir Trost und Zuversicht. Das tut wohl.

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Apfelschweinereien

Meine Lust als krächzender Rabe am Gottesdienst teilzunehmen ist viel zu begrenzt also bleibe ich daheim und schaue virtuell zu. Zuerst blicke ich nach Bremen und bin von zwei Taufen recht angerührt. Vor der Predigt dort (der ich am Nachmittag lausche) schwenke ich um in meine Gemeinde. Unser Alt-Prediger bringt erneut ein Thema zur Sprache, das ihn offensichtlich sehr bewegt. Seine Schlussfolgerungen stimmen nachdenklich wenn sie auch nach meiner Auffassung den biblischen Text total überinterpretieren. – Am Nachmittag erreicht uns eine Dinnereinladung samt Speisekarte. Ich wähle etwas vom Havelländer Apfelschwein. Was um alles in der Welt ist ein Apfelschwein? Etwas vegetarisches? Oder nur ein Borstenvieh, dass sich überwiegend von Fallobst ernährte? Und warum Äpfel – ich denke im Havelland sind Birnen „in“ (Ribbeck auf Ribbeck im Havelland)? Wir dürfen gespannt sein. – Am Abend vergeigen die deutschen Ladies ihr Finalspiel und ich habe noch nicht einmal zugeschaut. Fußball regt mich zu sehr auf, ich brauche das nicht mehr in meinem Alter 😉😇. Dann löst auch noch eine mir bislang unbekannte französische Polizeikraft elegant und bestens lesbar ihren Fall. Was will ich mehr? Alles ist gut. Die Nacht auch. Prima.

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Tristesse

Es hat geregnet: 12 mm! Endlich mal wieder – das löst echt Freude aus, wenn es auch für den Juli viel zu wenig ist aber immerhin. – Ich räume unsere Garage ein wenig auf, damit der Leihwagen seinen Platz finden kann. Das Innendsign des Golfs gefällt mir recht gut, schade, dass man so ein Fahrzeug nicht auf die MEB-Plattform umgestalten konnte, wollte oder was auch immer. Der ID3 ist da nur ein spärlicher Ersatz und der ID4 spielt in einer anderen Liga. Nun ja, schafft ein Neues ist wohl das Motto (und war vielleicht einfacher zu realisieren, mag sein). – Im Laufe des Tages kann ich auch endlich die Rheinfahrt-Keynote beenden, mir fehlen nur Texte dazu, also inhaltliche Aussagen zu den Bildern. – Ich schaue mir lustlos eine YouTube-Plauderei zu Autovorlieben an – der Typ scheint auch nicht so toll drauf zu sein wie sonst, selbst die 47. Folge zum Frankfurter Airport langweilt mich. Bei mir gewinnt die Erkenntnis Raum, dass die Beiträge wohl doch nicht schlecht sind dagegen scheint meine Stimmung im Keller ‚rumzuwühlen. Ob sie auf der Suche nach meiner weiterhin aushäusigen Stimme ist? Irgendwie lese ich ein wenig, lasse meine Gedanken lange Spaziergänge absolvieren und werde regelmäßig von seltsamen Arto-Kamera-Meldungen genervt. Also ab ins Bett, danke Schlaf für dein schnelles Kommen. Bonne nuit!

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Negativ. Endlich!

Der Tag beginnt mit einem Selbsttest. Das Ergebnis lässt Raum für Zweifel – ist nun die zweite Linie sichtbar oder nicht? Wir diskutieren. Die Hoffnung bleibt. Heute kommen Medikamente, die die Online-Apotheke eigentlich schon für Mittwoch avisiert hatte. Eine Apotheke, die ich mir merken sollte um sie ja nicht wieder mit einem Auftrag zu belästigen. Wir erhalten heute wegen gewisser Lieferprobleme einen Leihwagen. Per Bus zur Ausnutzung ihres 9-Euro-Juli-Tickets holt ihn meine Vertraute ab und gleich im Anschluss geht es zum Testzentrum. Nicht so richtig flau aber auch nicht völlig wohl ist mir im Magen. Der Test ist schnell vollzogen und jetzt heißt es warten. Nach einer sehr langen Viertelstunde meldet meine Corona-App: negativ! Klasse! Danke, HERR!! Welch eine Befreiung! Jetzt fehlt mir nur noch meine Stimme. Die lässt sich zwar kurz und rau hören zeigt aber keine Intention zur alten Form zurückzukehren. Geduld, Geduld, Geduld … Ein paar Glückwünsche zum negativen Test laufen ein und machen mir wieder Mut. So etwas baut auf. Es geht wieder einmal früh ins Bett und mich treiben größte Bedenken um, dass das zur Gewohnheit werden könnte. Selbst der Schlaf kommt fix.

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Außensicht

Offensichtlich fühlt sich meine Stimme anderswo wohler als bei mir. So stürze ich mich in leiser Verzweiflung auf die Fotos der Rheinreise und beginne eine Keynote aufzubauen. Auch das ist ein mühsames Geschäft angesichts der Vielzahl der Bilder, doch Schritt für Schritt komme ich zum Anfang. Der Coronatest ist natürlich positiv – keine gute Nachricht. Meine inzwischen nachgewiesen gesundete Partnerin darf überall hin und ist munter drauf. Ich dagegen werfe mir ein was einzuwerfen ist und kann mir irgendwann vielleicht einmal einbilden, dass es geholfen habe. – Draußen wird die Sonne nicht mehr durch die Hitze gebremst und so verbessert sich die Ertragslage bei der Photovoltaik deutlich, sie fährt das zweitbeste Ergebnis des Monats Juli ein. Gut so. Es gibt so Tage, da komme ich mir vor als wenn ich mich von außen betrachten würde, schauen wie ich lebe ohne aktiv beteiligt zu sein. Ja, das klingt etwas stark verrückt, ist aber nur – wenn überhaupt – ein kurzzeitiges Phänomen. Seltsam. Ansonsten vergeht der Tag mit hoffen und harren, was bekanntlich Weise zu Narren macht. Es wird mittelspät.

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Hilfsmittel en masse

Die Stimme ist immer noch weg. Heute wird mein Schweigetag. Ob das etwas hilft? Wer weiß das schon? Im Laufe des Tages treffen von mitfühlenden Menschen mancherlei Hilfs- und Mutmachmittel ein. Salbeibonbons für die Stimme, ein heilsamer Tee und wirkungsreiche Pastillen. Ich führe mir das alles gehorsam und vertrauensvoll zu. Die erwarteten Wirkungen lassen sich dagegen Zeit. Geduld tut dir not, lieber Stimmloser. In meiner Orientierungslosigkeit reinige ich unseren Kaffeeautomaten in dem gewohnten stundenlangen Aufwand. Dann verarbeite ich unsere Frühjahrsreise zu einer Keynote-Präsentation und schaue bedauernd all den Fotos hinterher, die dabei keine Verwendung finden. Zwischendrin lese ich den irren Roman von gestern bis zum bitteren Ende durch, das genauso bescheuert ist wie der ganze Plot. Ein neuer Krimi beeindruckt mich in seiner Schlichtheit – ob mich die Corona-Sch…. auch noch zum Superkritikaster verändert? Wie dem auch sei, früh geht es zu Bett und der Schlaf lässt sich erstaunlicherweise darauf ein. Immerhin.

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