Das letzte Abenteuer

Unser Geländer rund um die Lounge ist eine Katastrophe. Heute schaut ein Handwerker vorbei für ein Angebot einer grundlegenden Erneuerung. Wir dürfen gespannt sein wie hoch die Endsumme ausfällt. Ich habe allerärgste Befürchtungen in diesen explosiven Baupreiszeiten. – Bin ich ein Snob nur weil ich bei Langstreckenflügen nicht eingezwängt sitzen will und gern bereit bin mir das was kosten zu lassen? Die Frage treibt mich offensichtlich um aber nicht so, dass ich mich freiwillig acht Stunden und länger in eine Dreierbank quetschen lasse. Mein Problem ist, dass es augenscheinlich nur mein Problem zu sein scheint. Was bin ich denn für eine Marke? Prinz auf der gekochten Erbse? Muss wohl so sein. Kurz und gut heute buche ich eine meiner vier Traumreisen wohl wissend, dass Träume in der Realität nicht selten platzen. Dann soll es halt so sein. Mit wachsendem Interesse lese ich Beurteilungen über Kreuzfahrten in Coronazeiten. So eine Reise scheint eines der letzten Abenteuer zu sein: man weiß bis zum Ablegen nicht ob man überhaupt losfährt, kann überrascht werden, dass viel weniger Häfen angesteuert werden oder lernt das Überleben in Quarantäne in Kabinenklausur 😀😉😇. – Abends erfreut mich Barnaby mit wunderbar skurrilen Fällen samt dezentem britischen Humor. Köstlich! Es wird mittelspät, das macht aber nichts denn der Schlaf trödelt auswärts herum.

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Sturm, Regen, Zapperei

Ausschlafen sonntags heißt in den meisten Fällen virtueller statt präsenter Gottesdienst. So auch heute. Dabei gefällt uns der Gottesdienst sehr gut, die Predigt ist ansprechend und herausfordernd – unsere neue Praktikantin macht ihre Sache sehr gut. Zu dem bis ins Kleinste bekannte Gleichnis von den zwei Häusern, eins auf Sand, das andere auf Fels, gibt sie uns Anstöße und Anregungen, die deutlich machen, dass man Bibelworte nicht „auspredigen“ kann. Es finden sich immer wieder neue Aspekte. Ähnliches zeigt auch die Predigt aus Bremen über Jesu Verklärung von der u.a. das Matthäusevangelium berichtet. Es ist ein stürmischer Sonntag, Sturm, Wind und Regen wechseln sich ab, tun sich zusammen, wie es ihnen gerade passt. Die Bäume werden durchgeschüttelt und unzureichend befestigte Äste machen einen Abgang. Einige finden den Weg auf unsere obere Terrasse, Lounge genannt. Wir spüren abends den Amazonen hinterher, dann den Mauren, Spaniern und Touristen in Andalusien. Im Anschluss zappe ich lustlos auf meinem iPad herum bis wir – endlich – wieder einmal viel zu spät unser Nachtlager aussuchen. Der Schlaf lässt sich Zeit und erledigt äußerst lustlos seinen Job.

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Ladegut

Ich träume meinen Karibiktraum weiter – das baut auf. In der Realität ist es dagegen kalt und ein wenig nass. Der Heuschnupfen ist wieder zurück, wie meistens im Januar. Er lässt die Nase laufen und die Augen jucken. Na prima. Ein Sturm zieht auf und der Wind bläst munter bis in den nächsten Tag hinein. Ich informiere mich auf Anregung eines guten Bekannten über neue Atomreaktortypen und staune ein wenig welche theoretisch interessant klingenden Konzepte auf dem Markt ihr Wesen und Unwesen treiben. Ihre Vorteile werden per YouTube breit ausgewalzt und etwaige Nachteile kleingeredet. Doch ich muss nicht lange suchen um auf die ungelösten bzw. nur in der Theorie gelösten Rahmenbedingungen zu stoßen. Überall fehlen nur ein paar Milliarden für den großen Wurf. Das mag so sein, doch richtig schlau wird man erst nach schweineteuren erfolgreichen oder gescheiterten Versuchen sein. Wie groß ihr Nutzen (oder ihr Schadenpotenzial) in der bösen Realität sein werden, weiß keiner zu sagen. – Die Kreuzfahrtgesellschaft ist wirklich fix, denn schon am Abend kommt die Aufforderung unser „Kreuzfahrtmanifest“ auszufüllen und unsere bevorzugte Zahlungsmethode für eventuelle die ‚All-In-Zusage‘ übersteigende Rechnungen mitzuteilen. Laut Duden ist ein Manifest im Seewesen „das Verzeichnis der Güter auf einem Schiff“. Aha, dann weiß ich ja was wir Passagiere für tui-cruises sind: Ladegut. Das erklärt manches aber nicht alles 😉! – Die Zeit am Abend verplempere ich und doch wird es sehr spät. Erstaunlich. Der Schlaf ist noch sehr viel später dran.

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Service lebt noch

Und es gibt sie noch: Beratung und Service, welch eine erhebende Erfahrung! Ich rufe, einer Empfehlung entsprechend, bei einem Reisebüro in der Nähe von Köln an. Nach allerkürzester Wartezeit habe ich eine überaus freundliche, kompetente und hilfsbereite Mitarbeiterin in der Leitung, die mich bestens berät. Vorbildlich. Ich buche eine Kurzreise, quasi zum „Reinschnuppern“ und erläutere meine Wünsche für eine zweite längere Tour. Sie will sich drum kümmern. Die Reisebestätigung erhalte ich in kürzest denkbarer Zeit, kann auf dem iPad unterschreiben und fertig ist die Buchung. Mein inzwischen sehr lahm gewordenes „altes“ Reisebüro erfordert immer noch einen Weg in die Stadt mit einer Vorortberatung, falls die Zeit es zulässt, was sie offensichtlich nicht mehr tut. Dann ist das so und tschüß. Das „Nachfolgebüro“ schickt erstaunlich schnell einen Vorschlag für die längere Tour, wie ich es gewünscht habe und hat diesen vorsorglich schon für ein paar Tage blockiert. Klasse – besser noch als mein bisheriges Büro zu seinen besten Zeiten. Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung. Uns bewegt mehr noch eine Luxusfrage: Sollten wir als Christen so unverschämt viel Geld für eine Reise ausgeben? Die Meinungen sind geteilt. Einerseits ist Bescheidenheit eine Zier, andererseits bedeutet sie ebenso spürbare wie unnötige Komforteinbußen während das Geld auf dem Konto jeden Tag an Wert verliert. Eine Alternative wäre, die Knete insgesamt zu spenden. Mache ich mir einfach nur zu viel Gedanken über den Mammon? Mannomann habe ich Probleme, viele Menschen würden sich wünschen diese zu haben. – Der Abend verläuft ruhig mit dem Staatsanwalt, meinen üblichen Freitags-YouTube-Videos, zwei Folgen meiner hochintelligenten Ermittlerin und einem herzigen Wapo-Serienerlebnis. Der Schlaf kommt nicht unpünktlich.

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Steuern und Reisen

Natürlich (?) meldet sich mein Reisebüro nicht. So stürze ich mich allerschwersten Herzens auf die Umsatzsteuervoranmeldungen für die Platten auf dem Dach. Immerhin muss ich das nicht mehr monatlich machen, sondern nur vierteljährlich, nämlich fürs II., III., und IV. Quartal 2021. Voranmeldungen im Nachhinein – die Logik der Bürokratie. Jede von ihnen ist eine „Null-Meldung“, alldieweil wir noch keine Erträge vergütet bekamen. Doch ich kann die Vorsteuer für die Anlage absetzen, passenderweise in jedem Quartal eine Rechnung. So kann sich der Aufwand wenigstens lohnen. Putzig ist, dass ich im Online-Formular zwar ankreuzen kann, dass es eine Anlage (die Rechnung) gibt, aber keine Möglichkeit des Uploads für dieselbe finde. Digitalisierung und Verwaltung das passt nicht zusammen, scheint mir. – Nachmittags bemerke ich „zufällig“, dass ich nicht nur eine Steuernummer für die Umsatzsteuer erhalten habe, auch unsere Steuernummer für die Einkommenssteuer wurde erneuert. Wunder der Verwaltung! Andererseits stimmt es schon, dass der, der lesen kann, klar im Vorteil ist. Stöhn!!! – Abends besuchen wir Freunde mit dem festen Vorsatz nicht über Reisen zu sprechen und kommen mit einer Adresse eines neuen, kompetenten, auskunftsbereiten Reisebüros zurück. Außerdem schwirrt uns eine Kurzreise im Februar im Hirn herum. Es ist halt ein netter, plauderreicher Abend gewesen. Es wird gar nicht so spät.

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Unvernunft regiert

Mein Reisebüro ist telefonisch nicht zu erreichen. Ich schicke eine E-Mail. Erst am späten Nachmittag wird mir auf demselben Weg eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen eventuellen Anruf am morgigen Vormittag signalisiert. Ich darf gespannt sein. Ein Handwerker schaut vorbei, erkennt seine Unzuständigkeit und verweist an einen anderen Betrieb. Netter Zug. Und wieder komme ich nicht zum Steuerkram – oder will ich nicht dazu kommen? Meine Aversion gegen diesen bürokratischen Irrsinn ist mit Händen zu greifen. Wie unvernünftig, jedoch völlig egal, irgendwann muss ich ran, das Finanzamt liegt dräuend auf der Lauer!!! Seufz. Urlaub planen macht aber viel mehr Spaß, doch das ist wohl kein Argument 😉. – Irgendwie rauscht der Tag vorbei, der Abend kommt und geht. Fernsehen as usual. Seufz. Es wird sehr spät. Der Schlaf wartet diesmal schon auf mich.

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Warum nur tangiert Politik mich immer noch?

Ich nähere mich mit zaghaften Schritten der ersten Umsatzsteuermeldung. Bescheuerte Photovoltaikverhinderungsmaßnahmen der alten Bundesregierung. Aber die neue scheint auch nicht besser zu sein. Sie verkündet lauthals ihr Ziel der CO2-Reduzierung und setzt wenig später ein überaus erfolgreiches Programm zur Wärmedämmung mit der fadenscheinigen Begründung aus es würde zu oft in Anspruch genommen und die Mittel seien erschöpft. Es mag ja sogar manches an der weiteren Argumentation dran sein, doch so geht das doch nicht wenn man wirklich Bürger motivieren will! Oder sind das erste Vorboten der Verbotspartei um von Motivation auf Peitsche umzustellen? Für mich deutet einiges in diese Richtung. Schade, denn mir begann gerade der neue Kurs zu behagen, fast wäre ich überzeugt worden. Doch ein Gesundheitsminister, der ad hoc eine Menge Leute bloßstellt, von heute auf morgen ihren Status killt, und ein Klimaschutzminister der übergangslos dämmwillige Bauherren in finanzieller Kälte stehen lässt, werfen ein mieses Bild auf die neue Truppe. Sehr, sehr schade. Hoffentlich bleibt es nicht dabei. – Dann wirft ein Reiseangebot mehr Fragen auf als es beantwortet und lässt mich frustriert dastehen. Ob ich wirklich das richtige Reisebüro gewählt habe? Zweifel sind angebracht. – Abends lassen wir uns wieder einmal testen und fahren mit Freunden zu unserem Patenkind. Es wird ein feiner Abend mit griechischer Beköstigung. Tolle Sache. – Daheim schaue ich noch zwei Folgen einer deutschen Krimiserie an mit einem älteren knurrigen aber weichherzigen Ermittler samt Musterfamilie und seinem Mitgenossen, einem dunkelhäutigen ewig lächelndem Sunnyboy. Nun ja, Serieneinerlei mit leicht belehrendem Touch wie im öffentlich-rechtlichen TV üblich, aber wunderbar entspannend 😉. Der Schlaf stellt sich mit seiner Bedeutung gemäßer Verzögerung ein.

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Reiseträume

Sehr früh müssen wir unser warmes Nest verlassen und uns in die kühlere Welt begeben. Meine Mum hat einen Zahnarzttermin, sprachpolizeilichkorrekt Zahnärztintermin 😢😠🤨. Wir holen sie aus dem Heim ab und fahren mit ihr zur Praxis am Drömling, quasi ‚ümme Ecke‘. Mutti wird im Rollstuhl behandelt und muss sich nicht in den Behandlungsstuhl quälen. Perfekt. In jedem Fall ist ein Gutteil des Vormittags vorbei – trotz des frühtaumäßigen Aufstehens – ehe die Aktion abgeschlossen ist. Aber Zeit ist ja nicht unser Problem. – Ein Angebot der Costa-Kreuzfahrten erscheint mir äußerst reizvoll. Anfang nächsten Jahres, also noch gut Zeit zum Sparen, wird eine preislich hochinteressante Schiffsreise angeboten. Ich freunde mich mit der Vorstellung im Januar, Februar, März oder April 2023 die Biege zu machen viel zu schnell an. Sie schwirrt in meinem Haupte herum und ist ernsthaft bemüht ein Nest zu bauen. Aber es gibt ja nicht nur Costa. Also gehe ich meiner Lieblingsbeschäftigung nach: Reisen planen. Das macht echt Spaß. Meine künftige Mitreisende ist vom Reiseziel nur recht mäßig und von der Schiffsgröße nahezu nicht begeistert. Letzteres kann ich nachvollziehen und doch gehört die avisierte Gegend zu meinen derzeit vier (alphabetisch: Australien/Neuseeland, Karibik, Südafrika, Thailand) Landschaften, die ich vor meinem Abschied von dieser Welt, so Gott will, gerne noch sehen würde. Wenn nicht wäre das auch nicht schlimm, denn es wartet ja eine unfassbar schönere Herrlichkeit auf uns Christen, doch irgendwie reizvoll wäre es schon 😉😇. Schaun wir mal! Zwei Barnabys geleiten mich durch die Nacht. Der Schlaf bleibt heute aus. Er hat wohl etwas anderes vor. Schnief.

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