Adieu Reiselust

Alle Jahre wieder ärgere ich mich über die Rentnerbesteuerung vor allem beim Zusammensuchen der Unterlagen meiner Mum, um sie, die Unterlagen, dann ihrer Steuerberaterin zuzuwerfen. Das ist alles rausgeworfenes Geld. Gegen eine Rentnerbesteuerung spricht vor allem – und das Argument liest man nirgends – dass alte Menschen sehr sehr häufig überhaupt nicht mehr in der Lage sind die komplexen Zusammenhänge des Steuerrechts zu verstehen. Man setzt voll auf Angehörige oder schanzt schweineteuren sogenannten Betreuern diese Aufgabe zu. Letztere lassen sich dann jeden Handgriff vergolden. Es ist ein großes Übel. – Das Angebot unseres Sonnenenergieprofiteurs trifft ein und ich unterschreibe. Adieu Australien, tschüss Fernreisen, demnächst stelle ich meinen Liegestuhl vor dem Stromzähler auf und betrachte den erzeugten und gesparten, sprich selbst verbrauchten, Strom. Immerhin ist es dort, wenn viel Strom von oben fließt angenehm kühl. Wir haben es so gewollt. Manche Apfelbäumchen sind halt folgenschwer. – Immerhin kann ich einen Kommissar durch die Bretagne begleiten, mir per eBook die Sonne aufs Haupt brennen lassen und viele Sehenswürdigkeiten verbal bewundern. Das könnte Zukunft haben vor allem wenn die Verbotspartei regiert oder mitregiert. In jedem Fall wird Vermögenssteuer wohl nicht mein Problem sein. Hoffentlich. Es wird spät.

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Der Tod und das Leben

Aus heiterem Himmel trifft uns die traurige Nachricht, dass ein guter Bekannter heimgegangen ist. Er ist jetzt bei unserem himmlischen Vater und sieht was er geglaubt hat. Er war gerade mal ein Jahr älter als wir. Ja, wir stehen nahe am Grab, keine neue aber immer aktueller werdende Erkenntnis. Er ist jetzt bei Jesus, diese Gewissheit tröstet die Hinterbliebenen und doch bleibt viel Trauer – unsere Gebete begleiten die Witwe. – Das Leben hier auf der Erde geht weiter und bei uns schaut ein Überzeugungsträger, sprich Verkaufsberater, unserer Photovoltaikfirma vorbei. Ja, unsere Fragen sind schnell beantwortet, es liegt an uns ob wir wollen oder nicht. Australien oder Solaranlage, das ist hier die Frage. Nachhaltig ist beides, das eine in Erinnerungen, das andere in der Praxis. Andere grün-ökologisch-zukunftsängstlichen Fußabdrucksüberlegungen sind mir völlig fremd, weil sie Gott nicht in ihrer Rechnung haben – es zählt allein das, was wir Menschen tun. Welch eine kurze Sichtweise! Aber so ein Apfelbäumchen vor meinem Abschied w#re nicht schlecht. Dass ich es wachsen und gedeihen sehe, ist ja nicht völlig ausgeschlossen. Und wenn unser Gott gnädig ist, liegt die eine oder andere Fernreise vielleicht doch noch drin. Immerhin ist die letzte Reise gratis und ein großes Geschenk unseres Heilandes. – Am Nachmittag lassen wir es uns mit meiner Mum im Café gutgehen. Sie genießt es sichtlich. Schönes Wetter und zurückgehende Covid-19-Zahlen bauen auf. – Am Abend tut sich meine fußballinteressierte Mitbewohnerin das „deutsche“ Spiel auf der Großleinwand an. Nun ja, Tore schießen können sie ja und wenn sie jetzt noch lernen das Tor des Gegners auszuwählen, könnten sie möglicherweise auch irgendwann einmal gewinnen. Ich verbringe die Zeit lesenderweise, seit Deutschland – Österreich vor Jahrzehnten ist mein Interesse an den kickenden Millionären erlahmt. Es wird erstaunlich spät.

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„Die spinnen, die Finanzpolitiker“

Es heißt Abschied nehmen von unserem geliebten Audi Q2. Wir geben ihn dem Händler, bzw. dem Leasinggeber zurück. Der Q2 ist ein wunderbares Auto, mit dem wir sehr gern unterwegs waren. Dank seiner Assistenten toppt er sogar das offene Fahren mit unserem Cabrio, denn die Assis nehmen dem Fahrer viel ab. Ja, ich bin ein wenig traurig, denn es war eines der besten Fahrzeuge, das wir je hatten. Seufz. Sein Nachfolger kommt am Freitag und er ist völlig anders. Es bleibt spannend. – Ich versuche mich der steuerlichen Situation einer Solaranlage zu nähern. Sorry, ich kann mir nicht helfen aber dabei steigt meine Abneigung gegenüber den gewählten Bundestagssitzern enorm. Wie kann man sich so einen Bullshit einfallen lassen! Steuerrecht ist kompletter Mist. Einerseits gibt es das Umsatzsteuerrecht. Um davon weitgehend unbehelligt zu bleiben kann man in die Kleinunternehmerregelung flüchten. Dann lässt sich die Mehrwertsteuer des Anlagenbaus nicht absetzten. Alternativ kann man gut 5 Jahre in ständigem Kontakt mit seinem Finanzamt bleiben und dann erst Kleinunternehmer werden. Das spart die besagte Mehrwertsteuer, verlangt aber alle Umsätze, einschließlich Eigenverbrauch zu versteuern. Es geht hier um Summen im zwei- bis dreistelligen Bereich. Pervers. Bei der Einkommenssteuer dagegen kann man sich neuerdings mit einer formlosen Erklärung ausklinken (natürlich nur unter bestimmten Bedingungen). Warum um alles in der Welt macht der Staat so ein Bohei? Lasst doch alle Kleinanlagenbesitzer einmalig ihre Vorsteuer für die Beschaffung abziehen und erspart euren Beamten die jahrelange Auseinandersetzungen mit Peanuts! Doch ich werde daran nichts ändern, denn was kann man von Menschen erwarten, die sich ihre Gesetzesvorlagen von Vertretern der Energiekonzerne entwerfen lassen? Guter alter Obelix wie formulierst du immer so trefflich: „Die spinnen, die …“ So ist es. Es wird mit rauchendem Kopf leider spät.

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Nach-Corona-Zeitreise

Gottesdienst in unserer Gemeinde steht an. Wir dürfen dort während wir sitzen die Masken abnehmen doch ich behalte meine auf, weil doofe Pollen nur darauf lauern mich zu belästigen. A-Karte. Singen mit Maske ist erlaubt und tut gut. Die Predigt über das Reden Gottes gibt viel Stoff zum Nachdenken. Hinterher, selbstverständlich draußen, gibt es viele Gespräche fast wie vor der Pandemie. Sollte wirklich das normale Leben allmählich wieder zurückkehren? Fast sieht es so aus falls nicht eine vierte Welle tsunamiartig zuschlägt. – Nachmittags sind wir auf einer Nachgeburtstagsfeier der kleinen Nora. Drei Kinder toben herum, ein an allem interessiertes Baby schaut sich alle und alles intensiv an und wir Erwachsenen benehmen uns als gäbe es keine Coronakrise. Unverantwortlich? Nein, absolut notwendig und vertretbar – man braucht einfach mal Luft zum Durchatmen – wenn nicht bei einer einstelligen Inzidenz im unteren Bereich, wann dann? Grillwurst und handgemachte Salate lassen uns von guten alten Zeiten träumen. – Zu Hause brenne ich verträumt eine Mini-Cohiba ab, lese ein wenig, youtube ein wenig und plaudere ein wenig um dann recht spät ins Bett zu fallen.

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Ein Meeting vor Ort

Knapp nach dem Frühtau geht es los in Richtung Verbandszentrum. Heute ist der Tag für meine erste längere Tour in einem rein elektrisch betriebenen Auto. Okay, leise ist es aber so viel leiser als ein Verbrenner auch nicht, jedenfalls bis 100 km/h. Das vielgerühmte schier lautlose Dahingleiten hält sich in engen akustischen Grenzen, nett ist es dennoch. Vor Ort angekommen erwartet mich eine Versammlung mit Jahresberichten, Kassenbericht, Kassenprüferbericht samt -wahl, Inspektorenbestätigung und Vorstandswahl. Sie ist wenig kurzweilig aber immerhin dürfen wir im Sitzen die Masken abnehmen. Das freut mich. Nach dem Abschluss aller Formalien mit mancherlei unverständlichen Bemerkungen zu Themen, von denen ich keinerlei Ahnung habe und der für mich unerwarteten Abwahl eines Freundes, geht es gegen Mittag wieder heim. Irgendwie ist mir der Verband fremd geworden, komisch eigentlich. Heute ersetze ich meine Andacht durch Ansprachen von Latzel und Parzany und lasse ansonsten den Abend in aller Ruhe vergehen. Es wird gar nicht so spät.

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Gastronomie und Eseleien

Endlich mal wieder sich gepflegt in der Gastronomie bedienen lassen. Lecker Schnitzel mit Spargel beim Hackepeter im Nachbarort und alles ist gut. So oft waren wir vor der Pandemie nicht essen aber wenn es auf einmal verboten ist, fehlt es enorm. Wir sitzen wunderbar im Freien, die Sonne lacht, ein großes Glas Spezi verkündet Normalität – ich genieße es total. Danach eine kleine Cabriotour und ab in die Mittagsruhe – welch ein Tag. Aber wenn man meint alles ist perfekt, sollte schauen ob man sich nicht irrt. Am Abend wären wir fast gestolpert und halten nicht leicht die Balance. Unverhofft kommt oft. Wie drückt es Goethe aus: „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.“ Der alte Dichterfürst kennt uns Menschen ganz gut. Wie es ebenso mein oft zitiertes Sprichwort auf den Punkt bringt: „Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis.“ Schön, wenn wir dann einen haben, der uns am Schlafittchen packt und festhält. Es wird halbspät.

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Abenteuerlust, ein Rösselsprung und Romanfrust

Es wird ernst. Wir holen uns heute eine eVB für unseren ersten Stromer. Spannende Erlebnisse, verregnete Ladezeiten, Geduldsproben, windowsartige Softwarekapriolen und wundersame Fahrerfahrungen warten auf uns. Endlich mal wieder Abenteuer. Nein, ich übertreibe nicht, überziehe allerhöchstens ein wenig. Elektromobilität ist genau die richtige Therapie für meine Ungeduld – hoffe ich. Abwarten und Strom tanken. Der Bezirksleiter unserer Versicherung ist jung – für jemand an die siebzig gibt es neuerdings erstaunlich viel junges Volk – und extrem nett. Mit dieser Wesensart stehen ihm zweifellos viele Türen zu erfolgreichen Abschlüssen offen. Obwohl er uns völlig fremd ist, kennt er erstaunlich viele Menschen aus unserem Umfeld, unsere sogenannte Großstadt ist halt ein Dorf. – In Berlin gibt es wieder Verdruss mit einer Impf-App, die zwar lauthals angekündigt wird jedoch kaum verfügbar ist. Offensichtlich gelingt dem Bundesgesundheitsminister ein digitaler Rösselsprung – man geht zur Apotheke mit einer App (oder auch ohne?), dem Personalausweis und dem Impfpass, der Apotheker übermittelt irgendetwas ans RKI, wartet und druckt (!!!!) dann einen QR-Code aus. Welch ein digitales Armutszeugnis, immerhin ist anerkennenswert, dass kein Postversand zwischengeschaltet wird. Hopfen und Malz absolut verloren – seufz. – Zu allem Überfluss schließt mein Krimi mitten in der Nacht mit einem emotional traurigen Ausgang, der mich völlig mitnimmt und lange Zeit umtreibt. Armes Sensibelchen!

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Sperenzchen und Endloswahlen

Als wenn er meine klammheimliche Freude auf Australien geahnt hätte, meldet sich heute unser Photovoltaikanbieter und vereinbart einen Termin. Dann wird wohl die Sonne siegen. Wen wundert’s?! – Nicht ganz so toll ist meine Arbeitsabstinenz was die Rasenkanten angeht. Wo kein Wille ist, ist wohl wenig Weg. Scheint so, ist aber unbefriedigend. Inzwischen füllt sich der Terminkalender für die kommende Woche. Immer mehr bunte Treffen leuchten mir entgegen – ganz schön viel für zwei arme Ruheständler. – Meine Impfung macht sich kaum bemerkbar und das werte ich als sehr erfreulich. Ich muss gleich mal notieren, ab wann der volle Schutz gilt. Jetzt heißt es nur noch warten. – Die politischen Diskussionen sind inzwischen vom Vorwahlkampf geprägt. Es ist voll ätzend. Gern gebe ich zu, dass mir jegliches Verständnis für die teils ziemlich abgefeimten Sperenzchen diverser Akteure fehlt. Bleibt mir damit vom Acker. Hoffentlich wird bald gewählt und hoffentlich schaffen es die Gewählten den Willen der Wähler, der sich im Wahlergebnis widerspiegelt, in eine Koalition umzusetzen. Schlimmstenfalls könnte es auch sein, dass wir so lange wählen müssen bis das Ergebnis den sogenannten Volksvertretern passt. Dann könnten wir es auch gleich lassen. Ich beende einen absurden Krimi und ziehe mich zurück.

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