Herrlichkeiten

Zum Gottesdienst verführt uns ausnahmsweise die Josefkirche. Wir hören eine beeindruckende und nachdenkenswerte Predigt von Olaf Latzel über die Herrlichkeit dieser Welt, die ich ruhig dankbar auskosten darf, die mich aber nicht beherrschen sollte, denn sie vergeht. Alles, was hier toll ist, ist zwar reizvoll aber endlich. Selbst (oder gerade?) den so verführerischen Reichtum (… wenn ich einmal im Lotto fünf Millionen gewönne …) können nur wenige Menschen sorgenfrei genießen. Meist fangen mit der vielen Knete die Sorgen erst richtig an. Wenn ein Mensch mein „Ein und Alles“ ist, wird es böse enden – er wird mich früher oder später enttäuschen und verlassen. Gott war, ist und wird sein, jetzt im Leben, im Tod und nach dem Tod. Er verlässt uns nicht. Seine Nähe bleibt in Ewigkeit. – Beim Mittagsschlaf kann sich das Gehörte in aller Ruhe im Kopf sortieren und seinen Platz im Gedächtnis finden lassen. Fein. Wir canceln spontan unser Nachmittags- und Abendprogramm und erleben eine Reise durch Südamerika, durchqueren danach Thailand, um in Anschluss die Seychellen zu besuchen und schließlich die Malediven virtuell zu bereisen. Ein alter Wein begleitet und erfreut uns dabei.

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Biblische Botschaft, Piraschkis und das Leiden Jesu

Ausnahmsweise scheint die Sonne mal wieder. Mit 11 Grad ist es sogar ein wenig „warm“. Mein Wochentagsfeeling lässt nach, denn ich wünsche Freunden einen guten Heimflug, weil ich dachte heute sei Sonntag. Echt blöd. Dieses dem Arbeitsprozess entrissene Leben bringt nun einmal nicht nur Vorteile mit sich. Aber die Freunde werden es überleben – da bin ich sicher. Abends führt mich mein Weg in die Josefskirche, in der Olaf Latzel zwei Vorträge hält. Der erst legt einen Psalmvers trinitarisch aus, bezieht ihn also auf Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist. Handfeste, knackige und an der Bibel ausgerichtete Botschaft. Klasse und erfrischend. Dann gibt es eine russische Spezialität. Wenn ich es richtig recherchiert habe genießen wir als Zwischenmahlzeit russische Piraschkis, Kartoffelbrei im Teigmantel, total lecker! Danach geht es weiter mit einem Psalmvers, der friedlichen Schlaft verheißt, wenn man sich Gott ganz anvertraut und ihm völlig vertraut – eine starke Auslegung, die viel Mut macht und eigenes Fehlverhalten aufdeckt. Manchmal ist es eben von großem Gewinn, wenn man seine Nase mal außer Haus gehen lässt und dem Wind aussetzt. In der Josefkirche hat mich ganz nebenbei ein Kruzifix fasziniert, das sehr deutlich zeigt, wie sich der Künstler mit dem Leiden eines gekreuzigten Menschen auseinandergesetzt hat. Das Leid Jesu wird überdeutlich. Eine Mahnung.

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Abgeben, aufnehmen, erwarten

Welch ein Privileg ausschlafen zu können bis in die allerspätesten Puppen! Klasse, super, famos! Das ist die positive Seite des Pensionistenlebens. Negativ ist dagegen, dass ich immer noch nicht gelernt habe meine Sorgen und Probleme bei Jesus abzugeben. Das heißt, abgeben klappt schon aber die Dinger kleben an mir schlimmer als Kletten. Immer wieder beschäftigen mich Gedanken über South African Airways – was ist wenn sie pleite machen? Über Humboldt-Reisen das unberechenbare Veranstalterwesen schweifen die Hirnströme sowie über irgendwelche Wehwehchen, die ich nicht zuordnen kann. Und meine Ungeduld ist weiter eine große Plage. Doch wie ein Lichtstrahl verkündet heute der Küchenbauer, dass er nächsten Freitag die Küche komplett fertigstellen will. Dann schlösse eine weitere nervende Baustelle. Der nächste große Sonnenstrahl ist unser Lunch mit Freunden in den Schloßremisen. Ich bin zufrieden und wenn der Koch (oder ist es eine Köchin?) ein wenig verliebter gewesen wäre, wäre es sehr gut gewesen. Man sagt, viele Menschen stehen auf mutloses Würzen. Mag sein. Ich nicht! Die durch vielerlei Gewürze kunstvoll veredelten Fleischhappen stechen doch jedes mit einer kleinen Prise Salz garniertes Streifchen Schwein aus. Das müsste ein Meister aller Töpfe und Pfannen doch wissen? Oder ist das zu viel verlangt? Wie dem auch sei, wir können uns mit wohlig schnurrendem Magen heimwärts begeben. Hoffentlich funktioniert die Verwandlung in Bauchfett nicht. Das wäre begrüßenswert

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Fürsorge

Einerseits ist es einfach toll mit einer fürsorglichen Partnerin verheiratet zu sein, die sich verantwortungsvoll um Menschen kümmert, wie heute um ihre viel ältere Freundin. Ich bin begeistert von ihrem Engagement aber andererseits beschämt von dem Spiegel in den ich blicke. Diese liebevolle schier übersprudelnde Zuwendung liegt mir gar nicht. Ich gleiche dabei eher einer leicht modrigen Lache in der Wüste. Es ist ein Fakt: wir Menschen sind unterschiedlich und nicht jeder versteht alles. So kann ich sie nur unterstützen und mich dann auf meine Gaben konzentrieren. Verreisen wäre so eine – aber – sie hat es bisher leider nicht in den erlauchten Kreis der guten und hilfreichen Gaben geschafft. Macht nichts, Gott hat mich auch anders beschenkt. Warum blicke ich so sehnsüchtig auf das was andere können? Neid? Nein, das glaube ich nicht. Es ist wohl eher so: Defizite zu erkennen macht keinen Spaß. Man fühlt sich so unvollkommen, wie man tatsächlich ist. Doch das ist falsch. Besser ist es allemal sich auf sein eigenes Potenzial zu konzentrieren, es zu pflegen und es mit Gottes Hilfe auszubauen, so lange man noch bauen kann. – Tief berührt mich heute im Hauskreis ein Bibelvers, den ich wohl vollkommen gegensätzlich zu seiner realen Bedeutung verstanden habe. So kann es gehen. So wird die Gruppe zur Hilfe. Finde ich gut.

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Alles digital oder was?

Die Kündigung von Handy-Verträgen ist eine ganz besondere Erfahrung. Die Telekom-Variante sieht zwar eine Verlängerung im gleichen Tarif oder eine Kündigung vor aber nicht den Wechsel in einen anderen Tarif, wie einen ohne neues Handy. Okay, also zurück zu den Ursprüngen und schriftlich die Wünsche artikulieren? Anrufen will ich nicht, denn da weiß man nie exakt was dabei rauskommt. Ich logge mich ein und rufe den Chat auf, doch der Typ an der anderen Seite hat keinen Zugriff auf meine Daten – die müsste ich erneut eingeben. Was soll dann zu einem Vorgang ein Chat als Hilfe, wenn dieser für den Hilfsbereiten noch nicht einmal einsehbar ist? Datenschutz? Ich soll vor meinen eigenen Wünschen geschützt werden? Na, da danke ich schön. Mithin Schriftform. Bei 1&1 ist das noch suspekter. Man kann online kündigen. Na ja, nicht so ganz nur die Kündigung vorbereiten. Hinterher muss man innerhalb von zwei Wochen anrufen und selbige bestätigen. Ich kündige also, rufe danach an, lasse mich durch einige Fragen und nach einer mittellangen Wartezeit mit einem Mitarbeiter verbinden. Kaum habe ich die Worte „Kündigung bestätigen“ ausgesprochen, schnarrt es in der Leitung und die Kommunikation bricht ab. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Also doch wieder Schriftform. Ich lerne: vergiss online, kündige immer mit der guten alten Post. Rechtzeitig mit Bestätigung oder kurzfristig per Einschreiben. Schöne neue digitale Welt.

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Verpasste Gelegenheiten

Ich habe es versäumt einen Handy-Vertrag zu kündigen. Jetzt muss ich ihn ein Jahr lang durchschleppen. Merde! Nun aber fix die Kündigung fertigen und raus damit. Sobald man sich dem normalen Alltagsgeschäft wieder widmet kommt Hölzchen zum Stöckchen. Ich fange an, leite über zu einer anderen Sache, dabei tut sich eine weitere Notwendigkeit auf und so hüpfe ich wie Springinsfeld dazwischen hin und her. Ruhig bleiben ist die Devise und siehe da, eins löst sich nach dem anderen und ich kann wieder zum Ursprung zurückkehren. Puh! Ich entschließe mich die Bibelstunde zu schwänzen und muss nach Rückkehr meiner motivierteren Mitchristin feststellen, es war ein Fehler. Aha. Früher wollte ich immer schwänzen, ging dann doch hin und siehe da, es war sehr gut. Heute schwänze ich echt und siehe da: Fehlentscheidung. Das stimmt mich nachdenklich. – Während draußen der Sturm weiter tobt, zeigt im iPad Doc Martin seine ausgeprägte soziale Inkompetenz. Wenn ich nur nicht so mitleiden würde. Seufz. Altes Sensibelsten, werde endlich vernünftig! Schön wär’s schon.

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Reisen und Fernsprechen

So Gott will und wir leben geht es Ende 2021 nach Neuseeland. Noch ist nichts in trockenen Tüchern aber die Perspektive leuchtet ganz, ganz fern am Horizont auf. Außerdem kehre ich überzeugt aber nicht reumütig zum Buchen im Reisebüro zurück und gehe ein wenig auf Distanz zum Internet. Wenn ein Reise-Center guten Service bietet und individuelle Wünsche zu realisieren sucht, kann es sich bei mir behaupten und ich nehme die zusätzlichen Wege leicht zähneknirschend hin. Ich „zeichne“ mich eben durch mancherlei Anliegen aus und da fehlt den Internetanbieter meist die nötige Flexibilität. Ihre Konkurrenz hier vor Ort kann mit diesem „Pfund wuchern“. Doch wir Kunden sind „scheue Rehe“ – ein Versagen, wie bei meinem früher so geliebten Agenten an der Piazza Italiana, und wir sind weg – meist für lange Zeit. Außerdem werden die Varianten im Internet immer vielfältiger und individueller anpassbar. Kein leichter Markt. – Meine Freude am Telefonieren ist eher begrenzt, freundlich ausgedrückt, aber die Anzahl der Abbuchungen für derartige Verträge ist eher hoch. Zeit für eine Inventur und so erfasse ich zuerst die Belastungen. Sehr eindrucksvoll! Morgen gehe ich ins Detail. Es wird spannend.

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Gottesdienst, Taufe und Begrenzungen

Ein kerniger Gottesdienst mit einer kernigen Predigt erfreuen mein Gemüt (und nicht nur das) aber eine Gesprächsunlust mit depressiven Zügen verhindert meine Integration in das darauf folgende Essens-Event. Warum ich bewusst auf Distanz gehe? Keine Ahnung. Leider lässt sich meine kontaktfreudige und gesprächsintensive Angetraute von mir beeinflussen und wir brechen früh unsere Zelte ab. Das muss wirklich nicht sein nur weil ich meiner menschenklaustrophoben Phase fröne. Die geht auch wieder vorüber. Immerhin weiß ich jetzt warum mir dieser Doc Martin nicht so unsympathisch ist wie er es sein sollte. Mit ihm beende ich übrigens den Tag. Doch vorher enttäuscht mich mein arg geschätzter Roger Liebi, der sich als Großtäufer „outet“ und damit zum Ausdruck bringt, dass Gott gut anderthalb Jahrtausende zu der Praxis der Kindertaufe geschwiegen hat obwohl sie falsch war. Das verwundert mich. Andererseits verstehe ich schon, dass es uns Menschen sehr schwer fällt die Erlösung, den Glauben, die Taufe als Geschenk Gottes anzunehmen, zu dem ich nichts beitragen kann. Dann muss ich wenigstens aktiv werden und zum Glauben meine Taufe hinzufügen. Schade, denn nirgends könnte deutlicher werden, dass alles eine unverdiente Gnade Gottes ist. Natürlich gibt es Fehlentwicklungen in der Tauflehre – aber bei welcher anderen Erkenntnis gibt es diese nicht? Andererseits verstehe ich Liebi, denn er, der hochgelehrte, sprachgewandte Kopf, der tatsächlich viele Geheimnisse der Bibel entschlüsseln kann, tut sich natürlich schwer damit, sich hilflos in die Hände Gottes fallen zu lassen. Dass er biblische Argumente für seine Sicht der Dinge findet, überrascht mich dagegen nicht. Wir müssen halt jede – noch so überzeugende – theologische Erkenntnis prüfen, weil keiner von uns Menschen neutral auf ein herzbewegendes Thema zugehen kann. Irgendwo schwingt unsere Grundüberzeugung immer mit und leitet uns, bewusst oder unbewusst, auf den „richtigen“ Weg. Ihn wie mich. Hochintelligente wie Liebi und Laienpraktikanten wie mich. Das ist gut und schlecht zugleich. Aber Gott geht mit. Das wiederum ist eindeutig gut.

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