Überschäumende Moral

Im Laufe des Vormittags kommt die Überlegung auf, ob wir ein Gesteck oder einen Kranz zur Trauerfeier bestellen. Wenn Trauerfeier und Bestattung zwei Wochen auseinander liegen, ist das kein so ferner Gedanke. Es ist schon recht eigen, was wir so alles in uns bewegen (müssen). Nachmittags pflege ich unsere Konten und mein Tagebuch. Foxi wird mit Strom verköstigt und ich gräme mich wegen der fehlenden Einkommensnachweise meiner Mum. Ich will endlich die Einkommenssteuererklärung loswerden. Kann hier in diesem Lande nicht mal etwas einfach und problemlos vonstatten gehen? Offensichtlich nicht. Seufz. – Abends ist Hauskreis. Gott sei Dank spielen Gemeindeprobleme nur ein bisschen mit hinein und trotz starker Anreize (oder Reize?) halte ich meinen Mund versiegelt, bloß um nicht schon wieder eine ergebnislose Diskussion zu befeuern. Moral, ich erwähnte es bereits, spielt im Pietismus eine überragende Rolle, vor allem Sexualmoral. Meine Zeit, atme durch, lehne dich zurück und denke an die vergebende umfassende Liebe Gottes, der uns auch von falschen Kursen wieder zurück navigieren kann und will. Halleluja und danke! Es wird wieder spät, auch mit anderen Themen und das tut gut. – Daheim wird es noch später aber der Schlaf macht einen tollen Job. Prima.

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Lohnfragen und Ruinentransformation

Wieder steht das Turnen auf dem Programm, meine Liebste bewegt sich zum Verein, ich zur Matte daheim. Dann bewegen mich Erinnerungen an meine große Schwester als kleiner Beitrag zur Traueransprache. Erschreckend wie wenig ich noch weiß über die Zeit vor fünfzig bis sechzig Jahren: Speicher leer bis auf ein paar Bits 😀😩. Dem trauere ich aber nicht nach sondern freue mich vielmehr über die noch vorhandenen kleinen Reste 😉. – Kaum ist die Mittagsruhe vorbei, geht es zum Bibelgespräch am Nachmittag. Die Arbeiter im Weinberg, die unterschiedlich lang arbeiten und den gleichen Lohn erhalten, stehen heute auf dem Programm. Es entsteht eine lebhafte, vielseitige und lehrreiche Debatte. Das Kommen hat sich gelohnt! 😇. – Am Abend beginne ich mit „Den Toten von Salzburg“, bin leicht bis schwer gelangweilt und schalte ab. Da faszinieren mich die Umbauarbeiten viel mehr, die eine Bauruine in ein außen und innen attraktives Häuschen verwandeln. Was der junge Mann alles kann, wie viel Geduld er aufbringt und wie ideenreich er Mankos überwindet, beseitigt, sich zunutze macht, ist schon beeindruckend. Das „Filmchen“ dauert drei Stunden, kann aber gut mit 1,75facher Geschwindigkeit abgespielt werden. Es wird normal spät. Der Schlaf kommt mächtig, gewaltig. Klasse!

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Alltag

Wieder einmal das Problem viel zu späten Aufstehens – immer die gleiche Leier, ätzend. Aber wir sind schuld. Zweifelsohne. So rauscht wieder einmal, allmählich wird es langweilig, der Vormittag mit Affenzahn vorbei. Nachmittags sehe ich die Ablage durch, auch das stimmt mich nicht fröhlicher. Mir fehlen noch zwei wichtige Dokumente, um Muttis Steuererklärung abzugeben. Frustrierend. – Abends schaue ich mir mit anderthalb Augen einen Krimi an mit einem seltsamen Plot. Man kann ihm folgen, muss es aber nicht 🤔. Nun ja. Es wird normal spät. Der Schlaf gibt sich freundlich, die Träume sind seltsam.

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Unten am Fluss

Die Nacht hat heute aber lang gedauert. So kann’s kommen. – Ein Anruf beim Beerdigungsinstitut eröffnet ein breites Diskussionsfeld. Offensichtlich hat meine Schwester sich eine besondere Beerdigung gewünscht, die ihre Söhne nun entsprechend planen. Ein Institut mit wahrhaftig nicht dem besten Ruf soll es sein, ein Spezialsarg und zwei Trauerfeiern setzen schon Maßstäbe. Ich halte mich da fein raus, es ist allein Sache der Kinder das zu regeln. Wegen der Sonderanfertigung könnte ich meine Schwester auch erst in der übernächsten Woche noch einmal sehen – aber bis dahin habe ich mich sowieso schon innerlich von ihr verabschiedet. Adieu, liebe Schwester! – Am Nachmittag treffe ich mich mit der Männerrunde. Leider sprechen wir fast nur über Politik, Trump bewegt meinen Blutdruck, Merz, Scholz und Konsorten sowieso – das brauche ich im Grunde genommen gar nicht. Allerdings erinnert mich die Ansicht eines Freundes an das Buch „Watership Down“, an die Kapitel über die Kaninchen, die der Farmer ernährt. Diese Anschauung scheint mir nicht unverbreitet zu sein. Meine ist es nicht. Dennoch ist es sehr nett, wird deshalb aber wieder spät. – Abends entspanne ich mit Barnaby und mancherlei Leichen. Es wird sehr spät.

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Unpolitische Sonntagsruhe

Der übliche Sonntagsrhythmus mit aufstehen, frühstücken und Gottesdienst entfaltet sich. Die Predigt in unserer Gemeinde handelt von dem „unfassbaren“ Jesus. Heute will wieder einmal hinterher kaum einer mit mir reden, mag sein, dass das an meiner randständigen Platzierung liegt. Dann ist das halt so. Es wird nicht gerade früh, denn meine gesprächsfreudige Mitfahrerin hat einen bemerkenswerten verbalen Austauschbedarf. Okay. – Die Mittagsruhe braucht heute ebenfalls ihre Zeit. – Nachmittags hören wir die Predigt aus Bremen. Erstaunlicherweise wiederholt der Pastor heute nur allzu bekannte Grundwahrheiten, so etwas muss wohl auch einmal sein. Okay. – Den Abend gestalte ich mit der Entdeckung eines versteckten Festsaals, dem geschäftlichen Absturz von Playmobil und dem SB-Büffet der MeinSchiff Relax – alles bei YouTube. Ich liebe das Unpolitische, denn es leistet wesentliche Beiträge zu meinem Blutdruck und meinem Wohlbefinden. Noch ein wenig lesen und ab geht es, spät aber zufrieden, in den nächtlichen Ruheraum. Der Schlaf schaut auch mal vorbei.

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Ein brechender Krug und eine Antwort im Reifemodus

Die Sonne scheint wieder – die ganze Woche schon, trotzdem bin ich etwas neben der Spur. Ich „verarzte“ den Internetauftritt unserer reformierten Freunde, erledige Banksachen – meine Sparkasse will mir neue, von mir als unverschämt empfundene, Gebühren verordnen, die ich akzeptieren soll. Das werde ich nicht tun und habe die Bank gewechselt. Das mache ich nicht gern aber irgendwann „bricht der Krug“ und das ist nun geschehen. Und tschüß. – Mich erreicht ein Brief einer lieben Glaubensschwester. Ich verstehe sie einerseits, andererseits auch wieder nicht. Die Antwort fällt mir nicht in den Schoß und über diese will ich noch zweimal schlafen, ehe ich sie absende. Falls ich sie absende. So etwas muss reifen. – Erfreulicherweise finde ich Zeit für meine Abendandacht. – Der Abend plätschert so dahin, ich lenke mich ab, lasse mich von Bildern und Buchstaben auf fremde Reisen mitnehmen bis ich sehr spät in mein Seniorenbett falle. Ich bin tief innen traurig obwohl die Beziehung zu meiner großen Schwester nie sehr intensiv war – oder gerade deshalb? Wer weiß das schon?!? 🤔😇. Dann ist das so. Der Schlaf tut mir gut.

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Trauriger Tag

Meine große Schwester ist tot – das begleitet mich durch die nächsten Tage, das muss ich erst einmal verdauen. „Plötzlich und unerwartet“ trifft es genau. Wir, besser gesagt meine Telefonmeisterin, fernsprechen den Morgen mit Verwandten und übermitteln ihnen die traurige Nachricht. Ich suche ein Foto meiner Schwester für meinen Status und mache es internetfertig. Ein nachdenklicher Tag lähmt mich ein wenig und die Müdigkeit der Nacht erfordert ihr Recht. Der Mittagsschlaf fällt mithin intensiver aus und das tut uns gut. Am Nachmittag versetze ich ein Vogelhaus, das von der Flatterszene völlig abgelehnt wurde. Meinen wir. Doch ich finde darin ein altes wohlkonstruiertes Nest. So kann man sich täuschen. Wir säubern es und befestigen es am Gartenhaus. Hoffentlich wird der neue Standort akzeptiert. – Für unsere Couch, die sich liebend gern zum Fenster hin verschiebt, lege ich zwei „Bremsklötze“ aus. Ob sie den Bewegungsdrang einengen? Abwarten. – Abends lenke ich mich mit dem Staatsanwalt ab, eine etwas krude Story um ein Weingut mit einer mörderischen jungen Dame erfüllt diesen Zweck nur mäßig. Kernige Seenotretter schaffen das schon besser (guter alter NDR). Ich „schlure“ in die Nacht hinein, gehe spät ins Seniorenbett, der Schlaf ist tief und fest. Geht doch.

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Adieu Schwesterherz

Morgens freut man sich, ahnt nichts Böses und um Mitternacht kommt es ganz bitter. Die Sonne scheint prächtig, ein Freund bringt ein paar geliehene Sachen zurück und wir plaudern entspannt. Meine Gartenfreundin werkelt in demselben. – Es kommt ein Anruf, dass meine Schwester vom Seniorenheim ins Klinikum verlegt wurde, man vermutet Steine an Stellen wo sie nicht sein sollen. Es klingt nicht dramatisch. – Endlich scheint auch meine Abendandacht wieder im Rhythmus zu sein. – Abends schaue ich einigen Seenotrettern bei ihrem Job zu. Wie bei der Feuerwehr gibt es dort Freiwillige auf kleineren Kähnen und Hauptberufliche auf den größeren Pötten. – Mein Neffe ruft an, dass es äußerst kritisch bei meiner Schwester aussieht, sie steht an der Schwelle des Todes. Voll geschockt!!! Das kann doch nicht sein! Wie ist das möglich? Wir beten und bitten Gott um Hilfe. Äußerst verzagt gehen wir zu Bett in der Hoffnung, dass das Telefon in der Nacht nicht klingelt. Nach Mitternacht dröhnt es dennoch los: Meine große Schwester ist um 0:01 Uhr verstorben. Eine nahezu schlaflose Nacht beginnt …

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