Ende der Saison

Welch ein schöner Sommertag! Nein, ich lasse das Sternchen heute in Ruhe und genieße die Sonnenstrahlen. Wir spazieren durch den Ort und ich muss schweren Herzens einen nachlassenden Orientierungssinn konstatieren. Nicht, dass wir uns verlaufen haben – dazu ist diese Ansammlung von Häusern doch zu klein. Aber wir kommen beim Spazieren durch ein Sträßlein an ganz anderer Stelle heraus, als ich dachte. Das Ende der Saison – ich mag es irgendwie. Das typisch griechische Leben kehrt langsam zurück in die Dörfer, der prozentuale Anteil der Griechen steigt überproportional an, jeden Tag verbessert sich das Verhältnis enorm. Oma mit Enkel sitzen wieder sichtbar vor dem Haus, die Opas finden sich im Kafenion zusammen, eine winzige Tasse Mokka sowie ein großes Glas Wasser vor sich und sind nicht von Touristenscharen verdeckt. Zugegeben das superriesige Essensangebot im Hotel entwickelt sich von Tag zu Tag zum riesigen und schließlich zur großen Offerte zurück aber das ist egal, denn ich bin längst total abgefüllt. Im Speisesaal reduziert sich die Lautstärke auf ein angenehm gehörschonendes Maß. Das Hotel bereitet sich auf den Winterschlaf vor, einige Reiseleiter machen sich vom Acker. Nur wir bleiben bis zum letzten Tag. So soll es sein.

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Sisi

Der evangelische Gottesdienst der Insel findet in Chania statt. Das ist uns erstens zu weit und zweitens zu früh trotz Zeitumstellung. So weichen wir auf das Internet aus. Im Anschluss geht es mit unserem Sternträger Richtung Westen, eigentlich wollten wir in Malia stoppen, doch dem Städtchen fehlt heute einfach das verlockende Ambiente und wir fahren weiter. Ein Schild weist uns nach Sisi. Das klingt nett. Also abbiegen und schauen. Nach einer Ehrenrunde durch allerengste Gassen und scharfe Kurven parkieren wir dann doch etwas weiter draußen und erkunden das interessante Örtlein nun laufenderweise. Stark wie sich hierorts die touristische Wucherpflanze ausgebreitet hat, zwar ohne Hochbauten hat sie sich dennoch tief ins Ortsbild eingefressen. In der Hochsaison muss hier einiges los sein. Zum Ende der Saison wirkt alles eher beschaulich und gemütlich einladend. Trotzdem – Sisi ist ein Touristenort, kalt, leer, verschlossene Läden im Winter und überbordend im Sommer. Jetzt ist Übergangszeit und die gefällt mir sehr mit mitteleuropäischem Sommerwetter und überschaubaren Touristenzahlen. – Abends wird es empfindlich kühl und windig – doch unser Balkon liegt gut geschützt, so dass sich mein Raucherzeuger per Feuerzeug gut zum Glühen überzeugen lässt. Carpe diem!

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Von Ammoudara über die alte Straße mach Panormos

Wie habe ich im April die alte Nationalstraße gesucht, heute stolpere ich förmlich in sie hinein. Eigentlich wollte ich ganz woanders hin aber die abzweigenden Straßen sind üblicherweise nicht mit Wegweisern versehen und gleichen besseren asphaltierten Feldwegen. Da fehlt mir wohl noch das kretische Feeling. Wir biegen falsch ab, schleichen durch den inselhauptstädtischen Samstagsverkehr und passieren Ammoudara. Von hier aus geht es in die Berge und wir sind plötzlich wunderbarerweise auf der alten Straße, die mit neuer Asphaltdecke punktet. Unser Stern schlägt sich tapfer und recht entspannt kurve ich diese enge Gasse entlang. Es macht echt Spaß die vielen Serpentinen zu befahren und ab und an einen Blick in die Abgründe links oder rechts des Weges zu riskieren. Ich staune über die viele massiven Leitplanken. Bei meiner ersten Tour, ich glaube in den achtziger Jahren, waren hier meist nur Holzpfähle mit Planken oder Drähten. Respekt. In Panormos verlassen wir das Alte und wechseln heimwärts auf die neue Nationalstraße. Ich lasse unser Sternchen sprinten, um in Ammoudara wieder abzufahren und unserem allerersten kretischen Urlaubsort die Reverenz zu erweisen. Nein er hat sich nicht rausgemacht. Schade. – Am Abend ist es kühl, ich glaube der Herbst will sich hier einnisten. Ob er noch ein klein wenig warten kann? Schön wär‘s.

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Asterix, Galadiner und milder Abend

Heute zelebriere ich wieder einen Ruhetag. Das neue Asterixheft gelangt auf virtuellen Wegen auf mein iPad. Beim ersten Lesen erschließt es sich mir nicht so recht – es fehlt ein wenig der Pfiff oder sollten verprügelte Römer ihren Reiz verloren haben? Wie dem auch sei – ich werde es wie guten Wein behandeln: lagern, reifen lassen und genießen. Das hilft! Zum Galadiner am Abend, Garderobe in schwarz-weiß gewünscht, gibt es tatsächlich noch eine kulinarische Steigerung. Unverhofft aber gut. Auf das Recht uns einmal im A-La-Carte-Restaurant verköstigen zu lassen, verzichten wir gern die Küche bleibt ja dieselbe. Der Abend ist warm und mild, ein Streichholz reicht und der Tabak kokelt vor sich hin. Perfekter Blick vom Balkon auf das blau erleuchtete Wasser im Pool. Fast als wäre es Sommer. Ich liebe es.

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Chersonisos

Heute wird mein Onkel in Leipzig beerdigt. Und ich bin hier. Billigflüge erweisen sich, wenn man sie bräuchte, als Legende. – Wir fahren nach Chersonisos. Ein Parkplatz ist erstaunlich schnell gefunden. Das Städtchen erweist sich als durch Touristen besetzte Zone. Zwei Restaurants wechseln sich jeweils mit einem Café, einer Bar oder einer Eisdiele an der Strandpromenade ab. Ab und an hat sich ein Juwelier dazwischengemogelt oder ein Touristennippesanbieter alternativ ein Textilgemischtwarenladen. In der parallel verlaufenden Hauptstraße gewinnen die Bekleidungsofferten gegenüber den Restaurants. Der Hafen ist sehenswert, die Hafenkapelle, erhöht gelegen, malerisch und die Strandoptik in der Nachbarbucht, quasi um die Ecke gelegen, überraschend. Es gibt hierorts keine Hotelkomplexe, die das Stadtbild veröden. Wirklich adrett. Zwei Mythos, einen Salat, einen Frappé und fünf Kilometer später geht es ins Sternchen und über einen Lidl back home. Die Preisdifferenzen zum Supermarkt vor Ort sind extraordinär. Eine Pfeife im warmen Nachtlüftchen beschließt den ruhigen Tag.

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Käfignelken

Heute lasse ich Frühstück Frühstück sein und schlafe aus. Mein Körper mag offensichtlich keine Zeitzonen, die mich eine Stunde in die Zukunft transferieren. Acht bleibt acht, auch wenn die Uhr neun suggeriert. Dann träume ich eben bis zehn und bin wenigstens richtig wach. Das tut mir richtig gut! Irgendwann machen wir uns auf den Weg die sogenannte Strandpromenade entlang. Die Sonne motiviert uns und wir kommen gut voran. Eine Café-Bar, antik eingerichtet, verwöhnt uns mit Frappé und Schokolade, ein milder, frischer Wind umschmeichelt uns. Wir folgen der Strand-Straßen-Promenade, passieren Nelkenfelder wo die Blumen aus plastikumhüllten Nährcontainern in feste Drahtboxen hinein wachsen – mein erster Kontakt mit der Käfighaltung von Nelken. Einige Luxushotels später, die Straße biegt nach Chersonissos hinein ab, treten wir unseren Rückmarsch an. Luxus pur links, eine drittklassige Nebenstraße unter unseren Füßen und ein zur Zweitklassigkeit aufgemotzter Strand rechts wechseln sich mit Ödland links, unveränderter Straße und meerumspülten algenbewachsenen Felsen rechts ab. Mitunter wird das Ödland durch kommerzbetonte Bauten ersetzt. Griechenland wie es halt so ist. Man mag es oder mag es nicht. Wir mögen es. Zum Dinner gönne ich mir wieder einen überteuerten Rotwein. Man gönnt sich mitunter einfach zu viel. Urlaub wie Hoteliers ihn mögen.

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Sitia

Der Mercedes hatte lang genug Ruhe. Wir quälen ihn durch die engen Gassen von Analipsi, die alte Nationalstraße entlang, passieren Chersonissos, gassieren durchs schmale Malia, fahren an Neapoli vorbei und ich mache denselben Fehler wie im April und cruise quer durch Agios Nikolaos statt dieses quirlige Städtchen zu umfahren. So nehmen wir verkehrlich teil am kretischen Leben. Mittendrin, sozusagen. Das überstehen wir ohne Schmarre am Auto – Gott sei Dank. Doch das sind bei weitem nicht die engsten Gassen, die heute noch auf uns harren. Hinter Agios Nikolaos geht es in die Berge, erst – quasi zum Üben – die Küste entlang und dann viele, viele Kehren, auf und ab, ab und auf mit nur wenigen Überholchancen auf Sitia zu. Ich umfahre den angeblich neuen internationalen Flughafen ohne nur etwas von einem Airport zu bemerken. Gibt es ihn wirklich – noch? Null Ahnung. Nach einer parkplatzausspähenden Ehrenrunde finden wir ein nettes Plätzchen für unser Sternchen. Sitia ist gemütlich und beschaulich, keine Hotelklötze, nur ein paar Verköstigungsstätten für Touris am spärlich genutzten Hafen. Ein griechischer Salat, 50 Cent günstiger wie gestern, dafür dreimal so umfangreich lässt meine Augen groß werden und jagt meinem Magen Angst ein. Doch wir bewältigen ihn mit Mühe. Da uns die Lust fehlt die unzähligen innerstädtischen Stufen zu erklimmen beschränken wir unsere Erkundungen auf die Geschäfte in Meereshöhe. Rechtzeitig vor der Dunkelheit kurven wir heimwärts und nutzen in den flacheren Landen die neue Nationalstraße. Mein Navi führt uns dann durch eine enge Nebenstraße quer durchs Land mit etwas Mut und Glück direkt zur Ortseinfahrt von Analipsi. Puh! Resümee: auf Kreta unterschätzt man leicht die Entfernungen. Doch am Ziel ist es nahezu immer schön. Prima Insel!

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Urlaub in aller Ruhe

Ein Urlaubstag rund ums Hotel lässt uns Sonne und Wärme voll genießen. Wir lassen uns von unserer TUI-Dame über alles wesentliche hier auf der Insel informieren. Dann erkunden wir zu Fuß die besten Zu- und Abfahrten zum Parkplatz, schlendern durch Analipsi, gönnen uns einen Retsina sowie einen kleinen griechischen Salat, dem die Gurken fehlen. Die Küche lässt uns einen mehligen, nicht unleckeren Brei mit Erbsen und Zwiebeln verkosten, ein paar Einkäufe werden abgewickelt und eine Bank vor einer Kapelle lädt zu Meeres- und Menschenbetrachtungen ein, denen (oder deren? Egal!) wir ausgiebig frönen. Ich erforsche die Bedienungstiefen der Klimaanlage und lasse ansonsten den Tag genussvoll passieren. Das Hotelrestaurant glänzt mit gewichtsaktiven Angeboten und hochpreisigen geschmacklich eher durchschnittlichen Weinofferten. Bier ist ebenfalls nicht günstig, dafür aber Mythos (!!!). Eine erste Pfeife auf dem Balkon vermittelt Beschaulichkeit. Gut so.

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