Auf nach Bordeaux

Es ist fast ein Seetag. Wir durchqueren eine uns äußerst gnädig gesinnte Biskaya mit Wellen nicht viel höher als einem Meter. Ein sanftes Schaukeln wiegt uns durch die Nacht und den Tag. Gegen Mittag fahren wir die Garonne hinauf bis Bordeaux. Nach und nach versammeln sich fast alle Mitreisenden auf den Außendecks. Malerische Ferienvillen, putzige Bootshäuser und eine Fahrrinne, die sich in Schlangenlinien durch den Fluss zieht, erfreuen uns bis zum Zielpunkt. Wir unterqueren die mächtige Pont d’Aquitaine, begegnen ein paar historischen oder auf historisch getrimmten Zwei- und Dreimastern und passieren das neue moderne Weinmuseum. Die Pont Jacques Chaban Delmas, ein Hochbrücke, hat extra für uns die Autofahrbahnen ganz nach hoch oben gehoben, so dass die MS Deutschland problemlos drunter durchfahren kann. Kaum sind wir hindurch senken sich die Fahrbahnen majestätisch langsam wieder bis zur Normalhöhe. Nun dreht sich unser Schiffchen einmal um 180 Grad und fährt rückwärts seinen Liegeplatz nahe der Altstadt an. Faszinierend wie viel fette Taue nach und nach herabgelassen, über die Poller gehievt und dann von Bord aus stramm gezogen werden. Schließlich verbindet die Gangway die schwankenden Planken mit dem festen Boden. Bordeaux steht uns offen. Nach soviel abenteuerlicher Anstrengung brauchen 😉😇 wir erst einmal ein Bier, das uns in den Lido-Terrassen von einem freundlichen Ober kredenzt wird. Sogar ein paar Nüsse finden ihren Weg zu uns. So soll es sein. Inzwischen habe ich das SB-Restaurant sehr schätzen gelernt, weil dort die Qualität sehr gut ist (nicht schlechter als drei Etagen tiefer mit Kellnerei) und ich mir meine Essensportionen selbst zuteilen kann. Weiter unten warten wir mitunter zwei Stunden bis der letzte Gang unseren Gaumen erfreuen kann. Allerdings, das muss gesagt werden, ist die Auswahl im Vergleich zur Amadea deutlich eingeschränkter. Dann ist das halt so. – Mit Blick vom französischen Balkon auf das nächtliche Bordeaux lassen wir uns unsere Phoenix-Sekt munden. Mich erstaunt immer wieder der riesige Qualitätsunterschied vom „Wein“ genannten Tischgetränk zum prächtigen Haussekt. Irgendwie wird es wieder spät.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Getxo

Heute wollen wir endlich wieder Sonntag feiern. Nach dem Frühstück schauen wir dem Gottesdienst aus Bremen zu und tun so, als wären wir mitten dabei. Das tut gut. Außerdem hat meine große Schwester Geburtstag und meine überaus aufmerksame Reisebegleiterin sendet ihr von uns einen Gruß. – Am Nachmittag steht Bibel-Bingo auf dem Programm. Ich will eigentlich gar nicht mitmachen, da sich aber keine Handvoll Spieler bereit findet, lasse ich mich überzeugen und gewinne prompt eine Flasche Sekt sowie eine Erfahrung mehr über ein Spiel, das man gut in einer Gemeinderunde einbringen kann. Stark. – Ich kann nicht genug klagen 😢😉 aber meine Aufstehschwäche verhindert alle Ausflüge – nach längerem Sitzen, egal ob Bus, Stuhl oder Sessel, schießen gewisse Nervenstränge beim Wechsel in die Senkrechte diverse volle Breitseiten auf mein sensibles Empfindungszentrum ab. Offensichtlich bin ich kein Indianer. So bleibe ich an Bord, liege und sitze im ausgewogenen Maße und nehme gewisse Salutschüsse aufmüpfiger Nerven mehr oder weniger gelassen hin. Dann ist das eben so. Da unser Showensemble gesangmäßig eher zweite Wahl ist, sind bestimmte abendliche Versäumnisse nicht weiter tragisch. Ich genieße die Reise dennoch. Es wird mittelspät.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Gijon

Unser erster großer Regen- und Nebeltag – das Wetter ist zum Gruseln. Ausflüge haben wir nicht gebucht und das ist gut so. Die Lust diese Stadt der Feuchtigkeit zu erkunden geht gegen Null. Nö, nicht mit uns, wo es an Bord doch so nett ist. Wir lesen die Tageszeitung, ich genieße einen Cappuccino im „Alten Fritz“ und nach ein wenig Wetterbesserung schieße ich auf Deck ein paar Fotos vom Hafen. Zum Lunch ist das SB-Restaurant übervoll und so begeben wir uns zwangsläufig in die andere Lokalität. Dort finden wir zwei Plätze aber die armen Ober wirbeln völlig gestresst hin und her. Hierorts gibt es kein Büffet, sondern eine Menüfolge. Auch das noch, aber mit etwas Geduld isst man sich auch hier durch. – Am Nachmittag beantwortet unser Kapitän geduldig alle möglichen Fragen. Meine interessierte Begleiterin will wissen, ob er schon einmal einen Anker verloren hat. Starke Frage. Hat er aber nicht, nur einen Flunken, also die dreieckige Spitze eines der beiden Ankerarme. Unser Kreuzfahrtdirektor war allerdings mal dabei als ein Phoenix-Schiff im starken Sturm einem seiner drei Anker verlustig ging. Das muss man nicht haben. – Natürlich fiebern hier viele dem Fußballspiel am Abend entgegen, mir ist das wurscht aber meine Nationalmannschaftsbegeisterte sichert sich frühzeitig einen Platz bei der Übertragung. Ich habe eine gute Zeit mit Dinner im fast leeren Restaurant und viel Ruhe und Entspannung in der Kabine. In der Zwischenzeit fallen bzw. fallen auch nicht etliche umstrittene Tore fern von mir im Kaisersaal 😉😀 bis meine „Fanbeauftragte“ mit einem Siegerlächeln eintrifft. Armes Dänemark, glückliches Deutschland – so ist halt das Fußballerleben. Für uns wird es wieder spät aber der Schlaf macht einen guten Job während unser Kahn dem nächsten Hafen entgegenschippert.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

A Coruña und ein Pilgerziel

Das Wetter beginnt in A Coruña durchwachsen und entwickelt sich zum Sonnenschein, begleitet von einer mittelstarken Brise, kurz: außerhalb des Windschattens bläst es ganz schön heftig. Aus besagten Altersgründen fährt nur eine von uns beiden nach Santiago de Compostela. Ich pflege das ruhige Bordleben, während am Pilgerzielort der Bär steppt. Touristen, Pilger, Dudelsackspieler und ein paar auserlesene Einheimische prägen das Stadtbild. Meine weniger Altersgeplagte lässt mich mit schönen Fotos mitleben. Ich staune über den Weihrauchschwenkbehälter, über vollbepackte Pilger (mit der Last könnte ich keine zehn Schritte gehen) und die allgegenwärtige Jakobsmuschel. – Nachmittags, bei uns freundlich gesinnter Sonne genießen wir, wieder vereint, ein einheimisches Bier auf dem Außendeck, sehen einem Schlepper bei seinem erfolgreichen Bemühen zu, unser Heck von der Pier wegzuziehen und so das Schiff behutsam in Gegenrichtung zu drehen. Bald darauf dampfen wir wieder die Küste entlang dem nächsten Ziel entgegen. Im Kaisersaal gibt es ein Konzert, der Bordpianist und ein Violinist lassen ein buntes Melodienpotpourri an den Gästen vorüberziehen. Auf unserem Seniorendomizilausflugsdampfer vergeht die Zeit unheimlich schnell und so wird es wieder spät bevor wir unsere Äuglein zur Nachtruhe 😉😇 schließen können.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

An der Biskaya entlang

An einem Seetag können wir ausschlafen und tun das auch. Wir haben gestern gegen Abend in Bantry abgelegt und steuern entlang des westlichen Randes der Biskaya Richtung A Coruña. Für diese Gegend ist das Meer sehr ruhig, wenn sich unser Kahn auch hin und her bewegt. Vier Meter hohe Wellen sind nicht sehr viel für diese verrufene Schifffahrtsstraße. Ich spreche meinem Rücken wieder Mut zu und er zeigt sich sehr geduldig. Am Abend erfreut uns ein Cocktail-Empfang des Kapitäns, wobei die Cocktails durch Sekt und O-Saft ersetzt werden. Auch gut. Es kostet dem Seemann manchen Schweißtropfen als er sich von Tisch zu Tisch mit freundlichen Worten dummen Fragen stellen muss aber er beweist viel Haltung dabei. Sehr spät, wir sind leider die späte Speisegruppe, verspeisen wir das Gala-Dinner. Nun ja, viele Gänge, durchaus akzeptabler Inhalt, man gönnt sich ja sonst nichts 😉😇. Meine unermüdliche Ehegenossin gönnt sich noch das Show-Ensemble, während ich erschöpft aufs Lager sinke. Alt werden … okay, das Thema erwähnte ich bereits. Irgendwann umfängt uns dann ein wunderbarer Schlaf. Schön, dass der mit uns reist.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Von Bantry nach Killarney

In der Bucht von Bantry wachen wir auf und müssen gleich los zu unserer Ganztagstour nach Killarney und dem Muckross-House. Die irische Landschaft ist voll beeindruckend, kein Wunder, dass so viele sich in sie verlieben. Ich werde des Schauens und Staunens nicht müde. Manchmal fühlt man sich in ein frühlingshaftes Griechenland versetzt, dann wieder in seenreiche Voralpen, man fährt über enge Pässe, unter Felsüberhängen hindurch in Tunnel hinein – sehr eindrucksvoll. Und dann das Muckross-House, von außen ein in die Jahrzehnte gekommenes englisches Landhaus, ein kleines Schlösschen mit vielen, vielen Schloten. Von innen die phantastische Illustration zahlreicher englischer Romane, in der Zeitspanne von Ende des 18. bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Alle meine phantasievollen Vorstellungen gewinnen Kontour und werden zu echten Zeitportraits. Faszinierend. Als Sahnehäubchen noch die historischen Fakten von einem geizigen Lord, der sich vom Besuch der englischen Königin für die Folgejahre einen großen Profit erhoffte. Stattdessen musste er bald darauf Konkurs anmelden. Er investierte viel in der Erwartung vieler lobender Worte der Königin Victoria. Sie war auch begeistert, doch das Lob unterblieb, weil ihr Gatte kurz nach dem Besuch verstarb und sie sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückzog. Der gute geizige Lord hatte sich verkalkuliert. Die weitere Geschichte ist bei Tante Google und Onkel Wikipedia nachzulesen😉😇. – Beim Mittagessen spielt mein Kreuz verrückt und ich erlebe ein paar häßliche Stunden. Alt werden ist nun einmal kein Zuckerschlecken. Dennoch komme ich gut in meiner Kabine an und starte den Recyclingprozess. Gut Rücken will Weile haben.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Cobh und Cork in Irland

Wir liegen im Hafen von Cobh und starten erst am Nachmittag unseren Ausflug nach Cork. Die Guide ist gut drauf, kommt aus Schwaben und lebt schon lange Jahre in Irland. Sie plagt uns nicht mit Jahreszahlen, vermittelt aber einen lebhaften Eindruck von der Geschichte und dem Leben in diesem Land. Cork ist eine lebendige, kleine Stadt, wir spazieren die Hauptstraßen entlang und landen endlich vor einem Pub. Ich trinke mein erstes Murphy, ein irisches Schwarzbier, nehme dabei die besondere Atmosphäre einer einheimischen Bewirtungsstätte 😉 in mich auf und bin recht angetan davon. Schließlich geht es wieder Richtung Schiff – es war ein netter Ausflug und selbst mein Rücken scheint zufrieden zu sein. Gut so. Das Abendprogramm schenke ich mir, denn erstens spricht es mich nicht besonders an und zweitens ist mir der Abstand von der Tischzeit einfach zu kurz. Ich glaube nicht, dass ich noch einmal ein Boot mit zwei Tischzeiten wählen werde. Man lernt halt nie aus und dazu gehören nun einmal positive und negative Erfahrungen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Scilly-Inseln

Heute steuern wir Inseln an, die ich im Vorfeld erst auf einer Landkarte suchen musste. Da liegen sie also, aha, man lernt nie aus. Wieder liegen wir auf Reede und ein paar einheimische Tenderboote schaffen unsere Ausflugswilligen an Land. Wir sind nicht dabei. Wir genießen das „Dolce Vita“, das süße Leben an Bord. Ich schaue zu wie ein älterer Herr mit Müh‘ und Not von einer schwankenden Plattform auf das sich ständig bewegende Tenderboot wechselt, sein Rollator wird ihm nachgereicht. Krass. Männer an Krücken müssen freihändig, links und rechts aber gesichert, wechseln, dann erst folgen ihre Gehstöcke nach. So ein schwimmendes Exklusiv-Seniorenschiff entwickelt schon diverse Herausforderungen für seine Gäste. So bleibt das Alter spannend. Seit mein offensichtlich eingeklemmter Nerv herummault bin ich ja auch auf den Stock gekommen. Sitzen ist geht so. Aufstehen ist doof. Die ersten fünfzig Meter gehen ebenso. Dann geht’s. 😀😉. Mal besser, mal schlechter. Das Wetter könnte besser sein aber durchaus auch schlechter 😉. Es kommt halt wie es kommt. Wir lassen uns die Bordangebote gefallen und sind einfach nur gut drauf.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar