Mr. Shorty und eine Resümee-Ergänzung

Es ist schön wieder im eigenen Heim zu wirken. Schmutzwäsche umgibt uns nicht, sie soll erst morgen eintreffen. Auch das ist nicht schlecht. Das Handgepäck ist übersichtlich und so können wir die Nachreisezeit in aller Ruhe und Beschaulichkeit beginnen. Zum Resümee der Reise kommt mir noch ein Nachtrag in den Sinn, nämlich dass ich die geistliche Gemeinschaft sehr vermisst habe. Bei Handinhand-Tours gehörte sie immer dazu, jetzt war nur eine Bordpastorin, von Phoenix engagiert, dabei. Das ist an sich positiv zu werten aber eine rein diesseitige Verkündigung ohne Jesus- oder Glaubensbezug hat mir sehr wenig zu sagen, da hilft es auch nicht, dass die Pastorin supernett und freundlich ist. Sogar die Flasche Sekt, die ich beim Bibel-Bingo gewonnen habe, tröstet da nicht wirklich. Schade. – Mein Motze-Nerv nervt, was soll er schon anderes tun? Dennoch raffe ich mich auf, befreie Mr. Shorty aus seiner Zwangslage, säubere ihn, verpasse ihm neue Messer und lasse ihn wieder seinen Job tun. Er ist sofort eifrig bei der Sache. Sehr schön. – Nach der Mittagspause geht es zum Geburtstag unseres Paten-„Kindes“. Altersgemäß gibt es Kaffee und Kuchen, gewürzt durch eine äußerst lebhafte Kinderschar, seine Neffen und Nichten toben sich aus. Gut so. Der gereizte Nerv schafft es tatsächlich mich ebenfalls zu reizen und runterzuziehen. Es gelingt mir nicht zu größerer Fröhlichkeit und Ausgelassenheit durchzudringen. Schade. – So ziehe ich mich abends auch bald zurück und schaue Barnaby im Liegen beim Ermitteln zu. Erfreulicherweise gibt es Folgen, die ich noch nicht so oft gesehen habe, die zudem noch spannend sind – was bei Barnaby eher selten vorkommt. Recht spät, erst bei der Hälfte der dritten Folge, breche ich ab und lasse den Schlaf seines Amtes walten. Das macht er nicht schlecht.

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Resümee der Reise

Die MS Deutschland ist ein prächtiges Schiff mit sehenswertem einmaligen Interieur, das nicht jedem gefallen muss aber starke Akzente setzt. Sie wird liebevoll gepflegt, ist aber deutlich in die Jahre gekommen. Die Kabine ist relativ klein aber ausreichend und die Investition in den französischen Balkon hat sich für uns gelohnt. Mit Phoenix werden Kreuzfahrten zu mobilen Senioren-Domizilen mit überwiegend finanzstarker Kundschaft aus den sogenannten „besseren“ Kreisen. Während man früher viel Kohle verheizen musste, flaniert sie heute auf Deck😉😀. Junge Leute (unter 60) gehören entweder zur Crew oder zum Show-Ensemble, in seltenen Fällen haben sie sich „verbucht“ (allein unter Rentnern🤔)😠. Andererseits sind nahezu alle Mitreisenden dem Berufsleben entfleucht, keiner muss sich mehr beweisen und das schafft meist eine entspannte, freundliche und achtsame Atmosphäre. Man kommt leicht ins Gespräch. Ab und an begleitet einen fitten Alten eine jungen Dame im „Tochteralter“, die keineswegs sein Töchterlein ist – doch auch das mag beiden von Herzen gegönnt sein. Lächeln sei erlaubt. – Das Wetter war leicht enttäuschend aber das hat keiner im Griff. Die Reiseziele fand ich spannend. Der kurze Blick ins quirlige London hat mir sehr gut gefallen, ebenso die beiden Irland-Trips, wenn auch mein Rücken-Nerv bei der zweiten Tour ausflippte. La Compostela musste ich daher canceln und ein paar andere Ausflüge auch. Das war nicht so schön. Bordeaux konnte ich dagegen noch per pedes erkunden. Die Stadt hat mich fasziniert, wie auch die Fahrt dorthin auf der Garonne und der Gironde. Der Liegeplatz mitten in der City war einfach nur stark. – Kurzum, der Wegfall einiger Ausflüge reduziert zwar meine persönliche Freude an diesem Urlaub, doch andererseits hat das Bordleben ebenso ein paar angenehme Seiten gehabt. Mir tat die Reise wohl, die Route kann ich nur empfehlen – nur bezüglich der Kreuzfahrerei bin ich zwiegespalten. Der Rhythmus nachts fahren, morgens früh raus und per Bus losdüsen, fein speisen, ein mittelmäßiges Showprogramm am Abend und dann alles wieder von vorn, ist nicht zu hundert Prozent mein Ding. Man muss es eben mögen. Ich habe die Seetage genossen, doch da fehlte mir der eigene Balkon und ein paar mehr Angebote auf dem Kahn. Ach ja, das Essen war gut, doch ich habe auf anderen Schiffen schon besser gespeist. Damit kann ich zweifelsohne gut leben, es sollte dennoch erwähnt werden. Der Hauswein ist gratis und grausig, immerhin muss wohl eine Winzer-Genossenschaft ein missratenes Produkt vor dem Wegschütten gerettet haben, indem sie es an Phoenix verhökerte (falls das Ausgangsprodukt der kredenzten Flüssigkeit tatsächlich Weintrauben waren). Gratulation 😢😠😫. Nein, ich will das Resümee nicht negativ ausklingen lassen: Es war eine gelungene, schöne Reise in anregendem Ambiente, vielerlei Angeboten und einer guten Crew. Ich bin sehr zufrieden und habe diese Urlaubsinvestition trotz Motze-Nerv nicht bereut, sondern sehr genossen. Gerne wieder.

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Heimfahrt

Früh, sehr früh, um sieben Uhr verlassen wir unser Nachtlager, praktizieren Katzenwäsche und begeben uns zum Abschiedsfrühstück. Ein Omelette „mit allem“, ein Croissant und noch ein letzter Blick auf das Personal bleiben uns bis wir in der Kabine auf die Schiffsfreigabe der Behörden warten. Diese kommt ruckzuck und wir begeben uns zum Ausgang. Unsere Koffer reisen wieder einmal separat. Tschüß Phoenix-Crew, tschüss Kreuzfahrtdirektor – wir verlassen die MS Deutschland. Durchs Cruise-Center führt unser Weg zum Shuttle-Bus, der uns einerseits zum Hauptbahnhof transferiert und andererseits mit acht Euro pro Person abzockt. Sei’s drum. Obwohl Bremerhaven der Abfahrtsbahnhof ist, wird der Regional-Express erst eine Minute vor Abfahrt bereitgestellt. Immerhin ist und bleibt er bis Hannover pünktlich, ein unerwartetes Phänomen. So schaffen wir es tatsächlich, ohne große Eile, noch den übervollen Enno Richtung Wolfsburg zu entern. Dort finden wir sogar noch zwei Sitzplätze. Am Bahnhof erwartet uns ein Freund, der die restlichen Kilometer angenehm überbrückt. Meinem Rückennerv rede ich auf der Fahrt ab und an ein wenig zu und so bleibt er bis daheim relativ friedlich – wiewohl er dafür Sorge trägt nicht in Vergessenheit zu geraten. – Unterwegs schalte ich Linda aus damit wir ohne Sirenengeheul das Haus betreten können. Und dann sind wir endlich, endlich wieder in den eigenen vier Wänden angekommen. Prächtig, prachtvoll, grandios! Unser ureigenes Ambiente umgibt, erfreut uns. Wir atmen durch und lassen es ruhig angehen. Willkommen zu Hause – Willkommen daheim!

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IJmuiden

Wir hatten Texel auf dem Plan. Dort wollte die Deutschland auf Reede liegen und wir sollten getendert werden. Das Wetter ist dagegen. Es stürmt, Wellen über drei Meter Höhe und Windstärke 10 lassen den Plan scheitern. So legen wir nach einer durchschaukelten Nacht in IJmuiden, dem Außenhafen von Amsterdam, an. Regenschauer prasseln auf das Schiff, die Außendecks sind gesperrt und zur Verstärkung der Taue hat der Kapitän sogar den Backbordanker herabgelassen. Einige mutige Ausflügler sind nach Amsterdam unterwegs. Unsere Bordpastorin ist dabei und berichtet später, sie sei in ihrem Leben noch nie so nass geworden. Das steckt sie offensichtlich gut weg, denn wir feiern am Nachmittag Gottesdienst in den Lido-Terrassen. Davor konnte ich noch das Schauspiel des Ablegens bei Windstärke 10 mit Hilfe zweier Schlepper beobachten. Sie hatten ganz schön zu ziehen aber alles geht gut. Perfekt. Unsere Koffer warten heute auf ihre Inhalte. So packen wir all unser mitgeführtes Hab und Gut in diese Behältnisse. Außen vor bleibt vorerst die Gala- und natürlich die Reisekleidung. – Meine erinnerungsstarke Mitreisende entdeckt, dass das heutige Gala-Menü ein Wiederholungsereignis ist. Wir kennen es schon. Unser Entschluss steht sofort fest: wir werden im Gala-Outfit im SB-Restaurant speisen. Und das ist gut, denn wir vertilgen deutlich weniger und können eine höchstpersönliche Auswahl treffen. Der Vorteil der MS Deutschland ist halt, dass sich die Qualität des Restaurants und seiner SB-Variante nahezu nicht unterscheiden. Es folgt die letzte Veranstaltung unserer Reise: der Abschieds-Cocktail. Dort ziehen der Kreuzfahrtdirektor und der Kapitän ein Resümee, wir ziehen uns ein Glas Sekt „rein“ – und die Kreuzfahrt ist offiziell beendet, wiewohl noch ein paar Seemeilen zwischen uns und Bremerhaven liegen. Zwei Koffer starten ihre Heimreise auf dem Flur, das Handgepäck bleibt in der Kabine. Gute Nacht.

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Zeebrügge

Gegen Mittag erreiche wir Zeebrügge. Ein herzhafter Nieselregen begrüßt uns und wäscht mir beim Zuschauen, wie der Pott anlegt, die Haare 😉. Der Klimawandel ist noch jung und muss offensichtlich noch viel lernen, geben wir ihm die Zeit. Ich habe jedenfalls in meinem Leben schon eine ganze Reihe wärmerer Julianfänge erlebt. Andererseits hatten wir letzten November eine Kreuzfahrt in voller Wärme. Damit hatte ich auch nicht gerechnet. Irgendwie scheint sich immer vieles auszugleichen. – Unsere Bayernfete an Bord wird vom Pooldeck ins trockene Innere verlegt. Im nördlichen Belgien schwelgen wir in Weißwürsten, Leberkäs‘ und Kraut. Lecker. Dazu wird ein Willi (gegen Entgelt) gereicht. Das Freibier dazu ist eine feine Idee, doch um diese frühe Uhrzeit muss ich leider passen – das würde meinen Tag „killen“. – Meine Mitreisende bricht danach zum letzten Ausflug dieser Reise auf. Es geht nach Gent. Ich muss daheimbleiben, sagt mein Motze-Nerv. Dann ist das so. Und das ist gut, denn der spontan genossene Birnenschnaps lässt mich in einen intensiven Mittagsdusel fallen. Gut, dass mein Bett immer bereitsteht. Mein Schatz muss dagegen ganz allein durch Gent streifen. – Ein einige Zeit später genossener Irish Coffee im den Lido-Terrassen mundet perfekt, so dass ich spontan beschließe meinen Aufenthalt dort durch ein Viertele Riesling vom Schloss Vollrads zu verlängern. – Meine Allerliebste trifft zu ihrem größten Bedauern erst nach der ersten Halbzeit gegen Spanien ein. In der Verlängerung, irgendwann bei meinem zweiten Viertele hat Deutschland ein Tor weniger und darf nicht mehr mitspielen. Die Fans sind geknickt, mir hat der Rebensaft geschmeckt. – Abends dreht sich die von mir gemiedene Show um Abba – letztere mag ich durchaus, das Show-Ensemble eher nicht so. Der vorletzte Tag der Reise geht mit zwei Schmalzbroten zu Ende.

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Honfleur

In Honfleur, gegenüber von Le Havre, machen wir in einem Industriehafen fest. Hinter uns die Pont de Normandie, daneben ein paar übergroße Schrotthaufen, gefolgt von einem Holzlager, dann die Deutschland und vor uns das offene Meer. Meine geliebte Ehepartnerin verlässt mich früh für einen Ausflug ins idyllische normannische Frankreich. Ich schlafe gründlich aus, frühstücke viel mehr als ich eigentlich wollte und gebe mich dem Bordangebot hin 😀. Meinem vielzitiertem Nerv ist das offensichtlich recht. Gegen Mittag kommt meine Ausflüglerin mit hochinteressanten Fotos wieder zurück. Blöder Nerv! Am Mittagsbüffet entdecke ich Matjessalat. Dazu ein paar Salzkartoffeln und ich bin glücklich. Prima. Nachmittags ist das Wetter so gut, dass wir endlich mal ein Bier auf dem Deck vorm Alten Fritz genießen können (zugegeben, für mich gab es noch einen brandyverstärkten Cappuccino vorab😉). So hatte ich mir die Reise eigentlich insgesamt vorgestellt aber was soll’s, das Wetter muss man nehmen wie es kommt. Isso. – Am Abend steht die allseits beliebte Crew-Show an, allemal ein Highlight jeder Reise. Okay, ich habe schon Crews mit mehr Talenten erlebt aber das ist doch egal, mir gefällt es sehr, die Mädels und Jungs bringen sich toll ein. Mein Nerv ist nicht ganz so begeistert, hält sich aber netterweise ziemlich zurück. Ein schöner drittletzter Tag geht so voll gut seinem Ende entgegen. Der Schlaf kommt sogar recht schnell. Toll!

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Durch die Biskaya hindurch

Auf unserem letzten reinen Seetag erleben wir eine friedliche Biskaya. Das Schiff schwankt bei zwei bis drei Meter hohen Wellen nur wenig und ich gewöhne mich langsam ans breitbeinige Gehen. Bei mir schleicht sich die Erkenntnis ein, dass große Cruise-Pötte durchaus ihre Vorteile haben. Hierorts ist bei rauem Wetter das Angebot an öffentlichen Aufenthaltsorten arg begrenzt. Mein Lieblingsort verhindert durch eine geschlossene Reling dummerweise den Blick auf die See. Der französische Balkon der Kabine bietet dagegen eine nette Sicht, doch wer will schon immer in der Kabine herumhängen? Mein doofer Nerv zwingt mich schon viel zu oft dazu. Seufz. Lunch lassen wir ausfallen, nachmittags spielt meine Quizbegeisterte bei „Stadt, Land, Fluss“ mit. Der Kaisersaal hat sich inzwischen in ein Wiener Kaffeehaus verwandelt, es gibt österreichische Spezialitäten und kuchenlustig einfallende Massen. Wir ergattern zerfledderte Eierkuchen mit Pflaumensauce, auch Kaiserschmarren genannt, und Plätze auf der Balkonebene. Dazu „erfreut“ mich die wientypische Fiedelei samt Klavierbegleitung. Einem Ehepartner gefällt’s, der andere reagiert gereizt. So kann es kommen. – Abends machen wir, gemeinsam mit einem pensionierten Arzt, den meine kontaktfreudige Gattin kennengelernt hat, zwei geschenkte Sektflaschen bei freundlicher Plauderei nieder. Die Couch im ‚Alten Fritz‘ erhält dabei mein Prädikat „extrem rückenfreundlich“. Mein ansonsten leicht reizbarer Nerv mag sie jedenfalls. Das tut mir gut! Ruckzuck ist es spät und zwei Schmalzbrote danach liegen wir im schmalen Kabinenbett. Der Schlaf lässt sich nicht lumpen.

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Bordeaux

Ein rebellischer Rückennerv verbietet mir weitere Ausflüge. So verlässt mich meine aktive Angetraute zu einer Panoramatour samt Weingutbesichtigung. Seufz. Ich darf ein wenig länger schlafen und mache mich per Pedes auf den Weg in die Altstadt. Laufen darf ich, signalisiert mir besagter Nerv, und so spaziere ich den Fluss entlang bis zum Börsenplatz. Dort führt mich mein Weg quer durch die Altstadt, an malerischen Bistros vorbei, unter vielen aufgespannten Regenschirmen in einer kleinen Gasse hindurch bis ich schließlich vor der Kathedrale stehe. Von außen prächtig, von innen eher kärglich, fast reformiert. Schnell noch einen Blick auf die Residenz des Bürgermeisters und schon tauche ich wieder in die Altstadtgassen ein. Eins ist gewiss: für Bordeaux bräuchte ich sehr viel mehr Zeit, eine prachtvolle Stadt! Onkel Google hilft mir wunderbar meinen Weg zu finden. Ich stehe vor einer riesigen Spiegelfläche aus einer hauchdünnen Wasserschicht gebildet, passiere einen Park am Fluss, blicke auf den Place de Quinquonces und komme, durchaus geschafft aber sehr glücklich, wieder am Schiff an. Ein toller Spaziergang! Wenig später ist meine Mitreisende ebenfalls zurück und berichtet von ihrer interessanten Panoramafahrt samt kleiner Weinprobe. Doch das Chateau agiert offensichtlich in einer uns fernen Preisklasse für vergorene Traubensäfte. – Nachmittags verlassen wir die schöne Stadt, beobachten die Fahrt zunächst vom Deck und dann von der Kabine aus. Adieu Bordeaux, wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen, das wäre klasse! Der Abend bringt eine Show für meine Mitreisende und einen Krimi für mich. Ich mag die herumhüpfenden Schreihälse nicht und die, zugegeben, sehr gute Artistin zwischendrin hilft mir da wenig. Wenn die Akteure doch lernen würden, dass Lautstärke überhaupt nicht geeignet ist Qualität zu ersetzen. Seufz. – Langsam bildet sich bei uns eine Schmalzbrottradition zur Nacht heraus, Schmalz, Graubrot und Röstzwiebeln – lecker!

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