Hesekiel und Calvin

Okay, was muss, das muss, so vereinbare ich einen Arzttermin für morgen. Ich will meine Spritze und hoffe dann auf stetige Besserung. Heute wird sich nicht viel abspielen, das Übliche halt. Der Abschluss von Liebis Vortrag ist noch einmal so richtig interessant und löst ein biblisches Problem aus dem Buch Hesekiel, das mich schon lange verfolgt. Okay, man kann die Lösung auch kritisch sehen, aber sie eröffnet mir immerhin einen möglichen Weg. Frank Lüdke informiert mich über Johannes Calvin, hochinteressant. Andererseits gibt es wohl keinen „Glaubenshelden“, der perfekt ist oder war. Jeder hat seine dunklen Seiten gehabt, was zeigt, dass sie zwar überreich gesegnet waren, im Segen gewirkt haben, jedoch keine Übermenschen waren. Das gibt Gott die Ehre und nicht uns Menschen. Das ist gut so! Ja, es lohnt sich mehr Zeit in geistliche Erkenntnisse zu investieren – bedenklich bleibt dabei mein schwächelndes Merkvermögen. Was wird hängen bleiben? – Wie üblich rumoren die Rückennerven am Abend wieder stärker herum. Dann ist das so. Es wird normal spät.

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Brettertüren am Sonntag

Nein, ein Gang zum Gottesdienst ist leider immer noch nicht drin. Total schade. Gott sei Dank gibt es die Übertragungen im Internet. Wir besuchen zuerst unsere Gemeinde und hören eine mitreißende Predigt unserer Jugendpastorin – einfach nur stark. Es geht um einen Aspekt der Jahreslosung. Dann switchen wir um auf Bremen und lernen mancherlei über die Freiheit durch den Glauben. Fesselnd. – Zum Lunch profitieren wir von einem Geschenk einer Freundin – sie versorgt uns so gut, ein Segen. – Der gute, alte Helmut Blatt erfreut mich mit einem Vortrag über Israel und Palästina, die historischen und biblischen Fakten zu diesem Landstrich mit den wechselnden Eigentumsverhältnissen. Interessant. Auch mit Liebi versuche ich es noch einmal – wer die Geduldsprobe besteht, bekommt einen nachdankenswerten, hochinteressanten Vortrag zu hören und selbst wenn man dessen Ausführungen nicht in allen Einzelheiten teilt, profitiert man gewaltig davon. Wäre ich nur geduldiger und gelassener! – Ein neuer Barnaby zur Nacht mit gewohnt skurrilem Plot lässt den Tag mit britischem Flair ausklingen. Faszinierend die Brettertüren, die direkt ins Wohnzimmer führen – Engländer bauen anders. Good night, sleep tight.

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Selbsthilfe: off – Ärztin: on

Welch ein mächtiger Kommentar zum Hiobbuch. Die Worte haben mich wieder gepackt. Ich lese heute sowohl Rede als auch Entgegnung und mir wird dabei klar, wie man selbst bei theologisch gar nicht mal so falschen Äußerungen daneben liegen kann. Ein vom Heiligen Geist geschärfter Blick auf den Nächsten ist unerlässlich, wenn man ihm nicht völlig Unrecht tun will. – Mit viel Mühe ertrage ich die hochinteressanten aber die Geduld arg strapazierenden langatmigen Ausführungen von Roger Liebi. Bei der Hälfte muss ich abbrechen, mein Geduldsfaden steht vorm Reißen. Schade, ich muss noch viel lernen. So vergeht der Tag etwas sinnvoller, was die Rückennerven nicht hindert je nach Belieben kräftig zu motzen. Immer wenn ich meine, dass endlich eine deutliche Besserung eingetreten sei, strecken sie mir die Zunge raus und schlagen auf der Schmerzzither ein paar alles durchzuckende Töne an. Das können sie gut😉😢. – Jetzt reicht’s: Beschlossen und verkündet: Montag vereinbare ich einen Termin mit meiner Hausärztin. Basta. Gute Nacht.

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Drang nach Sinnvollem

Es ist ein Tag ohne Highlights auf unterdurchschnittlichem Niveau. Dann ist das halt so. Alles wird so relativ, wenn man nicht aktiv dran teilnehmen kann. Andererseits bringt er den wichtigen Impuls, dass ich, wenn ich schon hier rumliege, mich mehr mit geistlichen Themen beschäftigen sollte. Eine bedeutende Erkenntnis, die mir im Hintergrund immer klar war, sich jetzt aber endlich in den Vordergrund durchkämpfen konnte. So werde ich mich wieder Hiob zuwenden, bei YouTube nicht nur bedeutungsarme Videos konsumieren und den Krimi-Konsum deutlich reduzieren. Soweit die Erkenntnis, bleibt sich zu mühen, daraus Taten wachsen zu lassen. Munter voran oder so. Der Schlaf ist in diesen Tagen erstaunlich gut. Seltsam.

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Lebensphilosophisches

Während ich noch im Frühtau so vor mich hin döse muss meine Ohrgeplagte wieder zum Klinikum. Meine streikenden Kreuznerven verhindern, dass ich sie begleite – ein Freund übernimmt diesen Job. Ehrlich gesagt, nach einer Woche Rückenweh würde ich liebend gern dieses frühe Aufstehen auf mich nehmen. Besser „berufstätig spielen“ als zum Spielball gereizter Nervenbahnen werden. Das ist zwar ein wenig übertrieben ausgedrückt, trifft aber den Kern der Sache. Noch mehr frustrierend ist, dass ich eigentlich in dieser Zeit geistliche Literatur studieren könnte, was ich, aus welcher Motivation auch immer, nicht tue. So, genug geklagt. Im Prinzip geht es mir gar nicht so schlecht, denn der Lerneffekt im Blick auf das gewohnte Alltagsleben ist groß. Möge ich es auf Dauer schätzen lernen, es ist ein großes Geschenk. Der Tag vergeht recht schnell mit Andachten, Krimis lesen und YouTuben. Es wird wieder spät und der Schlaf ist willig. So geht der Januar dahin. Die Jahresanfänge lassen in letzter Zeit sehr zu wünschen übrig. Ob das so bleibt?

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Diakonie live

Welch ein seltsam spannender, erfahrungsreicher Jahresbeginn trotz aller Bedrückungen! Ich lerne den Wert von Geschwistern/Freunden ganz neu kennen und schätzen, eine wertvolle Erfahrung für einen Einsiedlerkrebs 😉. Gefesselt an mein Bett, besser gesagt an einen Kreis von ein paar Schritten rund um meine Lagerstatt, erlebe ich wie meine Schwindelgeplagte ohne jegliches Murren ganz spontane Hilfe erfährt. Diakonie an der eigenen Familie anzunehmen, als Hilfesuchender und nicht als Spender, gibt einer bislang eher nebelhaften Erkenntnisebene Schärfe und Klarheit. Selbst zu wollen und nicht zu können, zu wissen, dass eine geliebte Person auf mich angewiesen ist und ich nur kraftlos daneben stehen kann, frustriert gewaltig – aber dann festzustellen, dass andere einfach so für uns da sind, macht unendlich dankbar, froh und sprachlos. Noch habe ich das alles nur ziemlich überwältigt angenommen, was das in mir bewirkt, wie ich es verarbeite, wie es mich prägen wird – darauf bin ich gespannt. – Der Tag selbst ähnelt dem gestrigen gewaltig, nicht viel los rund ums Krankenlager 😢. Auf eine intensive Leseperiode folgt eine gut durchschlafene Nacht. Na prima.

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Erkenntnisdefizite

Wieder bin ich ans Bett gefesselt und kann außerhalb nur eine begrenzte Schrittzahl zurücklegen bis mein Nerventerrorist zuschlägt. Danach bleiben mir allerhöchstens Trippelschritte. Doch bis dahin bin ich voll beweglich. Irre. So vergeht dieser Tag wie der davor. Nein, nicht ganz, da meine Ohrgeplagte von einer Freundin heimgebracht wird, kann sie die Gelegenheit zum Einkauf nutzen. Das tut unserer Vorratshaltung gut und verschafft uns das geliebte Sprudelwasser. Außerdem lerne ich den normalen, ach so öde empfundenen, Alltag wieder schätzen. Mobilität ist ein großes Geschenk, das ich viel zu oft als selbstverständlich ansah. Meine Sichtweise ändert sich hier radikal. Warum muss ich dazu erst krank werden? – Wieder wird es spät, wieder kommt wohltuender Schlaf über mich. Nur die Heilung lässt sich Zeit. Schade.

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Neutrale Rückenlage

Wie oft hat mich das viel zu frühe Aufstehen bisher genervt. Doch siehe da mit gesundheitlichen Nöten schrumpft dieses „Problem“ auf eine winzige Größe zusammen. Ober sticht Unter, sagt ein altes Sprichwort, basierend auf den altdeutschen Skatkarten. Nun denn. Der Freund ist früh da, holt meine Behandlungsbedürftige ab und ich bleibe allein zu Haus. Nun ja, ganz allein bin ich nicht, bei jedem Schritt zuviel oder beim Hinlegen ballert meine Hexe wieder voll los. Echt ätzend aber so schnell nicht zu ändern. Nur die horizontale Lage, am besten flach auf dem Rücken, bleibt folgenlos. – Der Klinikaufenthalt zieht sich hin, jedoch ist hinlänglich bekannt, dass man für Termine in diesem Etablissement jede Menge Zeit mitbringen muss. So trifft meine Liebste arg geschafft erst nach mehreren Stunden wieder ein. Irgendwie kommen wir zurecht, empfehlenswert ist das nicht. Ein anderer Freund wird die morgige Fahrt zum Klinikum übernehmen. Wir sind so dankbar für solche Freunde. – Abends schaue ich mir den neuen Barnaby von gestern aus der Mediathek an, lese noch ein wenig, heize meinem Rücken kräftig ein und lasse den Tag ausklingen. Der Schlaf ist kurz aber intensiv, sagt mein Gefühl und meine Watch. Dann ist das wohl so.

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