Bridgetown

Heute wird in Deutschland gestreikt aber wir sind bekanntlich sechs Stunden später dran. Die neuen Gäste sind einen Tag früher, also bereits am Sonntag, in Deutschland losgeflogen. In Bridgetown kommen sie nach Mitternacht an. Die Crew hat es geschafft, dass auch unser Schiff vor Ort ist und so können alle Eingetroffenen an Bord gehen, werden provisorisch auf dem Oberdeck untergebracht oder können sich in den über Nacht geöffneten Restaurants versorgen. Bei unserem Aufstehen tummeln sich also 700 Gäste mehr auf dem Kahn. Wir sollen unsere Kabine bis 9 Uhr verlassen, sind aber bereits vorher zum Einchecken, das vom Airport hierher verlagert wurde, kurz von Bord gegangen. Das geht zwar schleppend aber immerhin voran bis wir endlich im Restaurant frühstücken dürfen. Nun gilt es bis 13 Uhr auf unseren Flughafentransfer zu warten. Der Kreuzfahrtdirektor freut sich uns los zu sein und wir dürfen vier Stunden am Airport auf den Abflug harren. Nach und nach treffen die Reisenden für die vier weiteren Flüge ein. Es wird eng in der Wartehalle und miefig in den Restrooms wie man die WC-Anlagen hier nennt. Endlich dürfen wir an Bord. In der Business-Class reist es sich recht komfortabel. Das Essen ist besser als auf dem Hinflug nur die Luftstraße echt holprig, man wird auf dem Liegesitz ordentlich durchgeschüttelt. Der Schlaf hat mit solchen Sperenzchen nichts am Hut und lässt sich daher nur kurzzeitig blicken.

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Fort-de-France, Martinique

Wir haben die Kreuzfahrt mit einer Rundreise begonnen und beenden sie mit einer anderen quer durch Martinique. Immerhin sind wir hier schon in Europa, wenigstens mobilfunkmäßig. Das erleichtert vieles. Eine deutsche Reiseführerin begleitet uns auf der Fahrt und schüttet uns auf total nette Weise mit Informationen zu. Ich bin schwer begeistert. Zuerst geht es auf der atlantischen Seite der Insel in eine Rumbrennerei. Die Kostprobe bekommt mir gar nicht gut. Liegt es am Rum oder an mir – egal – hier kaufe ich nichts! Kurz darauf halten wir erneut an um den Wellengang an der Atlantikküste Pixel-für-Pixel festzuhalten. Weiter geht es zu einem kreolischen Mittagessen: Vorspeise Salat mit Fischknödel, Hauptgericht Hähnchenschenkel à la Creole, Dessert so eine Art kreolisches Kokos-Pannacotta. Weiter führt uns die Tour zu einer Bananenplantage mit Erläuterungen zum Anbau von unserer Guide. Die krummen Früchte wachsen an zweigeschlechtlichen Stauden, lerne ich, diese schießen empor, bilden Fruchtansätze, werden kastriert (das männliche Teil wird abgeschnitten), während gleich nebenan sich schon ein neuer Trieb bildet, die Bananen selbst erhalten eine Plastikumhüllung je Fruchtstand (der wird bis 50 Kilo schwer) und man erntet sie generell grün damit sie nicht zu mehlig werden und Süße einbüßen. Schließlich vergeht die alte Staude und der Kreislauf startet mit dem neuen Sprössling. Man lernt nie aus 😀. Es geht zurück zum Karibischen Meer nach St. Pierre, einer vormals blühenden Handelsstadt mit 30.000 Einwohnern. Am Himmelfahrtstag, dem 8. Mai 1902, brach der Vulkan Mt. Pelée aus, mit der Folge dass nur eine Handvoll Menschendie Katastrophe überlebte. Inzwischen wieder aufgebaut, leben dort heute rund 5.000 Menschen. Ein Museum informiert über das Unglück. Die Ruinen des Theater sind zu besichtigen, gleich daneben die Reste des Gefängnisses in der ein inhaftierter Trunkenbold überlebte, geschützt durch dicke Mauern und einen kleinen Zelleneingang in Gegenrichtung zum Vulkan. Er gilt der Legende nach als der einzige Überlebende (mit Brandwunden dritten Grades allerdings). Ein paar mehr Glückliche gab es schon noch, Legenden spiegeln halt immer nur einen Teil der Wahrheit wider. Zurück auf der MeinSchiff 2 gilt es Koffer zu packen, Banderolen zu versehen und bis 22 Uhr auf dem Gang vor der Kabinentür zu platzieren. Wir schaffen das früher, gehen essen und bei der Rückkehr, zwei Gin Fizz später, ist der Gang wieder leer. So soll es sein. Das Schiff rast mit einem Affenzahn, mir wird auf dem Balkon fast schwindelig, auf Barbados zu. Statt um 7 Uhr morgens will der Kapitän schon gegen 1 Uhr nachts dort ankommen. Soll er doch.

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Noch’n Seetag

Seit Mitternacht schippern wir mit 17 Knoten Richtung Martinique, unserer letzten Station. Morgen wollen wir ankommen. Die Neuen aus La Romana schlafen offensichtlich so lange wie wir, denn das Frühstücksrestaurant ist gut belegt aber wir finden dennoch einen Fensterplatz. Wie schön. Im Anschluss, bei unserem traditionellen Bordrundgang trifft mich der Schlag: wie die Heringe liegen die Touristen auf den Sonnendecks herum. Ob sie damit noch das Trauma des Economy-Flugs verarbeiten wollen? Wer weiß das schon. Ich wende mich ab mit Grausen und retiriere flugs in den Ruhepol zu einem Latte und viel Entspannung. Hier ist es auszuhalten. Dann wechseln wir auf unseren Balkon, wenig belegt 😉 und altersgerecht ruhig. Was wollen wir mehr mitten im Meer? Abends finden wir unsere Rückreiseunterlagen in der Kabine mit dem klaren Signal, dass das Ende zweier schöner Wochen kurz bevorsteht. Der Tag klingt in aller Ruhe aus, weder tägliche Barbesuche noch die Unterhaltungsangebote sind dauerhaft unser Ding. Man kann bis spät nachts auf dem Balkon sitzen, rauchen oder nicht, tief unten die Wellen und weit oben ein toller Sternenhimmel. Es wird trotzdem nicht sehr spät.

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La Romana, Dominikanische Republik

Der Hafen liegt weit draußen. Ausflüge haben wir keine gebucht. Die avisierten Sehenswürdigkeiten von La Romana üben keinerlei Wirkung aus und ein Strandbesuch reizt uns auch nicht. So bleiben wir erstmals bei einem Hafenstopp an Bord. Wir betrachten das Land von oben, begleiten emotional die abreisenden Gästen denn die Hälfte der Mitreisenden verlässt uns heute. Bis 9 Uhr müssen ihre Kabinen frei sein – das blüht auch uns am Montag. Je nach Abflugzeit hängen sie auf dem Sonnendeck oder in den Bars herum, können zwischendurch im Kreuzfahrtterminal schon für ihren Flug einchecken und warten ansonsten auf den Transferbus. Die Neuen treffen ein, plagen sich mit einem Systemausfall herum, der sie lange Schlangen an Land bilden lässt und belegen nach und nach die freigewordenen Kabinen. Die Restaurants sind heute schön leer und wir genießen die Wechselzeit mit sehr aufmerksamen Servicekräften. Den Abend beschließen wir angesichts der Klimaanlagen-Erkältung meiner Mitreisenden im Ruhepol, ich mit zwei Gin Fizz und sie mit einem Ichmöchtenix, wie es der Ober nennt. Für die unterkühlte Dame geht es dann ins Nachtlager und für mich zu einem Pfeifentreffen auf den Balkon. Es wird sogar für mich recht früh. Das muss auch mal sein.

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Seetag

Wir schleichen durch das Karibische Meer und wollen eigentlich erst morgen die DomRep erreichen. Ein medizinischer Notfall veranlasst den Kapitän mehr Schweröl durch die Maschinen zu jagen und so kommen wir heute schon in La Romana an, können aber nicht anlegen, denn die Anlegestelle ist besetzt. Der Notfall wird per Tenderschiff kompetenten Händen an Land übergeben und wir kurven eine ganze Nacht lang um die Insel herum. Bei einem Seetag sind die Decks meist voll belegt und wenn es ein wenig stürmisch und feucht ist platzen die Bars aus allen Nähten. Auf unserem Balkon dagegen kann man es aushalten, er ist relativ angenehm warm und bietet genügend Windschutz. Inzwischen pflegen wir die Gewohnheit mittags nur einen Imbiss im Tag-und-Nacht-Bistro zu verzehren und fahren recht gut damit. Das Schöne bei einer Schiffsreise ist die freie Wahl zwischen Menschenmassen und Zurückgezogenheit (im steten Wechsel, falls gewünscht😉😀). Wir speisen vornehm im Atlantik-Restaurant, einmal das Menü herunter und genießen dabei einen sauteuren Rotwein, der immerhin recht gut mundet. Ansonsten vergeht der Abend in aller Ruhe und Beschaulichkeit. Das muss auch mal sein.

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Road Town auf Tortola

Ich kenne weder die Stadt noch die Insel, doch es muss sie geben, denn wir liegen hier am Pier. Dann ist das so. Neben uns parkt die „Norwegian Escape“, höher, breiter und länger als wir und spuckt auf drei Gangways Besuchermassen an Land. Wir haben nur einen Zugang zum Kai. Das Wetter ist eher feucht, wir verlassen unser Schiff bei Sonnenschein, durchqueren die Zollfreihandelszone bei bewölktem Himmel um bald drauf von einem kräftigen Regenschauer überfallen zu werden, flüssige Sonne, wie der Kreuzfahrtdirektor ihn nennt. Das T-Shirt trocknet hierorts fix und wir kommen trocken wieder an. Kurz und gut – das ist nicht meine Insel, sorry. Im Kreuzfahrt-TV sehen wir mäßig interessiert einem Spezialisten und zwei Versuchspersonen beim Handtuchfalten zu, nun ja, wer’s mag … Während meine geliebte Mitreisende sich einen Abba-Abend zu Gemüte führt – mir warteten am Eingang zu dicht gedrängt zu viele Menschen – widme ich mich Mister Gin Fizz, beobachte das Abendpublikum beim Flanieren und lasse mir erläutern warum Kunst sexy macht. Nach dem letzten Gin samt Bruder Fizz geht es heim in die Kabine, zu einer kräftig stinkenden Nachtzigarre. So gut wie ich dachte ist und tut das nicht. Nein, ich bin kein Zigarrentyp! Es wird normal spät.

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Philipsburg auf St. Maarten samt Marigot auf St. Martin

Heute finden wir uns auf eine zweigeteilten Insel wieder. Neben uns liegt ein exklusiver Dreimaster der Traumreisen für Wohlbetuchte – starkes Bötchen. Auf der anderen Seite liegen die „Rotterdam“, ein fast gleich großes Schiff und die „Harmony Of The Seas“, ein Riesenpott für 6.780 Passagiere. Damit nicht genug hat ebenfalls die „Jewel Of The Seas“ festgemacht für rund 3.000 Reisende. Die alle und wir dazu ergießen sich heute über diese kleine Insel. – Für uns startet ein Ausflug um die Mittagszeit, eine Rundtour mit Bus, auf den eigenen Füßen und per Motorboot, der uns rund vier Stunden auf Trab hält. Die Reiseleiterin spricht perfekt deutsch, ist eine in Deutschland aufgewachsene Französin, die in Marigot lebt. Die Fahrt mit dem Katamaran führt uns an prachtvollen Protzbooten vorbei, die millionenschwere Eigentümer noch in der Karibik parken bis sie – sobald es hier stürmisch zugeht – ins Mittelmeer transferiert werden. Wir sehen den berühmten Flughafen vom Ausflugsschiff aus – nur nicht den schmalen Strand über den startende und landende Maschinen in nahezu greifbarer Höhe hinwegbrettern – schade eigentlich. Im französischen Teil der Insel befinden wir uns in Europa mit der wunderbaren Nutzungsmöglichkeit der in Deutschland geltenden Mobilfunktarife. Ich poste was das Zeug hält und lade fast siebzig App-Updates herunter. Die eindrucksvolle Panoramafahrt zeigt uns, wie gut ein selbständiger Kleinststaat und eine europäische Provinz sehr trefflich miteinander auskommen können. Man muss nur wollen. Zurück an Bord nehme ich an einem Kunstquiz teil und gewinne einen Gutschein über 20 Euro, den ich an meinen kunstsinnigen Nachbarn weiterreiche, der dafür einen Druck erwirbt (nach Zuzahlung eines nicht unerheblichen weiteren Geldbetrages natürlich). Es sei ihm gegönnt. Es wird ein wenig spät aber der Schlaf kommt zuverlässig herbei.

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St. John‘s auf Antigua

Selbstverständlich liegen wir wieder am Anleger, gehalten von starken Tauen. Diesmal sind wir völlig frei und gestalten unser touristisches Erlebnis im karibischen Schlenderschritt. In Ruhe das Frühstück genießen, anschließend auf der Liege im 14. Stock, der eigentlich der dem Aberglauben geopferte dreizehnte ist, den Blick auf die Britania lenken, ein amerikanisch-englischer Kreuzfahrtriese auf der anderen Seite des Anlegers. Die Massen strömen zu den angeblich 365 Stränden des Eilandes. Wir lassen uns Zeit, bestaunen die touristische Einkaufsmeile am Terminal, schlendern durch die mehr und meist weniger gut erhaltenen Gebäude St. John’s, denen eine Renovierung gut zu Gesicht stehen würde um schließlich die Kathedrale zu bewundern. Dem Reiseführer war sie keine Erwähnung wert, doch der kleine Bummel lohnt sich. Der hölzerne Innenausbau ist beeindruckend, die Kanzel hübsch gestaltet, der Garten Gethsemane herzanrührend dargestellt. Ich bin begeistert, ein kleines, feines Highlight. Auf den innerstädtischen Wegen ist Vorsicht geboten sonst landet man durch meist ungesicherte Löcher eine Etage tiefer in der Kanalisation. Zurück vor dem Schiff hat sich eine schier endlos lange Schlange gebildet wartend auf den Transfer zum Strand. Wieder einmal erfüllt es mich mit Zufriedenheit kein so großer Strandlieger zu sein, ganz besonders unter dieser intensiven Sonnenbestrahlung. – Abends lassen wir uns im Restaurant verwöhnen, ich gönne uns eine schweineteuere Scheurebe – welch ein Unterschied zu dem All-In-Wein! Wir sind vom Menü und dem Drumherum begeistert. Der Unterschied zum SB-Restaurant ist gravierend. Danach gönne ich mir ein Pfeifen auf dem Balkon, um den Abend in der Schau-Bar gemütlich abzuschließen. Sehr nett nur ein bisschen zu viel Alkohol. Vorsicht ist geboten, ich weiß. Der Schlaf kommt schnell, wenn auch mit mancherlei Unterbrechungen, dem Alter geschuldet. So ist das halt.

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