Basseterre auf St. Kitts

Wir wachen auf und liegen fest vertäut am Kai. Die Ankunft geschah früher als geplant wegen eines Notfalls an Bord, wie wir später erfahren. Beim ersten verschlafenen Blick aus dem Fenster erschließt sich die Küstenlandschaft in ihrer Schönheit. Beim zweiten Blick hat sich schon ein anderer, nahezu gleich großer Pott dazwischengeschoben. Nach dem Frühstück legt auch noch ein drittes Schiff an und tausende Reisende stürmen die Insel. Wir lassen uns Zeit. Gegen Mittag holt uns ein Kleinbus ab und saust zum Sugar-Express. Früher wurde auf diesen Gleisen Zuckerrohr transportiert, heute sind es Touristen – zum Glück in neueren Wagons, unten geschlossen und klimatisiert, oben offen mit Sonnendach. Wie sitzen alle oben. Man serviert uns Rumpunsch und alkoholfreie Getränke während die steinalte Diesellok über die noch älteren Gleise rattert, schaukelt und schwankt. Es geht einmal quer über St. Kitts, vorbei an verwilderten Zuckerrohrfeldern, malerischen Landschaften und über sehr schmale dafür sehr hohe Brückenkonstruktionen, eine Reise vom Karibischen Meer zum Atlantik dann um die Nordspitze herum und wieder zur karibischen Seite. Der Atlantik wirft hohe Wellen, die Karibik übt sich im sanften Schaukeln. Die Fahrt in der Zucker-Schuckelbahn versetzt unsere Begeisterung in höheren Stimmungsregionen. Mit dem Bus vollenden wir unsere Inselrundfahrt, schlendern danach noch ein bisschen durch Basseterre mit seinen zahlreichen Shops am Kreuzfahrtterminal. – Zuerst entschwindet das zuletzt angekommene Schiff, welch eine unkaribische Hektik, gegen Abend legt auch der zweite sehr große Kahn ab, erst rückwärts und dann mit einer vorsichtigen Drehung. Wir dagegen bleiben noch ein wenig. Im Theater verrenken sich vier Artisten alle möglichen Glieder mit phantastischen Darbietungen, danach zuckelt MeinSchiff2 los, ich führe mir noch zwei Gin Fizz für die nötige Bettschwere zu bevor wir in der Kabine dem Schlaf seinen nötigen Raum geben. Ein echt guter Tag.

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Seetag

Ganz allein mitten im Karibischen Meer – von wegen! Um mich wirbeln 2.770 Mitreisende und 1.016 Besatzungsmitglieder herum. Das Schiff ist fast voll. Gerade heute legt die Sonne einen Ruhetag ein und schickt jede Menge Wolken und ein paar kleine Schauer vorbei. Somit ist das Sonnendeck touristenfrei und die Restaurants voll. Lange Schlangen bilden sich bei den Bedienrestaurants und wir präferieren wieder einmal die SB-Abfertigung, da sind meistens noch zwei Plätze zu finden. Es ist nicht kalt, so dass ein Balkonaufenthalt (selbiger ist überdacht) empfehlenswert erscheint, will man nicht um 2 Liegen im überdachten Bereich „ringen“. Erstaunlicherweise weist die Schau-Bar am frühen Abend recht viele freie Plätze auf und füllt sich erst viel später. Wir genießen einen Erdbeerkuss (Strawberry Kiss) und einen Roséwein, der mit jedem Schluck besser mundet. Er wurde wohl etwas zu kühl serviert. Wieder stellt sich mir die Frage ob ich eine längere Reise auf einem Kreuzfahrtschiff aushalten könnte oder wollte. Jede Mahlzeit im Restaurant, jeden Abend in einer der Bars – das wäre nicht mein Leben. Ja, in einer Suite mit Zimmerservice könnte ich mir das eher vorstellen aber das passt nicht zu meinem Geldbeutel. Ich bin gespannt wie mein Urteil am Ende der Reise ausfällt. Heute jedenfalls zieht es mich frühzeitig in die Kabine. Die Ruhe dort tut mir gut im Gegensatz zum allgegenwärtigen Hintergrundgedudel. Immerhin scheint der Schlaf hier seinen Job gut und gern zu tun. Das ist okay so.

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Castries auf St.Lucia

Wir liegen fest am Kai. Im Schlafanzug luge ich verschlafen nach draußen. Tief unter mir formieren sich brav in Zweierreihen mehrere Gruppen, die offensichtlich Ausflüge gebucht haben und geduldig auf ihren Marschbefehl warten. Putzig. Wir frühstücken in aller Ruhe mit Blick auf ein anderes Kreuzfahrtschiff in der idyllischen Hafenanlage. Heute haben wir in unserer Kabine die schlechtere Aussicht. Nun denn, dann ist das so. Ich lege einen Dreiviertelbordtag ein. Gegen Ende 16 Uhr treffen wir uns vor dem Schiff, zwar nicht in Zweierreihen wohl aber in einer großer Menge. Es geht zu einem arg verspäteten Katamaran zum Sundowner auf See. Die Fahrt fängt gut an, wir erreichen die zwei für Lucia typischen Vulkankegel, bestaunen und fotografieren diese vom Meer aus. Sehr imposant. Der Sonnenuntergang auf dem Wasser ist beeindruckend, doch die dann beginnende Disco an Bord, erst mit ohrenbetäubenden Karibik-Hits und dann mit presslufthammerlauten deutschen Schlagergesängen, lässt mich um die Haltbarkeit meiner Trommelfelle fürchten und zittern. Dazu tanzen junge Hüpfer und bewegen ihre energiestrotzenden Körper nach den Anweisungen des Sängers, mit einem Bein stampfen, dann dem anderen, hüpfen, ein Arm hoch und so weiter, Nicht mein Ding. Gar nicht. Endlich kommen wir ohne physischen und psychischen Schaden doch wieder im Hafen an. Ich bin happy, halb taub und erschüttert. Nach einer kurzen Erholungsphase in der Kabine folgt ein schnelles Dinner und die Nachtruhe. Genug für heute! Wie herrlich ruhig ist es in der Kabine. Der Schlaf belohnt unsere Ruhe. Toll.

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Roseau auf Dominica

Wir wachen in Roseau auf, genauer gesagt an einer langen Seebrücke. Der Rest unseres Kahns ist nicht etwa an Land festgemacht, nein, vier Säulen ragen aus dem Meer empor, die unseren Tauen Halt bieten. Stark – wie hat man die armdicken Taue dorthin bugsiert? Keine Ahnung, zu der Zeit weilten wir noch in anderen Traumwelten. – Die gebuchte Panoramatour ist ja ganz nett, die Fahrt selber ist sehr schön und vermittelt ein interessantes Bild von der Insel. Die Stopps an den „Sehenswürdigkeiten“, sind nun ja nicht ganz so doll: eine dampfende, müffelnde, blubbernde Schwefelquelle, zwei weit entfernte Wasserfälle und ein Aussichtspunkt mit Blick auf den Hafen mit unserem Schiff fest am Pier sowie einem Kricketstadion mitten in der Stadt. – Das Ablegemanöver wäre interessant gewesen, wenn es nicht in Dunkelheit stattgefunden hätte. Immerhin konnten wir Menschen auf den Meerespollern erahnen, die die Taue lösten und später mit einen Boot abgeholt wurden. Die Abfahrt geschieht recht lautlos per lenkbaren Steuerdüsen, die sogar eine Seitwärtsfahrt problemlos ermöglichen. – An den Restaurants warten Menschenschlangen auf ihre Platzierung, so dass wir uns spontan für das SB-Restaurant entschieden, denn dort sind noch Plätze frei. Im Anschluss ein wenig „Leute gucken“ in der Schau-Bar und der Galerie-Bar vollenden die Tagesereignisse. Es wird normalspät und der Schlaf zeigt heute großen Eifer. Sehr gut!

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Kingston auf St. Vincent

Unser Schiff gleitet quasi auf mäßigen Wellen dahin, die Maschinen brummen dabei ein klein wenig im Hintergrund. Oder ist das nur die Aircondition? Egal. Wir schlafen auf dem Karibischen Meer ein und wachen in Kingston/St. Vincent auf. Vom Anlegemanöver bemerken wir nichts. Stark. Heute sind wir ausflugsfrei und spazieren nur ein wenig ins Städtele hinein, quasi hinter den Hafenschuppen eine vielbefahrene Straße entlang. Irgendwann kapitulieren wir vor der Hitze und flüchten ins klimatisierte schwimmende Heimatquartier. Selbstverständlich wird unsere Bordkarte mehrmals gescannt, unser Handgepäck durchleuchtet und ich selbst gescannt und anschließen abgetastet. Die Prozedur werde ich nie lieben!!! – Karibik hin oder her, Restaurantmastkur drohend vor Augen weiche ich auf Currywurst, Pommes und griechischer Salat aus – schnell auf den Teller gepackt, in einem kleinen Bordbistro verspeist, eine kleine schnelle Mahlzeit. Nach einem sehr ruhigen Nachmittag legt der Pott fast lautlos um 19 Uhr ab. – Wir wollen jetzt noch eine Kleinigkeit speisen, begeben uns ins SB-Restaurant und finden kaum einen Platz – offensichtlich zur falschen Zeit am rechten Ort. – Von dem Trubel erhole ich mich bei einem alkoholfreien Mosquito in der Ruhebar im 12. Stock gegenüber der Sauna. Entspannung pur. Noch ein wenig Leute gucken in der Galerie-Bar, acht Stockwerke tiefer, und der Abend ist gelaufen.

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Panoramafahrt quer durch Barbados

Gestern Überkamm mich fast Verzweiflung über den schon für heute gebuchten Ausflug. Doch am Morgen sind wir wider Erwarten früh munter, frühstücken in aller Ruhe und treffen pünktlich gegen 10 Uhr am Gruppensammelpunkt ein. Mit dem Aufruf macht sich eine nicht zu kleine Menschenmenge auf den Weg zum Bus und wir dürfen ihn nach mehrmaliger Bordkartenkontrolle entern. Es ist eine schöne Fahrt von West nach Ost auf Barbados, von der Karibik- zur Atlantikküste und zurück. Unser Guide beherrscht die deutsche Sprache perfekt und liefert mancherlei Informationen zu den vorbeiziehenden Fotomotiven. Ein Stopp zum Rumpunschverkosten, einer zum Kirchen- und Friedhofsbesuch samt Panoramablick über die Insel und ein dritter Halt an der Atlantikküste – ein feine, informative Tour. Zurück auf dem Kreuzfahrtschiff wird erst gespachtelt und dann die Mittagsruhe eingeläutet. So soll es sein. Endlich gegen 18 Uhr, eine Stunde Verspätung – die Frage sei erlaubt ob die Crew ein Praktikum bei der Bahn absolviert hat, legt unser übergroßer Kahn das erste Mal auf dieser Reise ab und begibt sich auf Tour nach St. Vincent. Wir begeben uns ins Fischrestaurant, dem Fischmarkt, zu Garnelen-Tartar, Hummercremesuppe, Ofenkartoffel mit Matjes und Roter Grütze als Dessert. Mir mundet alles gut, wiewohl ich zugeben muss, dass der Koch offensichtlich nicht aus Norddeutschland kommen kann. – Eine Pfeife auf dem Balkon, ein wenig Lesestoff und schließlich die Crewvorstellung im Cruise-TV rundet den Abend ab. Gut, dass wir dazu nicht ins Theater waren, denn die folgende Tanz- und Musikdarbietung ist nicht unser Ding. Wieder einmal freue ich mich über die Ausschalttaste am Fernseher. Es wird überhaupt nicht spät, die lange Anreise fordert nun doch ihren Tribut. Der Schlaf schlägt demgemäß voll zu. Wie schön!

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Auf nach Brigdetown

Ich brauche heute keinen Wecker. Bei Flugtagen übernimmt mein Innerstes das Zeitmanagement. Per S-Bahn geht es zum Airport. Lange Schlangen bei der Economy und ebenso keine kurze Reihe bei der Business-Class. Wir haben letztere gewählt, schweineteuer, aber bei langen Flügen durchaus lohnend auch wenn das Sparkonto geplündert werden muss. Wir passieren die Priority-Handgepäckkontrolle, „Priority“ klingt gut aber nebenan sind eine Vielzahl von Schaltern geöffnet bei uns nur einer was die Aufenthaltsdauer einander angleicht. Nur die Lounge ist natürlich ein echter Gewinn. Wir frühstücken ausführlich, genießen die bequemen Polster und erreichen gerade rechtzeitig das Gate. Per Bus geht es zum Flieger und dort warten äußerst angenehme Sitzgelegenheiten auf uns. So lassen sich zehn Stunden Flug ertragen. Der Versorgung ist bei weitem nicht so perfekt wie bei Qatar-Airways aber immer noch durchaus gut. Ich klage auf extrem hohem Niveau, denn der Service ist auf mindestens gleichem Level wie bei Qatar. Zehn lange Stunden später sind wir in Brigdetown auf Barbados angekommen. Wir müssen nicht durch die Kontrolle, überlassen das Kümmern um unsere Koffer der TUI, steigen vom Flugzeug in einen alten klapprigen Bus mit einem mürrischen noch älteren Fahrer, quetschen uns in enge Sitze, versinken noch tiefer in den Polster und holpern zum Schiff. Dort überwältigt mich meine Reisepanik, das Einchecken wird für mich als Kreuzfahrtneuling zum schweißtreibenden Hürdenlauf: Passkontrolle, Bordkartensichtung, Fotoshootings für welche Cloud auch immer, Bordkartenkontrolle, Gepäckröntgen, Bordkartenkontrolle, Fahrstuhl, Schwimmwesteneinweisung, Fahrstuhl, Zimmer unauffindbar, Personal fragen – auf einer Seite sind nur gerade Zimmer-Nummern und gegenüber ungerade, aha gut zu wissen. Wir watscheln also auf die andere Schiffsseite und stehen endlich vor unserer Tür, finden den Umschlag mit den echten Bordkarten, den Originalen, die Tür öffnet sich – puuuuuh!!! Einchecken ist für mich ein Mordversuch an Anfängern. Immerhin kommt ein Koffer gut und schnell bei uns an. Wir gehen in die Schau-Bar für einen Mojito und einen Rosé. Danach steht auch Koffer Nummer Zwei vor der Tür. Auspacken, geordnet ins Bett fallen. Schlaf suchen. Hier ist es gegen zehn Uhr, in Deutschland drei Uhr. Neunzehn Stunden unterwegs – geht’s noch? Und das in unserem Alter, je oller, je doller. Isso!!!

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Bahnfreuden

Relativ frühes Aufstehen, knappes Frühstück, normale Morgenandacht und dann geht die Bahn ab. Ein Freund bringt uns hin. Der ICE ist pünktlich, das Umsteigen in Hannover funktioniert perfekt und dann bringt uns die Bahn zum Südbahnhof von Frankfurt statt zum Hauptbahnhof. Das Ticket weist das gewünschte Ziel aus, die Gleischaoten ticken anders. Also raus mit den Massen aus dem ICE und rein in eine überfüllte Regionalbahn. Mit viel Drängelei ergattern wir zwei Stehplätze und landen kurze Zeit später tatsächlich am Ziel. Unser Hotel liegt schräg gegenüber, das Zimmer ist schnell bezogen, Ruhe stellt sich ein und nach drei oder vier Versuchen gelingt mir sogar das Einchecken für unseren morgigen Flug per Internet. Na fein. Ein kräftiges Durchatmen später machen wir uns auf den Weg zu „unserem“ Studenten samt Partnerin, bewundern ihre kleine Wohnung und genießen ein leckeres Mahl beim Italiener. Es wird gar nicht mal so spät aber wir sind total müde. Recht früh sinken wir in einen mehr oder weniger tiefen Schlaf.

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