Abschied 2

Heute geht es wieder heim. Das heißt konkret ich muss früher aufstehen, gepackt ist schon zum großen Teil. Frühstücken, alles runtertragen, ins Auto verfrachten und sich von der Vermieterin verabschieden geht fix von der Hand. Ich fahre los, natürlich komme ich nicht an einer Ladestation vorbei und rausche erst einmal durch die Lande. Größtenteils Landstraße sieht mein Rückfahrplan vor. So geschieht es auch. Kurz vor einem angedachten Ladestopp sehe ich eine Tankstelle direkt an der Bundesstraße, die sogar ihren Strompreis auf ihrem Tankpreisdisplay angibt. Klasse, das muss ich unterstützen! So pausiere ich dort, lasse den Strom fließen, hole mir einen Pott Kaffee sowie ein Croissant und warte geduldig ab bis sich der Akku „randvoll gesaugt“ hat. Das reicht bis nach Hause, es wären sogar noch weitere 80 Kilometer drin gewesen. Aus Lust am Fahren gebe ich mich den neckischen Spiele des Navis hin, jedenfalls meistens. – Zu Hause ist alles okay, schnell sind Koffer und Taschen ausgeräumt – nur zwei Dinge, die ich Dödel im Kühlschrank vergessen habe, fehlen. Ja, frühmorgens entgeht mir eine ganze Menge. Seufz. – Ich zelebriere einen langen, sehr, sehr langen Abend, begleitet von einem Gewürztraminer und mehreren, teils echt irren, Fernsehsendungen. Das musste mal sein. Der Schlaf hat auf mich gewartet und nimmt mich sanft und schnell in seine Arme. Wie außerordentlich nett von ihm!

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Dosenfutter

Das kleine Städtchen fasziniert mich immer wieder neu. Das große Schloss muss man einfach mal „umkreist“ haben. Der Blick in den Schlosspark fällt eher düster aus, Winter halt, Regen eben. Regendichte Oberkleidung ist heute Pflicht, glücklicherweise murrt das Wetter nur durch kurze Nieselschauer. Auszuhalten. Die Vielzahl der Shops überrascht mich jedesmal, der „Außenhafen“ ist mehr als unscheinbar bis auf ein paar bunte Krabbenkutter und der „Innenhafen“ präsentiert sich im Schlickkleid. Ebbe. Zwischendurch zwinkert mir sogar die Sonne ganz kurz zu. Lieb von ihr. Dennoch reicht mir mein Spaziergang, 7370 Schritte sind genug. Für mich wenigstens 😇. Lunch aus der Dose erfüllt noch nicht einmal ansatzweise meine Erwartungen (Hoffnungen? Illusionen?) – eine total simple Nudelsuppe und doch erst genießbar mit viel Pfeffer, sehr viel Pfeffer. Das angebliche Rindfleisch darin strahlt und schmeckt Schrecken aus. Eine erholsame Mittagspause schließt sich an, ein aufbauender Nachmittagstee mit vielen Keksen lässt das Lunchdesaster fast vergessen. Ich bin auf meine weiteren „Koch“-Erfahrungen gespannt. Das kann ja heiter werden. – Der Abend gestaltet sich ruhig und erholsam. Es wird leider spät, weil ich unbedingt der Auflösung eines Krimis entgegenlese. Der Schlaf kommt schnell. Fein.

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Abschied 1

Es beginnt ein Tag der Trennung für drei Wochen. Er startet mit einem gemeinsamen Spaziergang zur Teststation, die wieder einmal eine völlig andere App verwendet – deutsche Bürokratie und digitaler Service sind zwei sich mit aller Gewalt abstoßende Gegensätze – und so wählen wir den Ausdruck. Papier ist das Lebenselixier deutscher Behörden. Irgendwie krank. – Wir schlendern am sehenswerten Husumer Schloss vorbei zurück zum Urlaubsdomizil. Ein bisschen warten und wir begeben uns mittels Tiger zum Bahnhof. Adieu, liebe Kurbeflissene – ich bleibe allein zurück. So ist das Leben. Andererseits ist das für SIE ein aufbauender Wellnessurlaub während es für MICH ein quälender Foltertrip wäre. Insofern ist alles gut. – Ich verdrücke mich in die Fewo, mache einen auf superfaul, lese viel, schaue wenig fern, genieße und schweige, gestalte sozusagen mein ureigenes Wellness-Event. Zugegeben es ist noch nicht einmal ansatzweise gesundheitsfördernd, hat aber dafür einen extrem hohen Wohlfühleffekt. Eins geht nur 😉😇😀. Lesenderweise wird es spät. Dann ist das halt so. Der Schlaf lässt sich auch nicht lumpen. Nett von ihm.

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Winterherbstliches Husum

Husum ist auch bei Nieselregen recht nett, schöner allerdings bei Sonnenschein. Wir entdecken eine imposante Einkaufspassage – ein Shopping-Center mit Klasse – und sind beeindruckt. Wir finden dort sogar eine Teststation, die meiner kurbeflissenen Mitreisenden morgen ein Beruhigungstestat für ihre Kuranstalt ausstellen kann. Das ist gut. – Ein offizieller Hinweis auf ein „Weihnachtshaus“ entpuppt sich leider als Flop – der kurze Spaziergang dorthin stärkt immerhin meine Fitness 😇😀. Zwei Fischbrötchen zum Lunch sind definitiv eins zu viel – mein Bauchspeck begrüßt neue Kumpel. Das ist nicht gut. Das trüblichtige Husum mit Sonne gefolgt von Regenschauern, von winterlich frisch bis frühlingshaft warm im schnellen Wechsel, erfordert eine gut aufgestellte Bekleidungsstrategie. Ich streiche deshalb vorerst ein paar Besichtigungspunkte aus meiner gedanklichen Tagesliste. Norden ist definitiv die falsche Urlaubsrichtung – keine neue Erkenntnis. – Dennoch fühlen wir uns den Umständen entsprechend wohl und leiten langsam zum Abendprogramm über. Das findet zu Hause statt, altersgerecht sozusagen und lecker vergorenem Traubensaft – ebenso altersgerecht. Es wird etwas später als normalspät – dafür kommt der Schlaf recht schnell.

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Weihnachtstag Nummer Zwei

Um acht Uhr wollen wir aufstehen. Noch ein halbes Stündchen??? Okay, das genehmigen wir uns! Nach dem Frühstück werden die Koffer endgültig gefüllt und ins Auto geschleppt wie auch alles ansonsten Relevante. Die Andacht fordert ihre Zeit ein, die Wildvögel ihr Futter und das Navi seine Instruktionen. Fast pünktlich brausen wir los. In Itzehoe ist eine Stromsäule belegt und die andere defekt. Na prima. In Tönning finden wir die Goldesel für Stromkonzerne erst einmal nicht, doch dann entdeckt sie meine Mitfahrerin. Wieder ist eine belegt, doch diesmal funktioniert die Zweite. Das passt, denn ansonsten hätten wir mit Tigers Akku um jeden Kilometer feilschen müssen. Mit der typischen Schneckengeschwindigkeit unseres IDs laden wir Viertelstunde um Viertelstunde um Viertelstunde bis wir endlich weiterfahren dürfen. Na prima. Unsere Ferienwohnung ist wirklich gut und glänzt mit einer perfekten Ausstattung, zahlreichen Goodies und einer total freundlichen Gastgeberin. – Eine kurze Pause später sind wir schon wieder per Pedes unterwegs zum Weihnachtsmarkt. Er ist klein aber fein für ein 22000-Einwohner-Städtchen. Der Hafen ist energiesparend dekoriert, sei’s drum er entfaltet trotzdem seinen Charme. Eine Bratwurst, ein paar Pommes und ein paar Schritte später sind wir daheim. Ein entspannter Abend steht an und wir genießen ihn gründlich. Alles ist gut. Es wird ein wenig spät und der Schlaf agiert etwas orientierungslos. Dann ist das so.

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Weihnachten

Vormittags steht die Heiligabend-Predigt aus Bremen auf unserem Programm. Es dreht sich um die Ehre Gottes. Interessante Betrachtung. – Nachmittags besuchen wir traditionell unsere Freunde am Ort zum ebenso traditionellen Teetrinken. Ein kurzweiliger Nachmittag mit Rumprobe ist sehr schön und erfreut uns sehr. – Abends noch ein Tatort aus Münster, etwas überzogen, etwas verrückt aber ziemlich nett. Rein geistlich betrachtet fällt dieses Weihnachtsfest für mich eher mager aus. Nun ja, dann ist das so. Schade. In die Nachtruhe stolpere ich früh, auch der Schlaf regiert eher lustlos mit Unterbrechungen. Er kommt halt viel lieber später ins Haus. Da muss ich Verständnis für haben 😉. Isso.

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Heiligabend

Die letzten Vorbereitungen auf das große Fest laufen. Ich „grabe“ einen Mini-Plastik-Weihnachtsbaum aus unseres Kellers Tiefen aus und gebe Power auf seine kurze kleine Lichterkette. Die weihnachtliche Ausstrahlung hält sich in engen Grenzen. Meine backfreudige Lebenslangbegleiterin lässt köstliche Blätterteigschnecken entstehen, sucht zwischendurch unseren Puristen-Weihnachtsbaum im Keller. Sein Anblick fordert die Phantasie nicht wenig heraus aber er entfaltet im dunklen Zimmer mit flackernden Kerzen eine erstaunlich anheimelnde Wirkung. – Den Gottesdienst in unserer Gemeinde besuchen wir virtuell um Ansteckungen gleich welcher Art zu vermeiden. Er gefällt mir sehr gut und ist ansprechend gestaltet. Prima. – Danach begeben wir uns zu meiner Altvorderen. Sie steht heute irgendwie neben sich. Zur Einstimmung überfällt uns ein aggressiver Pflegeengel und zählt uns wütend an. Wir hätten es versäumt im Seniorenheim eine Pflegekraft aufzustöbern um dieser unsere Negativtests vor die Nase zu halten. So eine Vorgehensweise macht Kontrolle obsolet. Wie dem auch sei, heute hatte die Gute wohl etwas viel Stress. Eine andere Pflegerin besticht dagegen mit herzlichster Freundlichkeit. Mutti scheint nicht viel von uns – wir beide, Schwester und Schwager – mitzubekommen. Sie sitzt still und halb schlafend in ihrem Sessel. Wir kommunizieren eher untereinander als mit ihr. Wie schade, wie unbefriedigend. – Zu Hause führen wir eine neue Heiligabend-Dinnervariante ein: Weißwurst mit Sauerkraut statt Würstchen mit Kartoffelsalat. Gefällt mir gut. Der Abend mit Kaminfeuer, Baumersatzkonstrukten und Weihnachten bei Hoppenstedts fällt schlicht und mehr oder weniger ergreifend aus. Es wird normal spät und der Schlaf beschenkt uns großzügig. Nett von ihm.

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Und die Emotionen?

Weihnachtsgrüße hin und her, letzte Vorbereitungen für das Fest und Musik zum Einstimmen prägen den Vormittag. Wir werden ein eher verstandesmäßiges und weniger emotionales Fest feiern. Für weihnachtliche Gefühlsausbrüche wird mir einfach der Baum fehlen, exakter ausgedrückt die zehn bis zwanzig an ihm – je nach Baumgröße – vor sich hinflackernden echten Kerzen. Für elektrische Lichterketten gibt es zweifelsohne viele gute Gründe aber die Wirkung echter Kerzen erreichen sie vielleicht geradeso ansatzweise. Da wir diesmal in der Weihnachts-/Silvesterwoche viel unterwegs sein werden entfällt diesmal dieses florale Accessoire. Sehr schade. – Es gilt nun Vorbereitungen für die Kur meiner Liebsten zu treffen. Es ist manches zu bedenken, wenig – besser nichts – zu vergessen und ein wenig zu wirbeln. – Abends bewundere ich die phantasievolle Drehbucharchitektur eines neuen Falls der „Chefin“. Kurios. Im Anschluss verfolge ich leicht verstört das Ende eines irren Weihnachtsmannfilms um schließlich beim ‚Paddington Bär‘ vorzeitig das Handtuch zu werfen. Ich bin zu alt für so etwas. Die Bettruhe-Normalität verschiebt sich immer mehr nach hinten – was früher spät war, ist inzwischen fast normal. Hoffentlich raffe ich mich bald zum Gegensteuern auf. Wäre wünschenswert. Der Schlaf mokiert sich ebenfalls darüber und muckt rum. Krasse Zeiten.

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