Flasche leer

Aber heute geht es los. Heute ist die Predigt dran, denn meine Mitbewohnerin ist unterwegs auf den Stufen des Lebens. Frühstück, Andacht und so weiter, natürlich Gymnastik, während der Kaffeevollautomat sich reinigt und schwups ist es Zeit fürs Mittagessen. Auf den Herd damit, erwärmen und schon mundet mir ein superköstlicher Kohleintopf. Danach harrt die Wäsche auf ihre Vorbereitung zur Schrankfertigkeit. So geht die Zeit dahin und wieder fallen meine Predigtgedanken unter den Tisch. Seufz. Ob ich sie je freilassen kann? Ich hatte noch nie solche Probleme – Rolf schwach wie Flasche leer. Wird das böse enden? Ich hoffe nicht. – Abends erfreut mich ein prächtiges Kaminfeuerchen, insbesondere seine wohlige Wärme. O, wie schön! – Ich nähre mich von den reichlichen Überbleibseln der „Stufen“. Dort hatten wohl drei oder vier Frauen die gleichen Ideen fürs Lunchangebot. Da bleibt dann schon was über. Gut für mich. Ebensowenig wie umtriebige Naturen mich nicht verstehen, verstehe ich nicht wie es einen bei dieser Kälte von zu Hause wegtreiben kann. Ich bin ein kamintreuer Leseonkel und werde es wohl bleiben – ein paar ereignisreiche Kreuzfahrten im Jahr vorausgesetzt. So streicht die Zeit an mir vorbei bis ich den Ruf meines Seniorenlagers erhöre. Der Schlaf ist trotz altersbedingter Pausen tief genug, wenn auch insgesamt zu kurz. Dann ist das so. Gähn.

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Moral trifft Liebe

Ein Tag ohne Termine ist ein Geschenk nicht nur für Pensionisten! Dennoch ist unser Tagesablauf doch recht umfassend geregelt. Allein die Morgenandacht, das Zeitungslesen und die Rückengymnastik blockieren manche Stunde. Es liegt natürlich an uns was wir wann praktizieren. Nach dem gestrigen Hauskreis und einer anfangs gedankenstarken Nacht überarbeite ich meine Aufstellung zur Gemeindeproblematik noch einmal. Das Ergebnis befriedigt mich ebensowenig. Während mir die erste Fassung die Moral zu hoch wertet, kommt dieselbe mir jetzt zu unbedeutend vor. Ich elender Mensch wann werde ich endlich mal klar sehen? Seufz. – Die neue Girocard zum neuen Konto trifft heute ein. Sie ist zusätzlich eine Visa-Debit-Kreditkarte, sehr schön. Ihre Daten muss ich erst einmal notieren und abrufbar sichern. Damit bin ich so am Wirbeln, dass ich meine Predigtvorbereitung erneut verschiebe. Ich bin diesbezüglich offensichtlich enorm blockiert. Seltsam. – Dann erfahre ich, dass es meiner großen Schwester schlecht geht. Das schockt und hindert mich noch mehr. Erfreulicherweise verbessert sich der gesundheitliche Zustand im Laufe des Abends. Puh! Danke, HERR! – Abends begleite ich virtuell die Chefin und Pater Brown, außerdem Evan Evan mit meinen lesenden Augen. Kurz vor meinem Meeting mit dem Schlaf lasse ich mich per YouTube in miese und tolle Businessclass- bzw. Economyclass-Flüge versetzen. Dann noch das Abendgebet aus Maria Laach und ich mache mich auf zur Begegnung mit dem Schlaf. Dieselbe fällt gar nicht mal schlecht aus. Fein.

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Bauchschmerzthema

Für ein paar Restfragen fahren wir heute noch einmal zu unserer neuen Bank. Die Kundenbetreuerin ist ausgesprochen freundlich, dazu fit in Verkaufstaktiken, betont das Vorteilhafte und erwähnt kritische Elemente nur so ganz nebenbei – das ist schon cool. – Nachmittags beschäftige ich mich intensiv mit einer Sondermitgliederstunde unserer Gemeinde. Es geht um ein moralisches Problem, das wir Christen gern mit geistlichen Inhalten verquicken. Die Moral unserer Nachbarn ist uns so wichtig, dass uns für die eigene nur wenig Zeit bleibt 😉🤔😇. Ich bilde mir ein vorläufiges Urteil und halte es entwurfsweise erst einmal fest. Ganz zufrieden bin ich damit jedoch nicht. – Während meine Liebste sich mit ihrem Team zum Dinner trifft werde ich zum Hauskreis abgeholt. Ich bin fest entschlossen das Sondermitgliederstundenthema außen vor zu lassen. Kaum sitzen wir wird dasselbe angesprochen. Am liebsten würde ich mich wieder verdrücken aber das bleibt einem Mitfahrer versagt. Natürlich sind wir geteilter Meinung aber welcher Meinung bin ich eigentlich? Und warum? In mir wächst ein Entschluss, der sich noch verfestigen müsste. Aber liege ich damit richtig vor Gott? Das bleibt offen. Wenig später stößt meine Dinnerdame ebenfalls zu uns. Glücklicherweise sprechen wir jetzt noch über eine Bibelstelle. Das ist sehr gut und tut mir wohl. Puh! Eigentlich wollen wir, die Uhr bewegt sich im hohen zweistelligen Bereich, mit den anderen aufbrechen aber wir kommen vom Hölzchen aufs Stöckchen und so wandern die Zeiger energisch auf den Tageswechsel zu. Ich staune über uns. – Daheim angekommen geht es nur mit Umwegen ins Seniorenbett. Es wird sehr spät. Sehr, sehr spät. Der Schlaf steht bereit, schlägt relativ schnell zu und vermittelt Tiefe. Na prima!

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Pfunde, Feier, Traubensaft

Während meine Allerliebste dem Turnen frönt, stehe ich in aller Ruhe auf, knabbere mein Knäckebrot, lese Zeitung und stärke meine Rückenmuskulatur. Ein Blick aufs Konto stärkt den Realitätssinn. – Später, nach dem Lunch, folgt – na, was denn schon? Der Mittagsschlaf, keine Frage! – Frisch und munter begeben wir uns danach zum Bibelgespräch am Nachmittag, sind spät dran und treffen auf eine große Runde Interessierter. Wir diskutieren über die anvertrauten Pfunde, dem historischen Umfeld des Gleichnisses, seiner Auslegung und Übertragung auf unsere Zeit. Very interesting. – Im Anschluss lassen wir uns von Foxi zu einer Geburtstagsfeier verfrachten. Ein total toller Abend mit einer hervorragenden Beköstigung erwartet uns. Ich bin überwältigt. Dazu gesellt sich bis in die Nacht hinein ein oberflächlich bis tiefschürfendes Männergespräch, daneben findet ein ebensolches Frauengespräch statt. Die nahezu automatische Geschlechtertrennung in solchen Runden fasziniert mich immer wieder neu, die Aufteilung dürfte wohl größtenteils an den unterschiedlichen Themenschwerpunkten liegen. Man kennt sich halt seit Jahrzehnten. Für eine Seniorenrunde endet das „Meeting“ gar nicht mal so früh und wir beschließen daheim den Tag mit medialen Elementen 😇. Der Schlaf überwältigt mich schnell, was möglicherweise am genossenen vergorenen Traubensaft liegen könnte. A guats Nächtle!

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Lauterbachscher Verkehrsvermehrungstest

Frohgemut gratulieren wir meinem Cousin zum Geburtstag – wie jedes Jahr nur diesmal per Telefon. Leise lächelnd, so stelle ich mir das vor, informiert er uns, dass er seit 61 Jahren erst am zwölften Geburtag hat. Ich bin erschüttert. Eine Selbstvertrauenswelt bricht in mir zusammen – wie konnte ich mich nur so irren und das schon immer!?!? Mea culpa. ☹️. – Ich tätige die erste Überweisung von unserem neuen Konto und sie flutscht richtig schön durch. Sehr gut! Inzwischen habe ich ja auch die Freistellungsaufträge der Höchstsumme entsprechend angepasst – was zwar mangels Zinseinnahmen völlig überflüssig ist aber ich will’s ja korrekt haben 😇. – Nach der traditionellen Mittagsruhe brechen wir zu einem Arzttermin in Wittingen auf, es ist kein Krankenhaustermin aber wir können so schon einmal die lauterbachschen Fernreisen zu zentralisierten Behandlungszentren ausprobieren. Niemals werde ich verstehen weshalb Krankenhäuser kostendeckend arbeiten sollen. Gesundheitsfürsorge ist eine der für mich wichtigsten Staatsaufgaben. Dafür könnte man endlich mal Steuern sinnvoll investieren. Aber auf mich hört ja keiner 😉😢😀. So ist das Leben. Immerhin kommen wir gut hin und zurück, nur der Tiger-Akku ist fast leer. – Am Abend lasse ich mich auf den Erzgebirgskrimi ein und werde nicht enttäuscht. Nettes Team. Jetzt noch ein bisschen lesen, dabei ein wenig meinem Restfrust frönen und sehr spät ins Seniorenbett schlüpfen. Die Nacht gestaltet sich dagegen recht ordentlich. Vielleicht sollte ich künftig jeden Abend einen kleinen Brandy konsumieren 😉. Ob das dem Schlaf dauerhaft auf die Sprünge helfen würde 🤔? Zweifel sind angebracht.

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Frustration ade!

Dieses neue Schlafverhalten nervt zur Aufstehzeit besonders. Dazu ergreift mich eine tiefe Niedergeschlageneheit. Der Frust steigt auf und wird in mir groß. Aber Bruder Paulus von Maria Laach ermuntert mich mit seinem Segenszuspruch. Eine Einladung zum nachmittäglichen Treffen baut mich weiter auf. Dazu fallen die notwendigen Routinearbeiten über mich her, die ich treulich abarbeite. – Nachmittags in der Gemeinschaft mit drei Freunden richtet mich unsere muntere Diskussion endgültig wieder auf. Unter anderem betrachten wir den Besuch des Nikodemus bei Jesus, die Frage des „von oben geboren seins“, auch Wiedergeburt genannt, aus sehr persönlicher Sicht. Erstaunlich wie individuell verschieden Gott uns begegnet ist – es gibt offensichtlich kein ‚Schema F‘ wie wir Menschen es gerne pflegen. Gott begegnet offensichtlich jedem so wie es für ihn am besten ist. Finde ich sehr gut. – Der Abend gehört dem guten alten Barnaby, jedenfalls mit seiner ersten uralten Folge, die zweite habe ich schon so oft gesehen und sie ist mir sowieso zu grausam. – Ein bisschen begleite ich Constable Evan aus Wales, schaue zwischendurch bei YouTube rein und suche mein Seniorenbett zur üblichen Zeit auf. Die Nacht kommt mir inzwischen allzu bekannt vor 😉. Werde ich mich je an diesen neuen „Rhythmus“ gewöhnen?

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Floskelfriedhof

Im Gottesdienst beschäftigen wir uns mit den Jüngern im Sturm auf dem See Genezareth. „Kein Grund zur Sorge“ ist das Motto der Predigt und genau darum geht es. Sehr schön. Im Anschluss lädt uns eine Freundin zum Lunch beim Griechen ein. Meine Portion ist nicht altersgerecht, ich muss vorzeitig kapitulieren. Es ist mir alles viel zu reichlich und ich bin knallrappelsatt. Mühsam schleppe ich mich zum Auto und nach Hause 😉😀. Erst gegen Mitternacht wird sich wieder so etwas wie Appetit einstellen. – Nach dem ausgiebigen Mittagsschlaf lauschen wir auf die Predigt aus Bremen – sehr ansprechend, übrigens. – Am Abend rezitieren die zwei Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl ihre Programme in einem sogenannten Duell. Ich meide diesen Floskelfriedhof und schaue mir lieber Urlaubsbilder an. Das tut mir gut. Im Anschluss lese ich nur die Zusammenfassung der phrasendreschenden Schauspielerei und bin dennoch voll informiert. Der Schweiger mimte den Angreifer und der Arrogante den Staatsmann. Na toll. Ich klopfe mir nachträglich auf die Schulter für meine Bilderschauwahl. Eins ist sicher, wenn ich wählen gehe, wähle ich ziemlich sicher die falsche Partei und wenn nicht sowieso. – Ansonsten wird es ein netter Abend, der mit einem demotivierten Schlaf endet. Auch das noch!

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Allein daheim

Zur besten Aufstehzeit verlässt mich meine Stufen-des-Lebens-Begeisterte zu einem dementsprechenden Tagesprogramm in unserer Gemeinde. Ich lasse es ruhig angehen, wickle alle morgendlichen „Verpflichtungen“ ruhig ab, tätige die anstehenden Überweisungen und versuche meine LSW-Rechnung herunterzuladen, doch das System kennt unsere E-Mail-Adresse angeblich nicht. Ein neuer Zugang lässt sich auch nicht anlegen. Mist. So erstelle ich, einfach so, meine Umsatzsteuererklärung und schicke dieselbe ab. Überall versickert unsere Knete. Seufz. – Ich bin allein und bereite mir ein einfaches aber schmackhaftes Mittagsmahl zu. Das ist okay so. – Nach der Mittagspause wird der Kachelofen gereinigt, das Brennholz für den Abend herbeigeschafft und meiner wieder einmal verpassten Gelegenheit für die Predigtvorbereitung nachgetrauert. So ist das Leben eben. – Ich höre interessiert dem Bericht über die Lebensstufen zum Thema Segen zu, es ist wohl ein interessantes Konzept (nur leider nicht für mich). – Der Abend plätschert ruhig dahin und der Schlaf frönt bei mir seinem neuen Spät-Einschlaf-Intervall-Konzept. Wenn es ihm Freude macht 🤔😠, dann ist das so.

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