Erkältungs-Stabwechsel

Heute liegen wir vier Stunden hinter der heimatlichen Zeit zurück. Beim Aufstehen um kurz nach acht, ist es daheim bereits kurz nach zwölf. Ich lasse den Tag in aller Ruhe anlaufen, mache meine Übungen, verspeise mein Croissant und genieße zwei Tassen Kaffee. Pünktlich erscheinen wir zum Vortrag über Ilhéus und Salvador da Bahia (exakt: São Salvador da Bahía de Todos os Santos), also die Stadt des „Heiligen Retters an der Bucht aller Heiligen“. In ersterer wollen wir flanieren und in letzterer haben wir einen Ausflug gebucht. Wir lassen uns einstimmen und sind gespannt auf das, was uns erwartet. – Inzwischen gab es einen Stabwechsel bei der Erkältung: Während nun eine von uns mit deren Symptomen ringt, kann ich mir einen Salatteller im SB-Restaurant gönnen. Das Malaga- und Erdbeereis mit Eierlikörverfeinerung ist auch nicht zu verachten. Nach der Mittagspause schließt sich bei meiner schniefenden Mitreisenden eine andauernde Bettruhe an. Ich verziehe mich auf die Bar am Heck, lese so vor mich hin und schlürfe eine Hopfenkaltschale. Zu zweit wäre es besser aber allein geht auch 😉😇. – Beim Dinner fehlt meine Begleiterin ebenfalls, nun ja, allein speist es sich nicht ganz so gut. Das Show-Programm fällt aus, weil die Sängerin ihre Stimme irgendwo in der Klimaanlage (oder durch dieselbe?) verloren hat. Angesichts der erwartbaren Massen, die sich dadurch auf die Bars ergießen könnten, genieße ich lieber ein kleines Fläschchen vergorenen Traubensaftes auf der Kabine. Dennoch (oder gerade deshalb?) wird es sehr, sehr spät. Ach ja, auf dem Balkon entdecke ich von Ferne eine Küstenlandschaft. Wir haben die Überquerung gut überstanden und der Atlantik war sehr, sehr, sehr brav. Merci vielmals.

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Ereignisreicher Seetag

Ich habe es zum 9-Uhr-Gottesdienst geschafft! Toll! Die Pastorin macht ihre Sache gut, begleitet von einer professionellen Klarinettenspielerin und unserem Bordpianisten. Ich bin sehr angetan und von der Predigt angesprochen. Das Aufstehen hat sich echt gelohnt. – Dann frühstücke ich ausnahmsweise Rührei, Schinken und Würstchen und bin den ganzen Tag über voll satt. Das habe ich nun davon. – Der Lektor präsentiert uns etwas später wichtige Infos über Brasilien, speziell über Recife, einem kleinen Hafenörtchen der prächtigen Olinda („Die Schöne“), die vom Hügel auf das Nest stolz herabsah. Heute haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Recife ist die Millionenstadt und Olinda ein Stadtteil derselben – aber ein sehr schöner, sagt der Lektor. – Gleich im Anschluss versuche ich die Äquatortaufe aufs Bild zu bannen. Mit Neptun habe ich es nicht so aber der Gag ist natürlich bei einer entsprechenden Kreuzfahrt unvermeidbar. Neptun mit dem Weihnachtsmannbart (Recycling im Tourismusbusiness) kommt auf Deck 9, hat Astronomicus seinen Astrologen dabei und ein Deck tiefer nimmt deren Crew am Pool Aufstellung. Ein paar deftige Worte später, der Kapitän überreicht seinen Bestechungsschnaps, soll die skurrile Aktion beginnen. Doch inzwischen fordert bei mir die Sonne ihren Tribut massiv ein und bevor ich schlappmache fliehe ich lieber ins Klimatisierte. So entgehen mir Fotos fischküssender, Wodka-und-Wasser-in-den-Mund-gespritzter, bemalter und in vollen Klamotten in den Pool geworfener Touristen – dafür beruhigt sich mein Kreislauf spürbar. Auch nicht zu verachten 😀. – Während meine agile Mitreisende irgendwas mit Servietten anstellt, genieße ich derweil einen Pharisäer in Harrys Bar. Ich will in aller Ruhe Karten spielen, da setzt sich eine ältere Dame zu mir und bald beginnt die Plauderei. Bei Phoenix ist das so. Anscheinend ist sie eine reiselustige, kreuzfahrtsüchtige, wohlbetuchte Lady, die große Nöte damit hat ihr Vermögen zu reduzieren. Sie müht sich redlich, sagt sie. Nachdem ich einen Teil ihres Lebenslaufs erfahren habe, Berichten über exklusive Schiffsreisen mit vermögenden Freunden/Gatten freundlichst gelauscht habe, erlöst mich meine Allerliebste von diesem Redefluss. Dennoch ich liebe diese ungezwungene Zugänglichkeit fast aller Mitreisenden. – Abends zündet Martin Herrmann mit seinem „wissenschaftlichen“ Vortrag Lachsalven in der Atlantik-Show-Lounge. Köstlich und ein prima Tagesabschluss. Leider hat die Erkältung nun meine Zimmergenossin erwischt. Die Arme 😢☹️! Dennoch ist es draußen so warm, dass wir noch einige Zeit auf dem Balkon verbringen können, ehe das Rufen des Nachtlagers erhört wird. Starker Tag auf See.

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Ein langer Bordtag

Es geht nicht nur auf dem Ozean voran. Ich fühle mich deutlich besser. So lausche ich wieder dem Vortrag über Brasilien, die ausgeprägte Groß- und Kleinkriminalität kombiniert mit einer niedrigen Aufklärungsrate. Das Rezept ist einfach: bezahle die Polizisten extrem mies und schon steigt der Gewinn der Clans, die Razzien bleiben weitgehend erfolglos und etlichen Ordnungskräften ist finanziell geholfen. So sollten alle Wertsachen an Bord bleiben und ja nicht offensichtlich am Körper baumeln. Gut zu wissen. – Gegen Mittag bummeln wir zu einem mediterranen Imbiss mit Austern, Krabbencocktails und mancherlei fischigen Leckerbissen. Ein Gratis-Korn wird gereicht – diese Art von Schnaps ist wahrhaftig nicht mein Ding. Selbstverständlich ersetzt dieser „Imbiss“ für uns das reguläre Mittagsmahl und wir retirieren gleich zur einem Verdauungsnickerchen. Im Anschluss kann ich endlich Wellen und Meer genießen. Ist das schön, das Klatschen wenn sich der stählerne Körper der Artania die Wellen spaltet, das Glitzern und Blitzen in der immerwährenden Bewegung der Wellen – ach ist das schön, nur ein wenig zu heiß. Brutale Hitze und hundertprozentige Luftfeuchtigkeit sind eine fatale Kombination. Ob ich hier unsere Kühle ein wenig mehr schätzen lernen sollte? Wer weiß? – Vor dem Dinner gibt es einen Empfang für die Gäste im Silber- und Goldservice. Kreuzfahrtdirektor, Kapitän, Hoteldirektor und die Servicetante erzählen Schwänke aus ihrem Berufsleben – eine unterhaltsame Veranstaltung. Wir essen gleich danach mal wieder in einem Restaurant. Die Gänge ziehen sich und man muss essen was auf den Tisch kommt – nur dass das hier unten die Küche bestimmt und oben im SB man das selber tun darf. Nun ja. Meine Showbegeisterte zieht es wieder in die Atlantik-Show-Lounge während ich etwas später Harrys Bar präferiere. Diesmal die schlechtere Wahl, denn die Show soll toll gewesen sein. Man kann halt nicht immer gewinnen 🤔😉. Kurz nach elf Uhr leert sich die Bar auffällig – Zubettgehzeit für die älteren Herrschaften auf unserem Senioren-Liner. So schließen wir uns an. Der Schlaf will heute nicht so recht, war wohl kein optimaler Getränkemix 😀😇. Aber wir haben morgen ja frei 😂.

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Wasser rundum

Wir fahren aufs schier endlose Meer hinaus, Wasser rundum, Land weit weg. Gott sei Dank, von Herzen Dank, zeigt sich der Atlantik von seiner freundlichsten Seite, kaum Seegang und wir gleiten, fast könnte man meinen, wir schweben dahin. Alles gut? Leider nicht, denn der lange Aufenthalt im Freien hat meiner Erkältung großen Auftrieb verliehen. Ich raffe mich zwar auf, vertilge ein Croissant, dazu Kaffee und absolviere eine reduzierte Variante meiner Rückenmotivationsübungen. In der Pazifik Lounge vervollständige ich mein Tagebuch, muss aber abbrechen und erst einmal in die Horizontale wechseln. Außer Lunch und Dinner kann ich den Tag eher abhaken, denn der beste Platz ist heute mein Kabinenbett. Nicht schön, aber unabänderlichkeitsbar. Seufz. Mein Hochgesunde absolviert dagegen ein munteres Tages- und Abendprogramm, ein paar „Goldkörnchen“ aus dem umfangreichen Angebot. Es sei ihr von Herzen gegönnt. Das Liegen tut mir gut und ich schlafe ein, nur ein kleiner Hoffnungsschimmer blinkt mit Blick auf den morgigen Tag auf. Ich möchte mal so richtig entspannt auf dem Balkon sitzen, auf die Weite des Ozeans schauen, dem Wellenrauschen lauschen und der Ruhe pflegen. Lass die Welt toben uns springen während ich, kleiner Wurm, das vielfältig bewegten Antlitz des Ozeans auf mich wirken lasse. Morgen vielleicht. Heute: Gute Nacht. Es wird eine sehr lange Nacht, denn die Uhr wandert wieder eine Stunde zurück. Morgen stehen wir auf, wenn die Deutschen Mittag essen. So eine Schifffahrt gleicht das Zeitniveau gemütlich und menschenfreundlich aus. Perfekt.

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Praia

Um sieben Uhr morgens (!!!) heißt es sich abmarschbereit zu machen. Um acht Uhr fünfzehn werden die Kleinbusmitfahrer zusammengestellt und es geht gruppenweise vom Schiff in die größtenteils recht betagten Gefährte. Immerhin sitzt man ganz ordentlich und der Driver fährt sehr rücksichtsvoll. Die Kapverden entwickeln sich enorm. Die Hauptverkehrsadern sind alle asphaltiert und in gutem Zustand. Dafür helfen stark die Chinesen, die viel Geld in Afrika investieren. Der EU ist, meiner bescheidenen Meinung nach, ihr moralischer Zeigefinger demgegenüber arg im Weg. So prescht die chinesische Sprache als attraktive Fremdsprache spürbar nach vorn, sagt unser Guide. Wir sehen ärmlichste Behausungen und Prachtvillen fast nebeneinander liegend. Ich lerne, dass ein paar Eimer Farbe ein hässliches Gemäuer ruckzuck in ein ansehnliches Domizil verwandeln können. Offensichtlich fahren wir alle sehr stark auf Äußerlichkeiten ab. 😉😀. Die Landschaft ist beeindruckend, steil aufragende Lavafelsen mit bizarren Abbruchkanten, tiefe Täler dazwischen und überall an den Hängen kleben Wohnhäuser, Bauernhöfe und undefinierbare Steinkonstruktionen 🤔 (Ställe, Scheunen, Unterstände?). Faszinierend. Von der Urtümlichkeit her erinnern mich die Kapverden an das Griechenland der sechziger/siebziger Jahre – und natürlich, ganz stark, an die Karibik. Ähnlichkeiten sind unverkennbar. Wir bewundern einen fünf- oder sechshundert Jahre alten Baum, ein mächtiger Geselle. Ich forsche da nicht weiter nach – was sind schon hundert Jahre😀? Der Weg zum Baum über serpentinenreiche, enge, steile Wegstrecken mit abgefahrenem Basaltpflaster ist abenteuerlich. Nur gut, dass unser Driver zahllose Querrillen und sonstige Absenkungen in der Pflasterung äußerst vorsichtig bewältigt. Mein Rücken spricht ihm dafür seine tiefempfundene Dankbarkeit aus! Eine ähnliche Stoßdämpferprüfungsstrecke führt zu einem Aussichtspunkt auf den höchstens Inselgipfel empor. Nicht ganz 1.400 Meter über dem Meeresspiegel erhebt sich dessen wolkenumkränzter Gipfel. Wir erhalten als „Lohn“ für die spannende Auffahrt ein Getränk unserer Wahl in einem Hotel gegenüber des Wipfels. Am Rande bemerkt, wenn sich rund 400 Kreuzfahrttouris in Kleinbussen mit jeweils 16 bis 20 Personen zu den gleichen Zielen auf den Weg machen, hat das allein schon Erlebnischarakter. Auf den weitgehend knapp über busbreiten Wegen begegnet man sich, die wenigen Parkplätze sind zugeparkt und die Busse müssen kunstvoll entwirrt werden. Und dann fehlen auch noch ab und an ein oder zwei Touris, deren Fotosession länger dauert. Starke Sache. Bis auf ein oder zwei auf steilen Pfaden gestürzte Mitreisende kommen wir gut wieder an Bord an. Sogar mit dem Lunch hat man auf uns gewartet. Service pur. – Gegen 18 Uhr legen wir ab und beginnen die Überquerung des Atlantiks, auf Brasilien zu, mitten hinein in die schier endlose Weite. – Unser Show-Ensemble holt die Flower-Power-Generation zurück auf die Bühne, an der Phoenixbar flower-powert es weiter bis schließlich das Silvesterfeuerwerk auf hoher See abgebrannt wird. Unsere zweite Silvesterfeier. Dann ist das so. Wir schauen dem Trubel diesmal noch lange auf Deck 5 bei leichter Brise und frischem Riesling zu. Meine Erkältung schöpft dabei neue Kraft. Immerhin tut der Schlaf dann was er kann. Ein prächtiger Tag.

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Mindelo

Wir schlafen in aller Ruhe aus. Keiner treibt uns. Nach Rückenübung und Croissant geht es an Land. An Containern, an rostbehafteten Booten und am Zoll vorbei wandern wir entlang der Hafenpromenade auf die Stadt zu. Die Kapverden sind kein reiches Land aber auf einem guten Weg, jedenfalls dem Äußeren nach zu urteilen. Ein Bettler trifft mich gutgelaunt an und ich greife in die Tasche. Eigentlich sollte ich immer ein wenig Kleingeld mit mir in der Hosentasche herumführen. Ob ich das noch lerne? Wer weiß. Die Stadt macht auf den ersten Blick einen positiven Eindruck. Der bleibt auch, wenn man nicht so genau hinschaut. Die Müllentsorgung sollte dringend geregelt werden 😀. Dabei komme ich mir immer so vereimert vor, wenn über Müll in den Meeren geklagt wird und man daheim sogar die Flaschenverschlüsse festkettet obwohl wir eine fast perfekte Entsorgung haben. Hierorts, auf den Kapverden, liegt Plastikschrott aller Art überall herum. Wir werfen daheim Millionen aus dem Fenster um eine optimale Müllentsorgung noch einen Tuck besser zu machen. Transferiert lieber dieses Geld hierher, denn damit erzielt man für die Sauberkeit der Meere einen deutlich höheren Effekt. Wir sind alle so dumm und sehen nur auf unseren Gartenzaun. – Die Sonne hier verwöhnt uns prächtig, wir schlendern am geschlossenen 😩 Fischmarkt (Neujahr) vorbei, der ansonsten absolut sehenswert sein soll. Nur ein halber, vergammelter, Duftstoffe verbreitender, fliegenumschwärmter Fischrest zeugt von den Aktivitäten an den restlichen Tagen des Jahres. Der Nachbau des Turmes von Belém beeindruckt, auch wenn er keinerlei Funktion hat. Ein Blick in den Hinterhof zeigt ärmlichste Lebensverhältnisse, die der Realität wohl näher kommen als die gepflegte Strandpromenade. Mit ersten, sehr oberflächlichen Eindrücken vom Leben auf den Kapverden kommen wir zum Schiff zurück. Meine Erkältung fordert nun deutlich ihren Tribut und ich falle aufs Bett. Ich kann nicht mehr. Vom Lunch bringt mir meine hochaktive Reisegefährtin ein Schälchen Currywurst mit. Toll. Das stillt den psychischen Appetit, physisch verlasse ich den Sattheitszustand äußerst selten 😉😀. – Jetzt ist Ruhe angesagt. – Gegen 18 Uhr legen wir ab und lassen São Vicente mit der Kulturhauptstadt Mindelo hinter uns. – Zum Dinner schneide ich intensiv an drei kleinen Stückchen widerstandsfähigem Schweinefilet herum und sinke wenig später auf mein Bettchen. Ende Gelände. Gute Nacht. Schwitzen ist angesagt und tut sehr gut. Irgendwann schaut meine Nebenliegerin vorbei – das Neujahrskonzet war wohl sehr ansprechend. Schön für sie. Gute Nacht.

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Silvester

Die Erkältung versucht nett zu mir zu sein und ich nehme ebenso Rücksicht. So komme ich durch den letzten Tag des Jahres. Der Vortrag unseres Lektors über São Vicente mit der zweitgrößten Stadt der Kapverden, Mindelo, ist wie gewohnt vielfältig und hörenswert. So ist die Atlantik Lounge auch gut gefüllt. Wir sehen Fotos von der ersten Reise Hertels vor etlichen Jahren, dann ein paar Jahre später und können nun gespannt sein auf ihr derzeitiges Outfit. Aufs Lunch will ich verzichten, doch mein Magen, Alarmstufe dunkelgelb (!!!), hat sich wohl schon etwas an die erhöhte Fettzufuhr gewöhnt und knurrt ein klein wenig. Meine Mitreisende hat Erbarmen mit ihm und bringt mir zwei kleine Stückchen überbackenen Emmentaler mit. Ihm reicht das und er lässt mich in Frieden 😉. – Zur Silvestereinstimmung wird „Dinner For One“ vom Kreuzfahrtdirektor und einer Mitarbeiterin nachgespielt. Sie bemühen sich redlich. Dabei legen wir in Mindelo an. Etwas später schauen wir beim Original per TV rein. – Nun gilt es Silvester zu feiern. Das ist ja eigentlich nicht mein Ding. Ich tanze nicht, mag keine überlaute Musik und vertrage inzwischen bei weitem nicht mehr so viel Alkohol. Also, was bleibt mir auch übrig, inzwischen lasse ich so ein langes Jahr immer in aller Ruhe ausklingen. So wundert es mich gar nicht, dass ich schließlich auf dem Balkon unserer Kabine lande, auf den Hafen blicke und mich sauwohl fühle. Hier kann ich sogar in aller Ruhe, ganz ohne Zigarre, meinen Jahresrückblick mit Gott halten. Mit Zigarre wäre er intensiver und länger aber meine Erkältung lässt Qualm nicht zu. – Meine allseits Interessierte durchstöbert derweil die Angebote an Bord und will um zwölf die Schiffsglocke hören, vom Kapitän höchstpersönlich geläutet. Dafür nimmt sie die musikalische Dröhnung in Kauf. Ihre Entscheidung. Nun ja, viel leiser ist es um zwölf bei mir auch nicht. Erst lässt die Amadea gegenüber dreimal ihr monumentales Horn in die Welt schallen, dann beweist die Artania es geht noch lauter. Das winzige Klingen der Schiffsglocke erscheint dabei kaum erwähnenswert. – Zu meiner übergroßen Freude kommt meine Allerliebste wenig später sogar mit zwei Sektgläsern vorbei und wir stoßen .auf 2025 an. Hatte ich mehr erwartet? Ja! Hätte ich mir anderes vorstellen können? Kaum. Dann war’s wohl doch okay. Willkommen 2025! Die Amadea legt kurz darauf Richtung Karibik ab. Gute Reise! Wir bleiben zurück.

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Erkältung

Das Jahr sprintet mit großem Elan auf sein Ende zu. Wir haben inzwischen sein Ende um eine Stunde hinausgezögert und in der Nacht kommt eine weitere hinzu. Während morgen daheim 2025 schon die Raketen und Sektkorken knallen werden, wird bei uns noch 2024 regieren. Wie es aussieht, wird mein Krankheitsjahr, um ja nicht aus seiner Rolle zu fallen, mit einer Erkältung sich verabschieden. Wie könnte es anders sein? – Nach der Turnerei, ein Erbe, das mir von ihm bleiben wird, gehe ich mehr oder weniger munter zum Vortrag über die Kapverden. Der Lektor Jörg Hertel hat es echt drauf und nimmt uns mit nach Praia. Die Kapverden verdanken ihren Namen dem Kap von Senegal, dem westlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents. Stark. Die Flagge ist unten blau, das Meer symbolisierend, es folgt ein weißer Streifen für die Hoffnung, ein roter im Gedenken an das vergossene Blut der Sklaven, darüber wieder ein weißer für Frieden und Freiheit, gefolgt von einem breiten blauen, der für den Himmel steht. Darüber sind kreisförmig zehn Sterne angeordnet als Symbol für die zehn kapverdischen Inseln. Gut zu wissen. Das Land ist arm, entwickelt sich aber langsam. Der Lektor war schon oft vor Ort und berichtet über anfänglich unverputzte Häuser, teils sogar ohne Dach, wo sich inzwischen schon viele bunte Hauswände und eine sich langsam aufbauende Infrastruktur zeigen. Ach ja, Hunde gibt es überreichlich aber alle mit übermäßig langen Beinen, ein Merkmal der einheimischen Köter. Das wird spannend. Besonders stolz sind die Kapverder auf Cesária Évora, einer Sängerin mit Weltruhm, die ich, Kulturbanause, nicht kenne. Bildungslücke 😢😩. Die Artania zuckelt derweil die afrikanische Küste entlang und will morgen gegen Abend in Mindelo ankommen. – Beim Lunch kann ich den angebotenen Gyros nicht widerstehen, selbst die Pommes dazu sind fast perfekt. Ich esse zu viel. ☹️. Ein schattiger Nachmittag auf dem Balkon bei äußerst angenehmen Temperaturen lässt uns entspannt dem Abend entgegengehen. – Die halbgare Ente Orange senkt allerdings meine Dinnerfreude spürbar und meine Erkältung tut ein übriges. So bleibe ich heute mal auf der Kabine und schwitze vor mich hin. Irgendwie muss es doch gelingen diesen unangenehmen Gast zu verabschieden. Die Nacht ist entsprechend leicht feucht und halsschmerzig. Doof.

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