Ankommen

So richtig bin ich noch nicht angekommen. Bei mir dauert es immer ein paar Tage bevor ich vom Reise- in den Daheim-Modus umschalten kann. Während meine Lebenslanggefährtin herumwirbelt mit Wäsche, Unkraut im Garten und in der Entwässerungsrinne, sitze ich rum und versuche krampfhaft das eine oder andere anzugehen. Kontopflege, Wäsche zusammenlegen, ein wenig kramen und Reiseutensilien wieder auf ihre Bereitschaftspositionen zu verfrachten ist ja ganz nett, läuft aber viel zu stockend ab. Am liebsten würde ich die nächste Reise planen aber der übermäßige Budgetverbrauch der letzten zwei Wochen steht dem entgegen. So lasse ich die Vernunft walten und bremse mich aus. Gut so! – Das Fernsehen breche ich am Abend ab, es nervt. Ein wenig YouTube, ein wenig lesen und ein bisschen virtuell Karten bewegen beruhigen meine Nerven und lassen mich zu Hause wieder heimisch werden 😉. Wunderbar. Es wird mittelspät und der Schlaf lässt sich Zeit. Dann ist das so.

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Totschlagsargumentation

Der Tag danach. Ich rechne unsere Urlaubskosten aus und bin schockiert. Hotels, speisen, Strom tanken und auf dem Bodensee herumschippern summieren sich zu einer ganz interessanten Endsumme. Dann ist das so. Damit kann ich mir mein Sparziel für die nächste Zeit abschminken – aber schön war es trotzdem (oder gerade deshalb?). Ich notiere die Regenmenge, die im August vom Himmel fiel und stelle fest, dass sie oberhalb des Vergleichszeitraums liegt. Das ist erfreulich. Per Notebook sind jetzt etliche Aufgaben zu erledigen und das tue ich dann auch. Der Mittag naht schnell, die gleichnamige Ruhe folgt dem nach. Die Post enthält die Androhung einer Kostenerhöhung vom Seniorenheim mit einer ausführlichen Begründung, so ausführlich, dass ich da überhaupt nicht durchsteige. Die schier unendlichen Bestandteile der Gesamtkosten werden im Detail so weitschweifig erläutert, dass sie ins Unverständliche abgleiten. Mir hätte eine kurze Übersicht „vorher-nachher“ mit ein paar erklärenden Worten vollkommen ausgereicht. Man kann halt mit vielen Worten ein Thema erschöpfend totreden. – Abends schaue ich einen Krimi, recht oft bewegt sich mein Finger unaufhaltsam zur Ausschalttaste, verharrt aber jedes Mal kurz davor und zuckt zurück. Hinterher bin ich mir immer noch unsicher ob ich nicht doch vorher … hätte, hätte, Fahrradkette! – YouTube unterhält mich im Anschluss noch ein wenig und schon beginnt die zweite Nacht im eigenen Bett. Der Schlaf spielt mit aber der Getränkekonsum verlangt viel zu oft sein Recht. Schade eigentlich.

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Daheim

Wir verabschieden uns vom Rhein. Ich mag ihn sehr und ich lasse ihn schweren Herzens zurück. Gern hätte ich noch ein paar Tage den Schiffen beim Passieren zugeschaut aber inzwischen ist der Drang endlich wieder nach Hause zu kommen viel zu groß. Also: Adieu mein Strom! Übrigens ist sein Pegel in den letzten Tagen kräftig gestiegen, inzwischen sind die Mittelinseln teilweise schon unter Wasser. – Zur Einstimmung auf die Fahrt wird gerade eine riesige Brücke saniert und wir dürfen uns durch Wiesbaden schlängeln. Meinetwegen. Wir kommen dennoch sehr gut durch, der Betrieb hält sich in Grenzen. Am Rasthaus Rimberg, keine empfehlenswerte Adresse fürs Stromtanken, sammeln wir neue Lade-Erfahrungen. Es gibt für beide Fahrtrichtungen der A 5 eine schwachbrüstige Säule mit maximal 50 kW Kapazität. Zu unserem Glück ist ein ID.3 gerade mit dem Laden fertig und Tiger kann den Anschluss nutzen. Mühsam füllt sich der Akku – Geduld tut dir not, lieber Bruder. Seufz. Im Anschluss übe ich mich im verbrauchsarmen Fahren. Mit 110 schleiche ich über die Autobahn, muss aber feststellen, dass der Unterschied zu 120 oder 130 eher marginal ist. Kurz vor dem Salzgitterdreieck geraten wir in einen Stau, dennoch geht es voran, nach recht kurzer Zeit passieren wir einen Unfall mit schweren Blechschäden aber offensichtlich ohne Personenschäden. Die Polizei ist noch nicht da. Ich stelle fest, dass die letzten Kilometer die nervigsten sein können. Gott sei Dank kommen wir unbeschadet zu Hause mit 18% Reststrom an, packen aus, wühlen uns durch die Post und sind einfach nur happy. Danke, HERR!!! Der Abend verläuft in aller Ruhe und im eigenen Bett schläft es sich echt gut. Wieder daheim, gut so.

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Laufen, laufen, laufen …

Vormittags schlendern wir den Rhein entlang Richtung Rüdesheim. Leider können wir die passierenden Schiffe kaum sehen, denn ein Flussarm, von Inseln abgetrennt, behindert die Sicht. Nach langer Wanderung kommen wir an eine wunderbar offene Stelle, fast direkt neben der Fahrrinne, völlig freie Sicht und sogar einer Bank, perfekt platziert. Nur – es lassen sich keine Schiffe blicken. Vater Rhein fließt ebenso träge wie unermüdlich an uns vorbei, die Sonne lacht vom Himmel aber außer abgebrochenen Ästen oder kleinen Grasinseln schwimmt auf ihm nichts dahin. Wir warten und warten, ich befrage die Positions-App für Wasserfahrzeuge – die allernächsten Binnenkähne sind so weit weg, dass wir noch mindestens zwanzig Minuten aufs Wasser starren müssten bis eins vor der Bank dahingleitet. Seufz. Also Rückzug. Auf halbem Wege sehen wir viel später dann endlich von Ferne ein paar Aufbauten durch die Bäume der Flussinseln blitzen. Man kann halt nicht immer gewinnen. Seufz. – Auf unserem Balkon sitzend sehe ich zum Trost eine Vielzahl von Last- und Kreuzfahrtschiffen passieren – unser Fernglas verkürzt die Entfernung deutlich. – Mühevoll überzeugt oder überredet, wie auch immer, mich meine Mitwanderin zu einem weiteren Spaziergang zum Probierstand in Oestrich, auf einem mir bisher unbekannten Wege. Ich staune wie schnell wir auf dieser Verbindung dort ankommen. Beim Genuss von Hibernaltrauben, vergoren und gelagert, ergießt sich ein mächtiger Schauer auf das Dach. Wir sitzen trocken darunter und lernen ein ortsansässiges Ehepaar kennen. Nette Plauderei. – Zwischen zwei Regengüssen geht es zurück, trockenen Fußes kommen wir am Hotel an, nur auf dem kurzen Weg zum Italiener erwische und eine weitere Dusche. Zum Glück sind zwei Plätze im Pavillon frei und ich erquicke mich mit einer Tortellini-Suppe und absolut leckeren Spaghetti mit Tomaten-Chili-Sauce. Perfekt. Der Weg zurück ins Hotel gelingt ohne nervige Bewässerung von oben. Heute waren es über 12.000 Schritte. Meine Zeit!!! – Für den Balkon ist es inzwischen zu kalt und so bleibt mir nur das Lesen – Fernsehen muss ich nicht haben. Früh geben wir uns der Nachtruhe hin und ich muss wieder einmal konstatieren, dass reichliche Flüssigkeitszufuhr für kürzere Schlafintervalle sorgt 😠😒, wenigstens im Alter.

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Gute alte Hildegard

Heute besuchen wir Hildegard von Bingen in Rüdesheim, besser gesagt die Hildegard-Abtei, ein Kloster oberhalb von Rüdesheim. Schon die Anfahrt ist malerisch, enge Straßen mitten durch die Weinberge, eine schmale Zufahrt zum Besucherparkplatz. Wir stehen vor den mächtigen Mauern des Nonnenklosters, ein imposantes Bauwerk umgeben von Rebstöcken. Die Klosterkirche ist sehenswert mit dem segnenden Christus oberhalb des Altars, dem Heilsweg Gottes in Bildern und darunter die heilende Hildegard. Beeindruckend. In anderer Weise faszinierend ist der Klostershop mit vielerlei christlich geprägten Artikeln und einem gut sortierten Wein- und Spirituosenangebot, ergänzt durch Marmeladen und Gelees in appetitanregenden Kompositionen. Mächtig gewaltig! Im Anschluss ist laufen im Weinberg angesagt. Es gibt dabei genügend Bänke zum Kräftesammeln und mit überall atemberaubendem Ausblick auf das Rheintal. So kann das Spazierengehen sogar mir Freude bereiten. In Rüdesheim lassen wir Tiger wieder Strom saufen und kaufen ein paar Kleinigkeiten ein. – Nach der etwas verschobenen Mittagsruhe tapern wir nach Oestrich, werden vom Regen überrascht, finden aber in einem Buswartehäuschen Schutz. Als es nur noch tröpfelt, geht es weiter zur Sparkasse und von dort Richtung Rhein. Ein überdachter lauschiger Weinprobierstand bietet uns Schutz und Labung. Feine Gegend hier, muss ich schon sagen. Den Fluss entlang wandern wir zur Ingelheimer Fähre und von dort heim zum Hotel. Meine App weist mir heute eine Zahl von über 10.000 Schritten nach. Ich bin begeistert. Hätte ich mir am Anfang der Reise nie zugetraut. Kurzum mir fehlt offensichtlich die Übung – doch was nützt das Wissen, wenn es nicht zur Tat wird? Mit Schiffsbeobachtungen beende ich den Tag bis die Kühle mich ins Zimmer treibt. Jetzt noch ein wenig lesen und schon kommt der Schlaf. Er tut mir wohl.

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Auf nach Oestrich-Winkel

Nach dem Frühstück bezahle ich die Rechnung per Kreditkarte. In zwei Monaten wird wohl erst die Abbuchung zuschlagen. Ich kann das kaum glauben und warte ab, ob diese Aussage Hand und Fuß hat. Wir schwingen die Koffer in das Heck von Tiger. Dabei stelle ich fest, dass so ein Koffer dank Gravitation sich viel leichter ab- als aufwärts bewegen lässt 😀. Nun gilt es Tigers Akku mit Strom zu füllen um ihn fit für die lange Tour ins Rheinland zu machen. Wir laden wieder völlig problemlos bei McDonalds in Markdorf. Obwohl mir die Landstraßen deutlich sympathischer sind als die Autobahnkurverei, bleibt uns angesichts der Entfernung nur diese öde Übel. Irgendwo auf der Strecke will ich wieder laden. Der Versuch steht kurz vor dem Scheitern. Von vier Ionity-Säulen sind zwei frei, dazu gibt es noch zwei von der EnBW. Klingt gut, ist es aber nicht. Die freien Ionity-Säulen verweigern die Arbeit, eine der EnBW-Säule ist defekt, nur die Allerletzte tut was sie soll: das Laden glückt. Während der Strom fließt verlaufe ich mich fast im Toilettenlabyrinth des Rasthauses. Echt verrückt – ich fühle mich total alt. – Irgendwann erreichen wir unser Hotel, nach Eingabe des übermittelten Codes im Automatendisplay fällt der Zimmerschlüssel ins Ausgabefach und schon sind wir eingecheckt. Klasse. Eine Auspack- und Ruhepause später spazieren wir durch Mittelheim und Winkel bis wir schließlich in einem Restaurant mit überdachtem Weingarten einkehren. Für mich gibt es einen Hackedotz mit Zwiebelsauce und Bratkartoffeln, dazu eine örtlich produzierte Flüssigkeit. Ein gemütlicher Abend, ein perfekter Einstieg – wir sind im Rheingau angekommen. Die erste Nacht ist, wie üblich, ein wenig unruhig.

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Regentag am Bodensee

Es ist deutlich kühler und die Regenwolken schicken feuchte Grüße. Wir schauen uns den Gottesdienst unserer Gemeinde und den aus Bremen an. In einer Regenpause wollen wir unser Hotel verlassen, doch die Nässe ist wachsam. Erst nieselt es ein wenig. Wir bestaunen die schlichte aber durchaus interessante evangelische Kirche in Hagnau. Sie gefällt uns sehr gut. In dieser Zeit pladdert es draußen so richtig los. Unter dem Kirchendach warten wir ab bis der Schauer etwas Kraft verliert. Wir entdecken einen neuen Weg zum Ufer, nehmen dort auf einer Bank unter einem Baum Platz und sitzen einige Zeit relativ trocken bis die Blätter ihre „Last“ Tröpfchen für Tröpfchen nach unten abgeben. Das ist eine gute Gelegenheit beim örtlichen Bäcker ein paar Kleinigkeiten zum Abendbrot zu erwerben und eine relativ tropfarme Zeit zu nutzen, um uns ins trockene Hotel zurückzuziehen. Jetzt heißt es Koffer packen, einen für die Sachen, die bis daheim im Auto bleiben können und einen für die Resttage im Rheingau. Die frischfeuchte Luft macht uns den Abschied leicht. Noch eine Nacht und es geht ab Richtung Rhein. Ein wenig örtlicher Wein versüßt den Abschied und der Schlaf gibt sich echt Mühe.

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Konstanz

Die Sonnentage sind offensichtlich vorbei, der Regen samt etwas kühlerer Witterung ist da. Es nieselt immer mal wieder, mal schauert es und sogar ein stärkerer Guss von oben pladdert herab. Dennoch fahren wir per Schiff nach Konstanz über Meersburg und Mainau, gut eineinhalb Stunden. Das hat etwas Entspanntes. Der Regen hält sich dabei zurück und wir können ganz vorm im Freien sitzen – nette Perspektive. In Konstanz wechseln sich zunächst Sonne und leichter Nieselregen ab und wir schlendern frohgemut durch die sehenswerte Fußgängerzone. Der Kaiserbrunnen mit neugestalteten Figuren lädt zum Schmunzeln ein, bemalte Fassaden am Rathaus mit historischen Ereignissen mögen Geschichtsinteressierte faszinieren und auch das Münster ist innen und außen sehenswert. Ganz in der Nähe finden wir die Stadtmission, leider stehen wir vor verschlossenen Türen aber das verwundert uns nicht besonders, denn wir konnten uns mangels Telefonnummern nicht anmelden. Dann ist das so. – Ein Regenschauer treibt uns in ein winziges italienisches Lokal in dem wir bei vorzüglich mundenden Speisen mit zwei netten alten Damen ins Gespräch kommen. Ja, die Süddeutschen sind im Vergleich zu uns im Norden Wohnenden weitaus weniger maulfaul. Inzwischen haben sich die Wolken zu einem verstärkten Wasserlassen entschieden. Rundherum ziemlich feucht entern wir, gerade noch rechtzeitig, die MS Austria, die uns auf der bekannten Route Mainau-Meersburg zurück nach Hagnau bringt. Die Nässe von oben hält sich zurück bis wir unser Hotel erreichen. Es ist deutlich kühler geworden, ab und an entlädt sich eine Regenwolke. Dennoch war es ein schöner Tag. Sogar der Schlaf vollbringt einen guten Job. Fein.

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