Rückreise ohne Ladepause

Tigers Akku ist randvoll und bereit für über 460 Kilometer, behauptet er. Wir haben nur 333 km vor uns. Schauen wir mal. Zunächst wird die Ferienwohnung gründlich gesäubert und alle unsere Sachen im Bauch von Tiger verstaut. Dann geht es los. Die Umleitungen rund um Norden sind freundlicherweise aufgehoben und so düsen wir munter Richtung Autobahn. Ich bin voll motiviert heute erstmals ohne Zwischenladen von hierorts heim zu kommen. Während der Fahrt können wir per Smartphone und Freisprechanlage den Gottesdienst in unserer Gemeinde verfolgen. Das tut wirklich gut. Die Netzabdeckung ist, wenigstens in Ostfriesland, so perfekt, dass es zu keinerlei Kein-Netz-Kunstpausen kommt. Prima. So fällt es mir umso leichter meinen Gasfuss, der zum Stromfuß wurde, zu zügeln und mich auf 120 km/h bzw., wenn nötig auf maximal 140 km/h zu beschränken. Das ist im Schnitt 10 km langsamer als normal außerdem lasse ich die Rasephasen bewusst kürzer ausfallen. So verläßt Tiger in Ostenholz bei Walsrode die Autobahn mit einem 80-Kilometer-Polster, das er auf der Landstraße locker hält. Wir kommen gut durch und sind deutlich früher als mit rasen und Ladepause dran. Geht doch, wenigstens im Sommer. Im Winter würde mir das nicht gelingen. Nach einer ausgiebigen Ruhezeit stellen wir, schweren Herzens denn heute ist Sonntag, unseren Sperrmüll an die Straße. Eine andere Wahl haben wir nicht. Relativ fernseharm beschließen wir lesenderweise den Tag. Der Schlaf kommt schnell, doch die Unterbrechungen bleiben. Das stimmt mich nachdenklich.

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Neuharlingersiel

Heute steht unsere traditionelle Sieltour auf dem Programm, erstmals in der Hauptsaison und am Samstag. Erstaunlicherweise landen wir wieder in Neuharlingersiel, dieser Ort muss es uns angetan haben. Die Parkplatzfrage ist bei der Spiekeroog-Fähre schnell geklärt – da ist noch reichlich Raum und zum malerischen Hafen sind es nur ein paar Schritte. Ich bin wie immer fasziniert von diesem Haus-Schiff-Schnickschackladen-Ensemble mit ein paar Cafés und Imbissbuden. Zum Mittagsmahl gibt es Matjes mit Pommes, meine Mitreisende muss nach ihrem Heringdesaster vor etlichen Jahren leider auf andere Wassertiere ausweichen. Unser Magen kann ganz schön nachtragend sein. – Wir genießen die Atmosphäre, eine kurze Strecke gemütlich schlendern und schon ist man dem Trubel weitgehend entflohen und doch nicht zu weit weg. Schön ist es hier. Eine Personenschnellfähre rauscht zum Anleger und ist gleich wieder weg, kaum dass die Passagiere wechseln konnten. Wir haben die Parkgebühren per App bezahlt und hoffen, dass es keine Probleme gibt – deutsche Behörden und digitale Anwendungen sind ja nicht unbedingt kompatibel😉. Das ist leider so. – Am Abend begleite ich Pfarrer Braun in drei Folgen, ausnahmsweise gut ausgewählte Folgen, was mich in Erstaunen versetzt. Das hätte ich dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen kaum zugetraut. Mein erster Fernsehabend im Urlaub zieht sich so logischerweise sehr lang hin und es ist nicht gerade früh als ich das Rufen meines Nachtlagers endlich erhöre. Und das am Abend vor der Abreise. Tss, tsss, tssss!

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Am Hafen

Wir kommen nur ganz langsam in Fahrt. Erfreulicherweise zeigt der Ouzo keinerlei Nachwirkungen. Dennoch schlafe ich einfach recht lange, lese in aller Gemütsruhe unsere beiden Tageszeitungen, halte die Morgenandacht in feiner Beschaulichkeit 😉 und plötzlich, völlig überraschend, ist es Mittag. Nach einer kurzen Pause lockt uns der Hafen. Wir spazieren an der Nordseeküste entlang. Das Wasser ist weg. Am Siel, dem Norddeicher Wasserentree, kommt die Fähre aus Norderney rein und die nach Juist (oder doch nach Norderney??) macht sich auf die Reise. Ein paar Segel- und Motorboote kommen und gehen, zwischendurch sehen wir sogar einen Krabbenkutter passieren. Auf einer windgeschützten Bank hinterm Deich schauen wir dem Trubel „urlaubsgeplagter“ Touristen im Fähr- und eifrig proviantbunkernder Freizeitkapitäne im Yachthafen zu. Beeindruckende Atmosphäre. – Im Laufe des Abends entschließen wir uns spontan unseren Urlaub um einen Tag zu verlängern. Lassen wir doch am Samstag die Urlauber aus dem Westen Deutschlands anreisen und wählen für die Heimfahrt den Sonntag nach dem üblichen Quartierwechsel. – Es wird normal spät. Wir freuen uns auf morgen. So soll es sein!

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Lütetsburg und ein spendabler Grieche

An zwei uralten Erkenntnissen komme ich nie vorbei: Wer erstens lange schläft hat einen sehr kurzen Vormittag. Und wer zusätzlich zweitens der Mittagsruhe „huldigt“ kommt folglich erst spät aus dem Haus. So isses. Immerhin reicht die Zeit noch vortrefflich für die Fahrt zum Schlosspark Lütetsburg. Die Sonne begleitet uns. Es ist eindrucksvoll schön daselbst. Wir spazieren die Wege entlang, machen links und rechts von den Pfaden landschaftliche Entdeckungen, sehen Schwänen beim Verspeisen der Entengrütze zu und denken über das windschiefe Wachstum einer ganzen Reihe alter Obstbäume nach. Nebenan ziehen Golfer ihre Bahnen, sie spielen, wie meine Lebensbegleiterin sagt, Murmeln für Große. Es sei ihnen von Herzen gegönnt wobei ich über ein für mich Laien riesiges Ensemble von Schlaginstrumenten in einem Golf-Trolley staune. Für jede Untergrund- und Schlagweitenvariation einen aus der Holz- oder Eisenklasse oder mindestens einen Wedge 🤔😉😇? Wahnsinn, was Wikipedia alles weiß 😀. – Abends treffen wir uns mit einem befreundeten Ehepaar bei einem Griechen, der nicht nur mit einer prima Küche glänzt, sondern ebenso eine verblüffende Ouzo-Spendierhose vorweist. Bei der Heimfahrt habe ich, trotz einer guten Grundlage und einer echt kurzen Strecke das erste Mal seit langem wieder ein arg schlechtes Gewissen am Steuer. Unsere Gäste schauen per Fahrrad noch eine Zeit bei uns vorbei und so vergeht die Zeit fix. Danach lassen wir lesenderweise die Uhrzeiger noch ein wenig wandern bis wir uns in Morpheus seine Arme sinken lassen. Für mich folgt eine relativ störungsarme Nacht. Alles ist gut.

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Hochzeitstag mit Fürst

Der Regen pladdert vom Himmel. Doch irgendwann versiegt das Wasser dort oben. Die Handwerker schöpfen mit Eimern ihre Gruben leer. Die Glasfaser samt Leerrohr bekommt sozusagen wieder Boden „unter die Füße“. Dann bohren die Fachkräfte ein Loch durch die Außenwand unseres Urlaubsdomizils, führen das Glasfaserleerrohr hindurch und dichten alles von innen und außen ab. Fertig. In möglicherweise absehbarer Zeit soll das Innenausbauteam auftauchen, die inhäusigen Arbeiten erledigen und die Glasfaser einziehen. Mag sein, hoffen wir das Beste. Unser ähnlich gelagertes persönliches Problem tritt allerdings erst später auf wenn es, hoffentlich noch zu meinen Lebzeiten, bei uns daheim losgeht. – Zum Lunch verspeisen wir ein leckeres Seelachsfilet in äußerst ansprechender Größe und Frische im angesagtesten Fischrestaurant am Hafen (früher de Beer, jetzt Noormanns). Im Anschluss sehen wir uns ein wenig im Hafen um, ein Krabbenkutter legt an und lädt diverse Kisten nach einer einwöchigen Fangtour aus, ein relativ eindrucksvoll großes Boot schwebt von einem Kran gehalten die Straße entlang und Fischerboote liegen malerisch angeordnet fest vertäut am Kai. – Nachmittags flanieren wir durch die Fußgängerzone Nordens. Die freundliche Dodea verkauft mir ein Fischerhemd und spendiert uns eine schicke Tasche dazu. Meine Mitreisende stöbert in Klamottenläden und ich lasse allerlei Volk an mir vorbeipassieren. Bei Sonne ist es richtig nett und adrett hier. Der Einkauf im uns altbekannten örtlichen Edeka-Kaufhaus weckt mancherlei Erinnerungen in mir. Ich mag diese Rolltreppen-Laufbahn vom oberen ins untere Erdgeschoss – Ostfriesland ist halt nicht völlig flach 😀. – Abends feiern wir mit Fürst Metternich aus einer weißen (!) Chardonnay-Sekt-Flasche unseren dreiundvierzigsten Hochzeitstag. Wie nett! Der Schaumwein ist für mich fast perfekt und erobert Platz 1 auf meiner Lieblingssektliste. Leicht beschwingt geht es in die unterbrechungsreiche Nachtruhe. Langsam gewöhne ich mich daran. Seufz.

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Rakete im Grundwasser

Heute wirbeln Handwerker rund um unser Feriendomizil und bemühen sich ein Leerrohr für den Glasfaseranschluss zu verlegen. Sie mühen sich redlich aber die „Rakete“, die sich unterirdisch durchbohren soll, landet im Grundwasser. Irgendwann gelingt es doch. Es ist spät und sie wollen morgen weitermachen. Wir cruisen ein wenig durch Norden, besuchen das Grab einer guten Freundin und lassen es uns gut gehen. – Ein Angebot im Internet überzeugt mich, ich überlege hin und her, dann gönne ich mir ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. So einfach ist das. Wieder in der Ferienwohnung schauen wir dem Wetter beim Zuziehen zu. Es stürmt ein wenig, dann etwas mehr und schließlich schüttet es. Wir machen uns einen gemütlichen altersgerechten Abend. Alles ist gut. Die Nacht birgt durchaus Verbesserungsmöglichkeiten.

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Geburtstag

Nun habe ich also 71 Jahre auf dem Buckel. 71!!! Kaum zu glauben. Fast elf Jahre Privatier. Unfasslichkeitsbar. 😀😉. Immerhin lacht die Sonne vom Himmel (von wo sonst?) und ein paar nette Wolken sorgen für eine angenehme Temperaturentwicklung. Klasse Geburtstagswetter! Unser traditioneller Hafenbesuch in Norddeich, diesmal hochbelebt mit kommenden und gehender Inselurlaubern, sogar einer Fähre, die warten muss bis ihre Vorgängerin abgelegt hat – faszinierend. Dazu brennt die Sonne heiß aber der Wind kühlt die Haut, nett von ihm. Im Reichshof in Norden habe ich Plätze fürs Dinner reserviert. Das Restaurant macht einen sehr guten Eindruck, die Bedienung ist freundlich, wenn sie uns auch lieber wortgewaltig überredet um unseren Tisch von der Sonne nicht in den Schatten verlegen zu müssen. Nun denn, das Geburtstagskind(😀) stört es nicht. Der Gruß aus der Küche mundet hervorragend, das Brot dazu ist nahezu perfekt. Die Bratfischplatte wäre für die allermeisten unter uns super, ich dagegen hätte etwas mehr Würze durchaus begrüßt. So bin ich eben. Das Gin-Tonic-Sorbet ist ein Gedicht und veranlasst mich ein Gläschen des hausgemachten Gins zu probieren. Wow ist das ein feines Tröpfchen, ein Aroma, das meine Nase in Begeisterung versetzt und ein wunderbarer Gaumenschmeichler beim Geniessen. Leider, leider bin ich mit dem Auto hier und muss Zurückhaltung üben. So fiel schon der Wein zum Fisch flach – ein alkoholfreies Weizenbier stillt bestens den Durst, passt aber für mich gar nicht zum Fisch. Man kann halt nicht alles haben. Dafür gönnen wir uns in unserem Domizil noch ein Fläschchen mit vergorenem Traubensaft in roter Konsistenz und lassen den Abend altersgemäß ausklingen. Der Schlaf gibt sich viel Mühe aber gewisse Altherrenplagen unterbrechen ihn viel zu regelmäßig. So ist das nun einmal.

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Wolkenbruch als Lade-Event

Moderation heißt Nervosität. Die werde ich wohl nie los obwohl ich mich in allem von Gott abhängig weiß. Und Gott ist dabei, ich kann alles locker vortragen, schwitze noch nicht einmal und bin gut drauf. Gott wirkt. Gott sei Dank! Die Predigt spricht mich ebenfalls an – ein gelungener Gottesdienst über das erste Gebot. Nachdenkenswerte geistliche Kost! – Eine Einladung zum Kaffee am Nachmittag entpuppt sich als muntere Plauderrunde mit absolut leckerem Kuchen. Leider darf ich nichts alkoholisches zu mir nehmen denn mir steht noch eine längere Urlaubsfahrt ins Haus. Bei strahlendem Sonnenschein und enormer Hitze, geschützt durch eine perfekt arbeitende Klimaanlage, düsen wir auf eine dunkle Wolkenfront zu. Bei Bremen erwischt es uns dann und es pladdert los. Strom laden unter freiem Himmel im strömenden Regen gehört zu den „Wonnen“ eines Elektromobilisten. Natürlich ist die Ladesäule defekt und ich muss zu allem Überfluss (im wahrsten Sinne des Wortes) Tiger zur Nachbarsäule umsetzen. Die funktioniert wenigstens und nach dem Update bei der Inspektion lädt Tiger nun schneller. Wenigstens etwas. Nach ungewohnt kurzer Zeit können wir weiter. Das bringt uns aber keinen Zeitgewinn, denn vor dem Urlaubsziel ist die Bundesstraße gesperrt, die Umleitung führt gefühlt halb nach Emden zurück und dann wieder aufs Ziel zu. Recht spät in der Nacht kommen wir endlich an. Puh. Betten machen, auspacken, Abendbrot und meine Mitreisende retiriert in ihre nächtliche Ruhestätte. Ich feiere noch in meinen Geburtstag hinein, stoße mit mir an, lese ein wenig und ziehe mich auch zurück. Der Schlaf deckt mich freundlich zu. Nett von ihm.

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