Nach der Reise ist vor der Reise

Wieder einmal lasse ich alles sehr ruhig angehen. Während meine diakonisch hochmotivierte Lebenslangehepartnerin mit voller Kraft alle möglichen Aktivitäten entfaltet (bewundernswert!!!), sitze ich in meinem Sessel, prüfe die Konten, telefoniere ein wenig und mache dies und das. Am Nachmittag räumen wir die Koffer aus – die mitgenommenen Sachen wurden allesamt genutzt, offensichtlich gut gepackt. Und schon naht für mich der erste Nachurlaubstermin: die Humboldt-Reisewelt hat uns zu einem Reisepräsentationsessen ins Hoffmannhaus eingeladen. Schöne Fahrten werden mit überzeugenden Worten vorgestellt und angepriesen. Leider ist für uns nicht das Richtige dabei, denn in diesem Jahr bin ich ausgebucht und für 2023 ist das Angebot noch recht mager. Schade. Ein interessantes Nachgespräch mit dem Vertreter über vergangene Gestaltungsprobleme schließt die Veranstaltung bestens ab. Nach der Reise ist vor der Reise – irgendwann, irgendwie, irgendwohin. Ich lasse den Abend gemütlich ausklingen und runde so den ersten Nachreisetag perfekt ab. So soll es sein.

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Home again

Punkt sieben Uhr verlasse ich ein letztes Mal mein schmales Nachtlager. Die letzten Sachen wandern in unsere Koffer, die Schränke sind wie anfangs leer und ich begebe mich zum ersten Mal auf dieser Reise zum Frühstücksbüffet. Bisher reichten mir ein mitgebrachtes Croissant und zwei Tassen Kaffee vollkommen aus aber heute steht ein langer Reisetag ohne mittägliches Viergangmenü vor mir. Gegen neun Uhr sind wir mit unserem Gepäck unterwegs zum Bahnhof wo eine vierstündige Wartezeit absolviert werden muss. Warum auch immer habe ich bloß diesen späten Zug gewählt? Mea culpa. Endlich um kurz vor eins wird unser Intercity bereitgestellt und wir dürfen unsere reservierten Plätze entern. So reise ich, eigentlich ein Großraumfan, mal wieder in einem Abteil. Bis Rheine gehört es uns allein und dann gesellt sich ein freundlicher selbstständiger Handelsreisender zu uns. Es ergibt sich eine intensive Plauderei bis Hannover. Stark. Endlich, endlich kurz vor 18 Uhr kommen wir im Wolfsburger Bahnhof an, eine hilfsbereite Freundin wartet schon auf uns und übernimmt die letzten Reisekilometer bis nach Hause. Wieder daheim, wie schön! Bei einem Rosé lasse ich den Tag ausklingen bis ich schließlich mein heißgeliebtes Seniorenbettchen aufsuche. Gute Nacht!

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Dordrecht und Rotterdam

Die elegante Lady liegt am Kai von Dordrecht an. Ein wenig müssen wir schon suchen bis wir die malerische Altstadt gefunden haben. Doch sie ist wirklich sehenswert. Von den Grachten mal mit historischen Kähnen, mal mit Motorbooten und Segelschiffen bestückt, vom alten Häuserbestand und den Zugbrücken geht schon eine herzanrührende Faszination aus. Rechtzeitig zur Abreise nach Rotterdam sind wir wieder an Bord. Zur Mittagszeit erreichen wir die Stadt mit dem größten Hafen Europas. Ich begebe mich auf eine Panoramatour durch die architektonisch vielfältig geprägte Innenstadt mit einer bemerkenswerten Markthalle, die wir leider nur von außen betrachten dürfen und Wohnkuben, die wie auf ihre Kante gestellte Würfel aussehen. Zahllose berühmte Architekten prägen mit ihren ideenreichen Bauten das Bild der City. Die Hafenrundfahrt fällt dagegen recht schlapp aus, wir schippern den Hauptarm des „Havens“, die Neue Maas rauf und runter, biegen zwischendurch in einen kleineren Containerterminal ab, fahren kurz vor dem Ende der Rundfahrt am alten stillgelegten Ozeandampfer „Rotterdam“ vorbei, dem größten dort jemals gebauten Passagierschiff, um dann schließlich wieder anzulegen. Nun ja, was kann man schon in 75 Minuten erwarten? – Vor unserem Abschieds-Gala-Dinner spendiert der Kapitän noch eine Runde Sekt und verabschiedet uns mit netten Worten. Das Dinner selbst hat zwei kleine Gänge mehr als üblich und endet mit einer traditionellen Eisparade, bei der auf diversen Eiskuchen kleinere Flammen züngeln. – Auf der nächtlichen Tour zurück zum Startpunkt Amsterdam hören wir auf eine mutmachende Andacht und beschließen den Tag mit einem Gin Tonic in der Panorama-Bar. Es war eine wunderschöne Reise zu der unser Herr und Heiland uns auch noch mit tollem Wetter beschenkt hat. Danke, HERR! Die letzte Nacht auf unserem Flusskreuzfahrtschiff wird kurz.

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Frauen mit Kirchenhut

Wir legen in Veere an und sehen die Kirche vom Schiff aus. Mitreisende berichten später sie sei viel größer als sie vom Schiff aus wirkt. Gut zu wissen. Wir dagegen feiern per Internet mit unserer Gemeinde Gottesdienst. Wie schön, dass das möglich ist. Danach lassen wir es langsam und behäbig angehen bis die übliche Lunchstopfung beginnt. Auch heute ist es wieder lecker. So ganz nebenbei legen wir ab. Nachmittags erhalten wir Informationen zur dienstäglichen Ausschiffung, danach Kaffee und Küchelchen und landen an in Bruinisse, ein kleines, feines Städteleinchen, das offensichtlich um 18 Uhr abends Gottesdienst feiert. Uns begegnen nämlich bei einem Spaziergang beim Glockengeläut zweier Kirchen festlich gekleidete Menschen, Frauen immer mit Hut (entweder bereits auf dem Kopf oder wenigstens einsatzbereit in der Hand), die zielbewusst den Gotteshäusern zuströmen. Ansonsten ist Bruinisse eine Kleinststadt, sogar mit einer Fußgängerzone mit mehreren Cafés. Nett. – Zurück an Bord entspannen wir ein wenig auf dem Sonnendeck, genießen die Ruhe an Bord und nur wenig später unser Dinner. Puh. – Die Andacht über die Zweifel, die Johannes den Täufer im Gefängnis quälen und über Missverständnisse über den Auftrag Jesu, die sich bis heute gehalten haben ist sehr ansprechend und infragestellend. – Zum Abendabschluss schauen wir der Preisverteilung einer Tombola zu an der wir uns völlig zu Recht nicht beteiligt haben. Ich führe mir einen Cocktail, gefolgt von einem Gin Tonic zu bevor wir unser Bett beehren. Der Schlaf stellt sich bald ein. Fein.

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Brügge

Wir liegen im Hafen von Gent – weit außerhalb der Stadt. Ein kleiner Spaziergang durch das Industriegebiet ist nicht unbedingt das, was ich unter einem Stadtbummel verstehe aber immerhin kommt Bewegung in meinen trägen Körper bis er mittels Lunch wieder ruhig gestellt wird 😉. Doch gleich danach startet eine Herausforderung – unser Brügge-Trip geht los. Eine Stunde Busfahrt und zwei Stunden Stadtbummel mit Guide. Eine wunderschöne Stadt erwartet uns. Die Sonne strahlt vom Himmel nur der Wind pustet mitunter unerwartet eiskalt um die Ecken. Wir besuchen ein „Begijnenhuisje“ – in Wirklichkeit eine große Anlage in der die Beginen lebten, laut Guide unverheiratete Frauen, die zwar keusch und gehorsam leben wollten jedoch nicht arm. Sie durften handeln und konnten ihr Vermögen verwalten. Ein Ausweg um nicht Nonne werden zu müssen, welche darüber hinaus Armut geloben mussten und sich unter ein strenges Ordens-Kuratel begaben. – Glücklicherweise haben die Brügger ihre Baulücken im 19. Jahrhundert mit Gebäuden im Neu-Gotischen-Stil gefüllt, die Laien wie ich kaum von der vorherrschenden Gotik unterscheiden können. Heutige Architekten setzen ja auf Abgrenzung, also Neubauten bzw. Anbauten, die eindeutig Neues zum Alten hinzufügen. Für meinen Geschmack passt das nicht, es sind das neue Flicken auf alten Kleidern, doch wer bin ich schon 😢😉? Voll gefüllt mit optischen Eindrücken und nach weit über 12.000 Schritten ein wenig stark kaputt lasse ich mich zur eleganten Lady transportieren. – Ein wenig runder nach einem reichhaltigen Dinner schwänze ich die Andacht und schaue stattdessen dem Showprogramm der Crew zu, die ein paar unterhaltsame humorvolle Sketche präsentiert. Nett gemacht. Noch schnell einen Manhattan konsumiert – welch eine grauenvolle Mischung finde ich – und der Schlaf packt mich am Schlafittchen. Gut so.

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Antwerpen

Beim Aufwachen laufen wir in den Hafen von Antwerpen ein und legen am Kai der Flusskreuzfahrer an. Man könnte die Stadt sehr gut per pedes erreichen, doch wir machen uns einen schönen Vormittag auf dem Schiff, da nachmittags sowieso eine Stadtrundfahrt samt Rundgang anliegt. Das viele Essen macht träge, auch wenn ich mir jeden Tag das Frühstück spare – das macht mich nicht weniger fett. Vorspeise, Suppe, Hauptgericht und Dessert – zweimal am Tag – sind eine fatale Kombination fürs Gewichthalten. Das kann nicht funktionieren und tut es auch nicht. Seufz. – Gleich nach dem Lunch entern wir einen Bus, lassen Antwerpen an uns vorbeirauschen, besichtigen die „Bahnhofskathedrale“ ein Prachtstück auf das die Belgier mit vollem Recht stolz sind. In, ich glaube, vier Ebenen (oder sind es nur drei?) wird der Zugverkehr übereinander abgewickelt – ganz unten hält der TGV aus Frankreich und ganz oben, eigentlich die ursprüngliche 1. Ebene, findet man die Bahnhofshalle als Sackbahnhof. Beeindruckend – wie auch das Königscafé in dem in früheren Zeiten der König vor oder nach einer Zugfahrt pausierte in einer echt edlen Ausstattung. Wir fahren zurück zur Innenstadt, spazieren zum Brabobrunnen auf dem Grote Markt, der die Namensgebung der Stadt widerspiegelt (bei Wikipedia nachzulesen). Die Liebfrauenkathedrale mit vier Rubenswerken ist mehr als sehenswert mit ihrer prachtvollen Kanzel, einer Marienkapelle und ihrem geschnitzten Chorgestühl. Zurück auf dem Schiff legt selbiges sofort ab während wir gestopft und genudelt werden. Es wird sehr spät, weil ich unbedingt den Schleusenvorgang in den Gentkanal miterleben möchte: riesige Schleuse aber geringe Hebehöhe. Das leise Summen der Klimaanlage begleitet uns im Schlaf.

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Amsterdam

Das Frühstück ist nur zwischen 7 und 9 Uhr konsumierbar, ziemlich früh für mich. Außerdem bin ich knallrappelvollsatt von gestern. Meine äußerst fürsorgliche Mitreisende hat mir ein Croissant organisiert und ich bediene mich bei der Kaffeetherme, die allen Passagieren den ganzen Tag kostenfrei zur Verfügung steht – ein klarer Zusatzpunkt für Plantours. So mag ich Frühstück: zwei Tassen lecker Kaffee und ein Croissant oder einen Keks knabbern. 😀! Gegen zehn spazieren wir gemütlich durchs Grachtenviertel, schauen den königlichen Palast auf dem Damplatz an (der mal als Rathaus konzipiert war) und passieren etliche Cannabis-Coffeeshops (ich mag keine Stoffe, die mein Bewusstsein manipulieren wollen, okay, Alkohol, doch seine Wirkung macht mich allerhöchstens gesprächiger – mehr muss wirklich nicht sein). Der Regen hat sich für unseren Spaziergang verzogen, wofür wir äußerst dankbar sind, nur der Wind pustet ein wenig herum und es ist recht kühl. April eben. Zum Lunch werden wir wieder genudelt, dann geht es ab nach Antwerpen. Wir werden den restlichen Tag und die ganze Nacht unterwegs sein. Das Ufer zieht vorbei, nicht ganz so abwechslungsreich wie bei der Donau aber auch sehr schön. Damit wir bloß nicht vom Fett fallen führen wir uns ein reichhaltiges Dinner zu. Außerdem pfeift ein Sturm ums Schiff und lässt Regen samt Graupelschauern auf unser Schifflein prasseln, was sich besonders bei der Andacht in der Sky Lounge bemerkbar macht. Unser Kreuzfahrer ist klein so sind die Scheiben der vorn liegenden Panoramabar den hohen, spritzenden, frechen Wellen ausgesetzt. Platsch! Der Caipirinha an Bord ist, am Rande bemerkt, sehr lecker und empfehlenswert. Nachteilig ist nur, dass die Karte meinen Lieblingscocktail Mojito völlig ignoriert. Tss, tss, tss. Es wird normal spät und wir finden trotz Motorenbrummen, Möbelklappern und leise summender Klimaanlage unsere Ruhe.

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Elegant Lady

Um sieben jault der Wecker mich aus dem Leichtschlaf. Zwei Tassen Kaffee, eine Morgenandacht und einen Packabschluss später holt uns ein netter junger Mann ab und verfrachtet uns zum Bahnhof. Der IC 148 ist fast pünktlich, wir nehmen unsere Plätze ein und ab geht es in einem Zug nach Amsterdam. Ein paar Schritte weiter wartet unser Schiff auf uns, das Einschiffen geschieht völlig problemlos. Wir werden mit Kaffee und lebenserfahrenen Kuchen begrüsst. Erste Feststellung: Phoenixreisekuchen war zwei Klassen besser. Das Schiff strahlt Mahagonicharme aus, ist aber nicht schlecht, nur den Kabinen würde etwas mehr Größe gut anstehen doch so waren halt die Verhältnisse 2004. Außerdem reisen wir auf einer „Elegant Lady“ und so betrachtet passt das schon. Ein Sektempfang (mundet prächtig) mit allen wichtigen Persönlichkeiten leitet über zum Dinner. Zweite Feststellung: das Begrüßungsmenü steht dem Phoenixmenü um nichts nach, nur dass dort mehr Wahlmöglichkeiten existierten. Schwer genudelt treffen wir uns zur ersten Andacht. Ich finde Vorstellungsrunden langweilig, sie scheinen aber ein „Muss“ zu sein. Dann ist das eben so. Immerhin ist das Referentenehepaar Schulte sehr nett. Dann bin ich so müde, dass ich nur noch Sehnsucht nach meinem Bett in meiner Kabine habe. Ich werde alt. Kein Zweifel mehr möglich. Dann ist das so. Goedenacht.

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