Salvator da Bahia

Ich betrete jetzt (endlich) brasilianischen Boden. Ans Klima habe ich mich gewöhnt und wage nun erste Schritte in dieses heiß-feuchte Land. Die Eindrücke sind überwältigend. Neben Prunkbauten vor sich hin verrottende Hochhäuser, Wohnungen noch mit Fenster, andere ohne dieselben. Daheim hätte die Bauaufsicht etliche gesperrt, hier eben nicht. Das Land ist grün, die Stadt voller Leben, hier schläft ein Obdachloser auf einer Pappe im Park, dort flanieren brasilianische Schönheiten, der Strand ist übervoll, denn es sind Ferien. Schon unser Lektor hat uns mit dem Schönheitsideal dieser Landsleute vertraut gemacht: markante, große Hinterteile (dort landen oft genug künstliche Füllstoffe eifriger Schönheitschirurgen😉). Der Beachblick scheint das zu bestätigen😀. Andere Länder, andere Geschmäcker. – Einer brasilianischen Heiligen aus dieser Stadt wird allerhöchste Verehrung zuteil, eine Nonne, deren Name mir entfallen ist. Ihr ist eine Kirche geweiht, etliche Sanatorien und Kliniken sowie Anlaufstationen für die ärmeren Schichten der Bevölkerung. Beeindruckend wie Glaube mit Tat kombiniert wird. Neben einem alten Fort rammt sich ein Baumast in das Busfenster vor uns. Die Sicherheitsglasmaserung weist künstlerische Qualitäten aus. Eine in dieses „Kunstwerk“ integrierte Lüftungsklappe ragt, von einer kleinen Schraube gerade so noch gehalten, in den Innenraum. Nach einem Strandstopp geht es dessen ungeachtet weiter. Wir erfahren, dass unsere Fahrt um eine Stunde verkürzt wurde aber was soll diese theoretische Regelung im städtischen Verkehr? De facto dauert die Tour so lange wie ursprünglich geplant. Im Stau eröffnen sich unerwartete Einblicke in Hinterhöfe, Wohnverhältnisse und die völlig anders geartete Geschäftswelt. Stark. – Zurück auf dem Schiff brauche ich erst einmal ein Bierchen, um verlorene Mineralien wieder einzulagern😉🤔😇. – Beim Dinner treffen wir ein supernettes älteres (wie sollte es auch anders sein) Ehepaar und plaudern uns fest. So sind wir zu spät dran, um im Heck noch einen Sitzplatz für eine brasilianische Folkloreband zu ergattern. Ich verschwinde sofort, denn stehend in Menschenmassen zu verharren, ist nie mein Ding gewesen. Meine Mitreisende schaut anfangs noch zu, als es aber um die Verehrung der Meeresgötzen und anderer heidnischer Gestalten geht, verlässt auch sie diese lautstark trommelnde Truppe. – Auf unserem Balkon lassen wir den Korken unsere Champusflasche knallen und genießen in wohliger Wärme diesen französischen Edelsaft. Welch ein wohliges Feeling. Der Schlaf kommt ziemlich schnell und ziemlich tief. Klasse.

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Maceio

Eine typische brasilianische Stadt – sie stand ursprünglich nicht auf dem Programm, aber unser erster avisierter Hafen sah sich überfordert die Einreiseformalitäten eines ganzen Schiffs zu übernehmen und lehnte uns ab, wir mussten bis Recife weiterfahren. Damit die Gesamthafenzahl der Reise-Etappe stimmt, steuern wir nun ersatzweise Maceio an. Ausflüge haben wir hier nicht nachgebucht und bleiben wiederum an Bord, denn die Stadt ist zweieinhalb Kilometer entfernt und die Artania will bereits mittags wieder ablegen. Wir gehören halt zu der Minderheit der Kreuzfahrtgäste, die die Fahrt genießen, vom Balkon aus das Treiben rundum beobachten und gelernt haben, dass die Menschen überall gleich sind, wenn auch mit anderer Kultur. Pro Tag mindestens einen Ausflug durchzuziehen, ist nicht mein Ding. Wenn ich ein Land wirklich intensiver kennenlernen will, muss ich eine zeitlang dort wohnen – dann erfahre ich (möglicherweise) die Besonderheiten, Eigenarten und evtl. Feinheiten. Ein Ausflug, per Bus, per Taxi oder per Pedes vermittelt allenfalls oberflächliche Eindrücke. Ich präferiere die Busfahrt wegen des Guides, der mir die Reiseführerlektüre erspart, die ohnehin ein sehr kurzes Verfallsdatum aufweist (großes Alter, wenig Speicherkapazität). – Zum Lunch wollen wir ins SB-Restaurant, doch dort empfangen uns Warteschlangen, schnell in den Lift und ins Bedienrestaurant – dort sind viele Plätze frei. Hier dauert es eben spürbar länger, zudem sind die Portionen fremdbestimmt 😀. Das mag nicht jeder. – Ein weiterer Nachteil zeigt sich etwas später, denn sowohl die Crêpes mit Eis am Nachmittag wie auch das philippinische Menü zum Dinner müssen flachfallen. Ein voller Schlauch nimmt nichts mehr auf 🤔😉. – Die Crew-Show am Abend ist professionell gestaltet mit vielen echten Talenten. Bei „My Way“, gesungen von einem rundlichen älteren Herrn, meint man tatsächlich Frankyboy zu hören. Perfekte Darstellung mit durchaus eigenen Akzenten. Bei den Getränken macht sich bei mir jedes Mal ein Hochgefühl breit, wenn ich den pipettenweise in den Cocktail transferierten Alkohol tatsächlich schmecken kann. Kein Wunder, dass der Bierumsatz floriert. Da spüren Zunge und Gaumen sofort, was man hat. Nur bei Cuba libre lässt sich der Rum ebenfalls nicht verleugnen. Ach ja, beim Wein ist es ähnlich – nur der Tischwein hat einen ausgeprägten Schorle-Charakter. Na denn Prost. Es wird sehr spät, doch der Schlaf ist freundlich.

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Recife

Heute möchte ich nach der langen Überfahrt brasilianischen Boden betreten. Mein Kopf sagt ja, mein Kreislauf „NEIN“. Das Landklima trifft mich nach dem Frühstück wie ein Hammer. Ich benötige fast den ganzen Vormittag um mich wieder einzufangen. Irgendwann geht es – aber jetzt anderthalb Kilometer in die Stadt laufen und dann wieder zurück? Eigentlich keine große Strecke, in Mindelo auf den Kapverden war sie ähnlich lang – doch hier? Mir ist das zu unsicher vor allem wenn ich die Innenstadtbesichtigung dazuzähle. In Salvador haben wir einen Ausflug gebucht und da ist der im Notfall rettende Bus immer dabei. Ich hätte noch nicht einmal ansatzweise gedacht, dass mir das hiesige Klima so zu schaffen machen könnte. Aber ich bin zuversichtlich. Auf dem Balkon lasse ich meinen Kreislauf in aller Ruhe seinen Frieden mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit machen. Ein warmer Wind kommt auf, der erfrischt ohne abzukühlen – es ist schon schön hier in Recife. Die Stadt mit ihren vielen Hochhäusern ist eher hässlich, gewinnt in der Nacht aber deutlich an Profil. Beim Ablegen hat sich die Sonne verdrückt und die Skyline strahlt in ihrem künstlichen Glanz. Schon eindrucksvoll. Tschüß Recife! – In der Show-Lounge läuft die Crew-Show für andere Decks, wir sind erst morgen dran. Sozusagen ist heute Generalprobe und morgen die Premiere 😉😇. – Ein Ouzo und ein Riesling beschließen für uns den Abend. Auf dem Schiff ankert der Alkohol viel zu nahe, muss ich konstatieren. Es folgt eine ruhige Nacht in tiefer, fester Ruhe. Klasse. Danke. Toll!

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Erkältungs-Stabwechsel

Heute liegen wir vier Stunden hinter der heimatlichen Zeit zurück. Beim Aufstehen um kurz nach acht, ist es daheim bereits kurz nach zwölf. Ich lasse den Tag in aller Ruhe anlaufen, mache meine Übungen, verspeise mein Croissant und genieße zwei Tassen Kaffee. Pünktlich erscheinen wir zum Vortrag über Ilhéus und Salvador da Bahia (exakt: São Salvador da Bahía de Todos os Santos), also die Stadt des „Heiligen Retters an der Bucht aller Heiligen“. In ersterer wollen wir flanieren und in letzterer haben wir einen Ausflug gebucht. Wir lassen uns einstimmen und sind gespannt auf das, was uns erwartet. – Inzwischen gab es einen Stabwechsel bei der Erkältung: Während nun eine von uns mit deren Symptomen ringt, kann ich mir einen Salatteller im SB-Restaurant gönnen. Das Malaga- und Erdbeereis mit Eierlikörverfeinerung ist auch nicht zu verachten. Nach der Mittagspause schließt sich bei meiner schniefenden Mitreisenden eine andauernde Bettruhe an. Ich verziehe mich auf die Bar am Heck, lese so vor mich hin und schlürfe eine Hopfenkaltschale. Zu zweit wäre es besser aber allein geht auch 😉😇. – Beim Dinner fehlt meine Begleiterin ebenfalls, nun ja, allein speist es sich nicht ganz so gut. Das Show-Programm fällt aus, weil die Sängerin ihre Stimme irgendwo in der Klimaanlage (oder durch dieselbe?) verloren hat. Angesichts der erwartbaren Massen, die sich dadurch auf die Bars ergießen könnten, genieße ich lieber ein kleines Fläschchen vergorenen Traubensaftes auf der Kabine. Dennoch (oder gerade deshalb?) wird es sehr, sehr spät. Ach ja, auf dem Balkon entdecke ich von Ferne eine Küstenlandschaft. Wir haben die Überquerung gut überstanden und der Atlantik war sehr, sehr, sehr brav. Merci vielmals.

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Ereignisreicher Seetag

Ich habe es zum 9-Uhr-Gottesdienst geschafft! Toll! Die Pastorin macht ihre Sache gut, begleitet von einer professionellen Klarinettenspielerin und unserem Bordpianisten. Ich bin sehr angetan und von der Predigt angesprochen. Das Aufstehen hat sich echt gelohnt. – Dann frühstücke ich ausnahmsweise Rührei, Schinken und Würstchen und bin den ganzen Tag über voll satt. Das habe ich nun davon. – Der Lektor präsentiert uns etwas später wichtige Infos über Brasilien, speziell über Recife, einem kleinen Hafenörtchen der prächtigen Olinda („Die Schöne“), die vom Hügel auf das Nest stolz herabsah. Heute haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Recife ist die Millionenstadt und Olinda ein Stadtteil derselben – aber ein sehr schöner, sagt der Lektor. – Gleich im Anschluss versuche ich die Äquatortaufe aufs Bild zu bannen. Mit Neptun habe ich es nicht so aber der Gag ist natürlich bei einer entsprechenden Kreuzfahrt unvermeidbar. Neptun mit dem Weihnachtsmannbart (Recycling im Tourismusbusiness) kommt auf Deck 9, hat Astronomicus seinen Astrologen dabei und ein Deck tiefer nimmt deren Crew am Pool Aufstellung. Ein paar deftige Worte später, der Kapitän überreicht seinen Bestechungsschnaps, soll die skurrile Aktion beginnen. Doch inzwischen fordert bei mir die Sonne ihren Tribut massiv ein und bevor ich schlappmache fliehe ich lieber ins Klimatisierte. So entgehen mir Fotos fischküssender, Wodka-und-Wasser-in-den-Mund-gespritzter, bemalter und in vollen Klamotten in den Pool geworfener Touristen – dafür beruhigt sich mein Kreislauf spürbar. Auch nicht zu verachten 😀. – Während meine agile Mitreisende irgendwas mit Servietten anstellt, genieße ich derweil einen Pharisäer in Harrys Bar. Ich will in aller Ruhe Karten spielen, da setzt sich eine ältere Dame zu mir und bald beginnt die Plauderei. Bei Phoenix ist das so. Anscheinend ist sie eine reiselustige, kreuzfahrtsüchtige, wohlbetuchte Lady, die große Nöte damit hat ihr Vermögen zu reduzieren. Sie müht sich redlich, sagt sie. Nachdem ich einen Teil ihres Lebenslaufs erfahren habe, Berichten über exklusive Schiffsreisen mit vermögenden Freunden/Gatten freundlichst gelauscht habe, erlöst mich meine Allerliebste von diesem Redefluss. Dennoch ich liebe diese ungezwungene Zugänglichkeit fast aller Mitreisenden. – Abends zündet Martin Herrmann mit seinem „wissenschaftlichen“ Vortrag Lachsalven in der Atlantik-Show-Lounge. Köstlich und ein prima Tagesabschluss. Leider hat die Erkältung nun meine Zimmergenossin erwischt. Die Arme 😢☹️! Dennoch ist es draußen so warm, dass wir noch einige Zeit auf dem Balkon verbringen können, ehe das Rufen des Nachtlagers erhört wird. Starker Tag auf See.

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Ein langer Bordtag

Es geht nicht nur auf dem Ozean voran. Ich fühle mich deutlich besser. So lausche ich wieder dem Vortrag über Brasilien, die ausgeprägte Groß- und Kleinkriminalität kombiniert mit einer niedrigen Aufklärungsrate. Das Rezept ist einfach: bezahle die Polizisten extrem mies und schon steigt der Gewinn der Clans, die Razzien bleiben weitgehend erfolglos und etlichen Ordnungskräften ist finanziell geholfen. So sollten alle Wertsachen an Bord bleiben und ja nicht offensichtlich am Körper baumeln. Gut zu wissen. – Gegen Mittag bummeln wir zu einem mediterranen Imbiss mit Austern, Krabbencocktails und mancherlei fischigen Leckerbissen. Ein Gratis-Korn wird gereicht – diese Art von Schnaps ist wahrhaftig nicht mein Ding. Selbstverständlich ersetzt dieser „Imbiss“ für uns das reguläre Mittagsmahl und wir retirieren gleich zur einem Verdauungsnickerchen. Im Anschluss kann ich endlich Wellen und Meer genießen. Ist das schön, das Klatschen wenn sich der stählerne Körper der Artania die Wellen spaltet, das Glitzern und Blitzen in der immerwährenden Bewegung der Wellen – ach ist das schön, nur ein wenig zu heiß. Brutale Hitze und hundertprozentige Luftfeuchtigkeit sind eine fatale Kombination. Ob ich hier unsere Kühle ein wenig mehr schätzen lernen sollte? Wer weiß? – Vor dem Dinner gibt es einen Empfang für die Gäste im Silber- und Goldservice. Kreuzfahrtdirektor, Kapitän, Hoteldirektor und die Servicetante erzählen Schwänke aus ihrem Berufsleben – eine unterhaltsame Veranstaltung. Wir essen gleich danach mal wieder in einem Restaurant. Die Gänge ziehen sich und man muss essen was auf den Tisch kommt – nur dass das hier unten die Küche bestimmt und oben im SB man das selber tun darf. Nun ja. Meine Showbegeisterte zieht es wieder in die Atlantik-Show-Lounge während ich etwas später Harrys Bar präferiere. Diesmal die schlechtere Wahl, denn die Show soll toll gewesen sein. Man kann halt nicht immer gewinnen 🤔😉. Kurz nach elf Uhr leert sich die Bar auffällig – Zubettgehzeit für die älteren Herrschaften auf unserem Senioren-Liner. So schließen wir uns an. Der Schlaf will heute nicht so recht, war wohl kein optimaler Getränkemix 😀😇. Aber wir haben morgen ja frei 😂.

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Wasser rundum

Wir fahren aufs schier endlose Meer hinaus, Wasser rundum, Land weit weg. Gott sei Dank, von Herzen Dank, zeigt sich der Atlantik von seiner freundlichsten Seite, kaum Seegang und wir gleiten, fast könnte man meinen, wir schweben dahin. Alles gut? Leider nicht, denn der lange Aufenthalt im Freien hat meiner Erkältung großen Auftrieb verliehen. Ich raffe mich zwar auf, vertilge ein Croissant, dazu Kaffee und absolviere eine reduzierte Variante meiner Rückenmotivationsübungen. In der Pazifik Lounge vervollständige ich mein Tagebuch, muss aber abbrechen und erst einmal in die Horizontale wechseln. Außer Lunch und Dinner kann ich den Tag eher abhaken, denn der beste Platz ist heute mein Kabinenbett. Nicht schön, aber unabänderlichkeitsbar. Seufz. Mein Hochgesunde absolviert dagegen ein munteres Tages- und Abendprogramm, ein paar „Goldkörnchen“ aus dem umfangreichen Angebot. Es sei ihr von Herzen gegönnt. Das Liegen tut mir gut und ich schlafe ein, nur ein kleiner Hoffnungsschimmer blinkt mit Blick auf den morgigen Tag auf. Ich möchte mal so richtig entspannt auf dem Balkon sitzen, auf die Weite des Ozeans schauen, dem Wellenrauschen lauschen und der Ruhe pflegen. Lass die Welt toben uns springen während ich, kleiner Wurm, das vielfältig bewegten Antlitz des Ozeans auf mich wirken lasse. Morgen vielleicht. Heute: Gute Nacht. Es wird eine sehr lange Nacht, denn die Uhr wandert wieder eine Stunde zurück. Morgen stehen wir auf, wenn die Deutschen Mittag essen. So eine Schifffahrt gleicht das Zeitniveau gemütlich und menschenfreundlich aus. Perfekt.

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Praia

Um sieben Uhr morgens (!!!) heißt es sich abmarschbereit zu machen. Um acht Uhr fünfzehn werden die Kleinbusmitfahrer zusammengestellt und es geht gruppenweise vom Schiff in die größtenteils recht betagten Gefährte. Immerhin sitzt man ganz ordentlich und der Driver fährt sehr rücksichtsvoll. Die Kapverden entwickeln sich enorm. Die Hauptverkehrsadern sind alle asphaltiert und in gutem Zustand. Dafür helfen stark die Chinesen, die viel Geld in Afrika investieren. Der EU ist, meiner bescheidenen Meinung nach, ihr moralischer Zeigefinger demgegenüber arg im Weg. So prescht die chinesische Sprache als attraktive Fremdsprache spürbar nach vorn, sagt unser Guide. Wir sehen ärmlichste Behausungen und Prachtvillen fast nebeneinander liegend. Ich lerne, dass ein paar Eimer Farbe ein hässliches Gemäuer ruckzuck in ein ansehnliches Domizil verwandeln können. Offensichtlich fahren wir alle sehr stark auf Äußerlichkeiten ab. 😉😀. Die Landschaft ist beeindruckend, steil aufragende Lavafelsen mit bizarren Abbruchkanten, tiefe Täler dazwischen und überall an den Hängen kleben Wohnhäuser, Bauernhöfe und undefinierbare Steinkonstruktionen 🤔 (Ställe, Scheunen, Unterstände?). Faszinierend. Von der Urtümlichkeit her erinnern mich die Kapverden an das Griechenland der sechziger/siebziger Jahre – und natürlich, ganz stark, an die Karibik. Ähnlichkeiten sind unverkennbar. Wir bewundern einen fünf- oder sechshundert Jahre alten Baum, ein mächtiger Geselle. Ich forsche da nicht weiter nach – was sind schon hundert Jahre😀? Der Weg zum Baum über serpentinenreiche, enge, steile Wegstrecken mit abgefahrenem Basaltpflaster ist abenteuerlich. Nur gut, dass unser Driver zahllose Querrillen und sonstige Absenkungen in der Pflasterung äußerst vorsichtig bewältigt. Mein Rücken spricht ihm dafür seine tiefempfundene Dankbarkeit aus! Eine ähnliche Stoßdämpferprüfungsstrecke führt zu einem Aussichtspunkt auf den höchstens Inselgipfel empor. Nicht ganz 1.400 Meter über dem Meeresspiegel erhebt sich dessen wolkenumkränzter Gipfel. Wir erhalten als „Lohn“ für die spannende Auffahrt ein Getränk unserer Wahl in einem Hotel gegenüber des Wipfels. Am Rande bemerkt, wenn sich rund 400 Kreuzfahrttouris in Kleinbussen mit jeweils 16 bis 20 Personen zu den gleichen Zielen auf den Weg machen, hat das allein schon Erlebnischarakter. Auf den weitgehend knapp über busbreiten Wegen begegnet man sich, die wenigen Parkplätze sind zugeparkt und die Busse müssen kunstvoll entwirrt werden. Und dann fehlen auch noch ab und an ein oder zwei Touris, deren Fotosession länger dauert. Starke Sache. Bis auf ein oder zwei auf steilen Pfaden gestürzte Mitreisende kommen wir gut wieder an Bord an. Sogar mit dem Lunch hat man auf uns gewartet. Service pur. – Gegen 18 Uhr legen wir ab und beginnen die Überquerung des Atlantiks, auf Brasilien zu, mitten hinein in die schier endlose Weite. – Unser Show-Ensemble holt die Flower-Power-Generation zurück auf die Bühne, an der Phoenixbar flower-powert es weiter bis schließlich das Silvesterfeuerwerk auf hoher See abgebrannt wird. Unsere zweite Silvesterfeier. Dann ist das so. Wir schauen dem Trubel diesmal noch lange auf Deck 5 bei leichter Brise und frischem Riesling zu. Meine Erkältung schöpft dabei neue Kraft. Immerhin tut der Schlaf dann was er kann. Ein prächtiger Tag.

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