Tourentag

Ein Blick auf die Uhr: kurz nach sieben. Wunderbar, dann kann ich ja noch mauscheln. Ein zweiter Blick, wenig später: acht Uhr zweiundvierzig. Ab neun will unser Bewachungsspezialist vorbeischauen. Raus aus den Federn, Katzenwäsche, anziehen und in Bereitschaft auf seine Ankunft harren. Er erhält einen Hausschlüssel, ein paar Regularien sind abzusprechen und im Urlaub wird er permanent ein Auge auf unser Haus samt Alarmanlage haben. Gut zu wissen, wenn auch der wahre Schutz in Gottes Händen bestens ruht. – Kaum lehne ich mich geruhsam zurück meldet ein Freund unerwarteten Chauffeursbedarf an. Kein Problem. Eine gute Stunde später halten wir dann Andacht, ich turne ein bisschen auf der Matte herum und höre dabei einem historischen Vortrag über unsere katholischen Geschwister zu. Am Nachmittag führt uns eine weitere Tour zum Physiotherapeuten um eine gestempelte Kopie seiner Rechnung zu erbitten. Nach einem Umweg über Bahrdorf steuern wir zwei Läden an, halten schließlich bei unserer Postagentur und sind dann endlich wieder daheim. Inzwischen hat Tiger einen kräftigen Stromhunger entwickelt, den es zu stillen gilt. – Abends sehe ich voller Erstaunen eine mir unbekannte Barnaby-Folge über den Bildschirm flimmern. Ist das wirklich wahr? Die zweite ist mir dann doch wieder bekannt. Es wird spät, der Schlaf lässt sich Zeit, kommt dann aber recht ordentlich zum Zuge. Nicht schlecht.

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Ermahnungserlahmung

Trotz Müdigkeit verlasse ich relativ früh (für meine Verhältnisse) die Federn und mache mich fit für den Sonntag. Nun noch frühstücken und ab geht es zu unserer Gemeinde. Der Gottesdienst ist ansprechend gestaltet, die Predigt inhaltsreich und die Plaudereien nach dem Segen wechselhaft anregend. So soll es sein. – Dem Lunch folgt eine ausgiebige Mittagsruhe sowie ein besinnlicher Nachmittag. Endlich mal eine echte Lehrpredigt aus Bremen, das gefällt mir ausnehmend gut. So inhaltsreich die Predigten sonst auch immer sind nervt es doch, wenn zum X-ten Mal dazu aufgefordert wird den Nachbarn gefälligst ein Bekehrungsgespräch aufzudrängen, wenn auch in netter Form. Wer es nach der zehnten Ermahnung nicht getan hat, wird seine Gründe haben, da bringt eine elfte, zwölfte, zweiundzwanzigste … auch nichts mehr. Aber dieselben gehören nun einmal zum urpietistischen Inhalt, sie müssen wohl sein. Dann ist das so und ändert nichts daran, dass ich seine Predigten gern mit großer Freude höre und dabei viel lerne. Gut, dass es ‚Olli‘ gibt. – Der Münster-Tatort ist nicht schlecht gemacht, der Plot wie üblich etwas weit hergeholt, die Dialoge kommen zuhörenswert daher, nur der Schluss hätte durchaus ein klein wenig einfallsreicher ausfallen können. Den restlichen Abend verbringe ich lesenderweise. Es wird spät. Der Schlaf mault rum, agiert lahm und oberflächlich – ist wohl nicht gut drauf der Gute. Oder fährt ihm der recht spät genossene Ostfriesentee in die Parade? Wer weiß das schon?

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Vorfreude

Wie kann man nur nach einer ziemlich tiefen und intensiven Nachtruhe so zerschlagen und übermüdet aufwachen? Keine Ahnung wie ich das hinbekommen habe. Nur langsam finde ich mich in den Tag hinein. Eine Außenkamera fordert neuen Saft ein und so geht es raus in die Kälte. Ich erinnere mich an eine Szene vor etlichen Jahrzehnten: im Hochsommer waren wir zu Besuch bei Verwandten, schauten bei ihren sehr alt gewordenen Eltern vorbei und beide saßen bei strahlendem Sonnenschein in Wintermänteln auf einer Bank, während wir vor Hitze fast vergingen. Bin ich auch bereits auf diesem Weg – es scheint fast so. Egal, ich schraube die Kamera ab, nehme sie mit ins Warme und schließe sie am Ladegerät an. Jetzt nur noch warten und alles retour. – Neue Updates für iPad & Co. warten auf ihre Installation, die wieder einmal völlig unproblematisch vonstatten geht. Es gibt mancherlei Neuerungen – leider keine für mich nützliche. Dann ist das so. – Die Vorfreude auf unsere Reise nimmt zu, ich wärme sie über das „natürliche“ Wachstum hinaus noch ein wenig auf mit gezielt gewählten Videos über unser Kähnchen samt aktuellem Programm und heutiger Speisekarte 😉. Da wartet was Gutes auf uns! Hoffentlich bleibe ich gelassen, denn beim Einschiffen war ich bisher ein extrem nervöses Handtuch. Seufz. – Das Kaminfeuer ziert sich anfangs ziemlich stark, entwickelt dann aber schöne Flammen und angenehme Wärme bei ein bisschen müffelndem Verbreunnungsmief. Kein Feuer ohne Rauch. Der Schlaf gibt sich durchwachsen.

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Nur die Ruhe – eile mit Weile

Die Autowerkstatt verkauft Gutscheine. Das klingt beim ersten Hören seltsam, doch wer nachfragt lernt, dass man für 50 Euro Cash 75 Euro als Gutschein erhält, bei 100 Euro Cash sogar 150 Mäuse für Service und dergleichen. Nette geldbeutelschonende Aktion, die meine finanziell aufmerksame Automitleaserin sehr gerne wahrnimmt, was mir natürlich gefällt. Ich, armer Wicht, schließe nach der Morgenroutine einschließlich turnerischen Verrenkungen unsere Ablage ab und suche alle gesundheitsrelevanten Rechnungen zwecks Erstattung wieder heraus. Welche davon die Versicherung und die Beihilfe in welcher Höhe jeweils übernehmen wird, steht in den unendlich detaillierten Gesetzen und Verordnungen bzw. den Versicherungsbedingungen. Ich lasse es auf mich zukommen und bin gespannt auf das monetär wirksame Ergebnis. Die Versicherung wird schnell überweisen und die Beihilfestelle irgendwann wenn das neue Jahr schon erste Alterungserscheinungen zeigt😉, vermute ich😀. – Am Nachmittag besuchen wir Schwester und Schwager und reisen auf Umwegen an, denn die Hauptstrecke ist seit Monaten gesperrt. Die Zeit, die das Straßenbauamt für eine kurze Wegstrecke benötigt würde in China für den Bau einer mehrspurigen Stadtautobahn reichen. So sind unsere deutschen Behörden eben: gut Ding will Weile haben. Sehr viel Weile 😩. Außerdem unterscheidet sich die Eile von der Weile nur durch einen einzigen Buchstaben. – Freude macht dagegen die fortschreitende Genesung meines Schwagers und das freundliche Miteinander bei Kaffee und Kuchenkeksen. – Im Dunkeln geht es durch die waldgesäumten Ausweichstrecken heimwärts – dankenswerterweise begegnen wir weder Hirsch noch Reh noch Wildschwein. – Einem gemütlichen Abend am Kamin folgt eine relativ tiefe, traumreiche Nachtruhe samt den üblichen Unterbrechungen. Dann ist das so.

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Schmerzhafte Therapie und ein bockiger Hefter

Ein Physiotherapietag nimmt seinen Lauf. Heute lerne ich den Bumerang kennen. Ein nicht gerade freudenreiches Instrument, das mich fast von der Liege reißt. Wow, ist das erfrischend, wenn der Schmerz nachlässt und, wow, da kommt schon wieder der nächste. Aber es soll helfen, leider nicht stante pede. Abwarten ist angesagt. Heute empfange ich meine letzte Anwendung und eine fette (aber angemessene) Rechnung als Dreingabe. Ob Beihilfe und/oder Krankenversicherung mir eine Erstattung zugestehen – keine Ahnung. Abwarten und sich überraschen lassen🤔. – Die Mittagspause entfällt diesmal, denn ein Freund erwartet meine Chauffeursdienste zu seiner Therapie. Irgendwie hat es was für sich, wenn man draußen sitzt und nicht drinnen malträtiert wird 😀😇. – Wieder zu Hause verlangt die Ablage ihr Recht und so komme ich dieser unerquicklichen Aufgabe nach. Zwischendurch verschießt die Heftzange ihre letzte Klammer und lehnt konsequent jegliche Nachmunitionierung ab. Ob sie nur mit Spezialklammern arbeitswillig ist? Okay, Versuch macht kluch, dann komme ich eben ihren Exklusivwünschen in der Hoffnung auf Akzeptanz ihrer maßgepressten Utensilien nach. Wehe nicht! – Am Abend trifft sich unser Rotweinhauskreis, der für mich heute völlig alkoholfrei bleibt. Das muss auch mal sein. Unseren gewählten Text aus dem Jesajabuch kann ich einfach nicht in den Gesamtzusammenhang einordnen bis mir unser Experte die Augen öffnet. So ist das also 😀! Aber dazu ist ja ein Hauskreis da, um gemeinsam Klarheit zu schaffen oder zu gewinnen – je nachdem. Danke. Im Plauderteil wird es wieder spät und so führt mein Pfad, zu Hause angekommen, angemessen schnell ins Seniorenbett. Der Schlaf macht einen tollen Job. Sollte das zur Gewohnheit werden? Wäre echt klasse!

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Ablage und Enten

Der Morgenroutine folgt die Ablage und selbige beschäftigt mich bis in den frühen Abend. Ich mag sie nicht, lasse Rechnungen & Co im Ablagefach so lange wie irgend vertretbar liegen und wundere mich dann über das Volumen. Vermutlich würde ich sie sogar noch viel länger vor sich hin rotten lassen, wenn nicht innerhalb eines Jahres die Rechnungen von Ärzten, Apotheken usw. zwecks Erstattung einzureichen wären. Der drohende Terminablauf bringt mich dann allerspätestens auf Trab. – Am frühen Abend begeben wir uns mit Freunden zum Hackepeter um ‚Ente satt‘ zu genießen. Zum Glück haben wir einen Tisch reserviert, denn der Laden ist gerammelt voll. Das erklärt sich leicht durch die Qualität der servierten Entenschenkel- und -brüste samt Rotkohl, Kroketten, Kartoffelklößen und Sauce. Ach, die schmackhafte Vorsuppe sollte ich wohl keinesfalls vergessen. Schwer genudelt verlassen wir zwei Stunden später die Lokalität. Eine wunderbare Idee hat sich, Simsalabim, in ein wohlschmeckendes Menü verwandelt. Zauberei ist es dennoch nicht, schon eher eine wirkungsvolle Girokontenplünderung. – Daheim hilft Hochprozentiges bei der Verdauung – ob in echt oder in Einbildung ist mir dabei Wurscht – Hauptsache es (was und wie auch immer) bewirkt Erleichterung beim körperinternen Verwertungsprozess 😀😉. Auf seltsame Weise wird es plötzlich doch wieder spät aber der Schlaf ist voll bei der Sache. Klasse.

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Ablagestart und ein Beziehungsfinale

Die Dusche schafft es tatsächlich den letzten Schlaf aus meinem schlaffen Körper zu vertreiben. Heute bin ich dran, Johann wartet schon auf mich und plant eine ebenso hilfreiche wie quälende Attacke auf den Schmerzpunkt im unteren Rücken. Die anstrengende Session eines Delfins (sieht aus wie ein Schuhlöffel) mit besagtem Körperteil zaubert mittlere Verzerrungen auf mein Antlitz, die glücklicherweise unsichtbar bleiben, weil mein Gesicht sich leicht krampfhaft auf das Guckloch des Behandlungstisches presst. Tolles Gefühl wenn der Schmerz nachlässt. Aber auch das geht vorüber. Heute sehne ich mich förmlich nach meinem Mittagsschlaf. Puh. – Am Nachmittag setze ich die Qual fort indem ich mir die Ablage antue. So eine Mistjob geht immer mit dem Sortieren los bis die einen Blätter wohlsortiert im Ablagekorb landen, weitere im Schredder und die übrigen in diversen nur für Spezialfälle reservierte Ordner verschwinden. Gegen Abend muss ich mich der Tatsache stellen, dass auch morgen und evtl. übermorgen Ablagefüllsel meiner harren. Seufz. – Gerade noch rechtzeitig finde ich den Absprung zu Bibel und Brot in meiner Gemeinde. Angesichts der Adventszeit ist das Brot durch Kuchen ersetzt und das ansonsten übliche Wasser durch Tee. Ein wenig Sodbrennen untermalt mir später diese festbedingte Korrektur. Der Austausch ist lebhaft, erkenntnisreich und vielfältig. Was will man mehr? – Wieder daheim gedenken wir unseres ersten gemeinsamen Treffens vor 46 Jahren. Damals war ich noch arg jung und frisch. That’s live. Isso. – Ein Verwandter stimmt uns sehr traurig mit der Info über die Auflösung seiner Verlobung. Dabei haben die zwei so gut zusammen gepasst. Aber offensichtlich wohl doch nicht. Schade. Seufz. Es wird normal spät und der Schlaf beschenkt uns mit Tiefe und Feste allerdings zu seiner Zeit. Dann ist das so.

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Diktatorsturz, Schleusentorcrash und der Tod eines Preppers

Mit einem herzhaften Frühstück verabschieden wir uns von unserem Gast, der uns jederzeit herzlich willkommen ist. – Gegen Mittag spiele ich Chauffeur für einen Freund, der nach einer OP zur Physiotherapie muss. Das ist für mich ein feiner Job, so schön durch die Gegend zu juckeln und während der Wartezeit zu lesen oder zu surfen (im Internet natürlich 😀). – Nach der Mittagspause stimme ich mich ein wenig auf die anstehende Reise ein sowie auf die hoffentlich in deutlich höheren Regionen angesiedelten Außentemperaturen. Das wird gemütlich. – Meine Abendandacht im Salon intensiviert viel stärker als ich dachte die gefühlte Nähe zu Gott wie auch meine höchsteigene Gebetsstimmung. Das ist schwer zu beschreiben aber deutlich zu spüren. Faszinierend. – In den Abendnachrichten beschäftigt mich die Lage in Syrien, ich würde den Menschen dort, wie auch den Flüchtlingen hier, wünschen, dass sich eine menschenfreundlichere Regierung etabliert und nicht etwa „der Regen durch die Traufe“ ersetzt wird. – Weiterhin packt es mich, dass die Zufahrt zur Mosel durch ein demoliertes Schleusentor für Monate nicht mehr möglich sein wird. Dorthin sollte unsere ursprünglich geplante Reise gehen – danke lieber HERR, dass wir umbuchen konnten und es taten. – Den Abend schließt der gute neue Barnaby ab mit einem Fall im Esoterik-Milieu und einem weiteren im Prepper-Umfeld – ein Weltvernichtungsangstfreak findet sein unnatürliches Ende just in dem Bunker, den er für seine Rettung gebuddelt hatte. Ideenreiche Drehbuchautoren, eben. Es wird normal spät aber die Nachtruhe macht sich rar. Seufz.

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