Himmelfahrt

Heute soll Mutti im Freiluftgottesdienst der Markuskirche in Reislingen „verlesen“ werden. Der Gottesdienst beginnt langschläferfreundlich um 11 Uhr. Bereits eine halbe Stunde früher sind wir vor Ort. Der Rasen vor der Kirche ist bestuhlt und das frühzeitige Erscheinen sichert uns Plätze im Viertelschatten. Es kommen erstaunlich viele Menschen zusammen, weitere Stühle und Bänke müssen herbeigeschafft werden. Das freut mich sehr. Es wird eine feine Himmelfahrtsfeier, die Predigt ist im Landeskirchensinn recht gut, theologisch zwar eher an der Oberfläche entlanghuschend, aber für das Miteinander ermutigend. Ich fühle mich sehr wohl hier. Für Mutti wird eine Kerze entzündet – welch eine nette freundliche Geste. Im Anschluss wird Suppe gereicht, mir mundet die ‚After-Work-Suppe‘ hervorragend. Ob es daran liegt, dass ich dauerhaft die Arbeit hinter mir gelassen habe😉😇? – Den Nachmittag verbringe ich in der Lounge bis es mir zu frisch wird. Ja, leichte Sommergefühle sind durchaus zu verspüren. Dann hören wir noch die Predigt aus Bremen, die ein werdender Prädikant hält. Am Abendprogramm ändert sich nichts, das ist nicht sehr verwunderlich bei zwei eher häuslichen Typen wie uns. Allerdings wächst so stetig die Lust aufs Reisen. Es wird leicht spät und der Schlaf kommt zu mir mächtig gewaltig. Toll!

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Blutsaugende Insektenschwärme

Wir schlafen neuerdings erschreckend weit in den Tag hinein. Die Vormittage sind deshalb ziemlich kurz. Wenn ich das Zeitungsstudium und die Andacht abziehe, bleiben nur noch wenige Minuten bis zur frühen Mittagszeit. Das ist sehr bedenklich. – Im Laufe des Tages begebe ich mich endlich mal wieder nach draußen, um Mr. Shorty zu reinigen und ihm einen freien Feiertag zu spendieren. Kaum sitze ich vor der Tür, habe Shorty auf dem Schoss, die Bürste gezückt, schon sind sie da: die Riesenmücken. Erstaunlich schnell und überraschend viele. Autan stört sie überhaupt nicht, ich höre sie fast darüber lachen. Sie durchstechen meine Jogginghose völlig problemlos, der Tod einiger Artgenossen interessiert sie wenig. So fällt die Reinigung Shortys recht oberflächlich aus, fix noch den Donnerstag als arbeitsfrei markieren und ab ins rettende Haus. Diese Blutsaugebiester sind ja fürchterlich lästig. Segensreich erweisen sich die zahlreichen Insektenschutzfenster an unserem Heim. So bleibt als Zufluchtsort draußen nur unser gazegeschützter Sitzplatz in der Lounge. Das Netz wird zwar von den Blutgierigen belagert aber sie kommen nicht rein – und wenn doch spiele ich Tennis mit ihnen, da kenne ich nichts. – Der Abend zeichnet sich nur durch die übliche Routine aus, heute steht das Lesen erneut auf dem Programm. Wieder wird es spät, diesmal ist der Schlaf gnädig.

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Bibel und Brot

Diesmal wird es morgens spät. Sehr spät. So eine Nacht hat Folgen für Pensionisten, was anfangs an Schlaf fehlt muss halt ans Ende verlagert werden 😀. Nach Andacht und Zeitung sind wir so fast in der Mittagszeit gelandet. Mein Physiotherapeut wartet bereits um zwei auf mich und so bleibt keine Zeit für eine Mittagsruhe, die heute für mich bei dem langen Ausschlafen durchaus entbehrlich ist. So wird an mir herumgezerrt, gedrückt und gestreckt – ob es wirklich hilft, wer weiß das schon, die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber hoffentlich überlebt sie doch. – Daheim kann ich noch ein paar Kleinigkeiten erledigen und schon geht es wieder in meine Gemeinde zu Bibel und Brot. Das Brot ist lecker, die Kräuterbutter auch – allerdings protestiert mein Magen stante pede gegen die Fettzufuhr. Das Bibelgespräch über die letzte Bitte des Vaterunsers gestaltet sich lebhaft mit interessanten Aspekten. – Zu Hause erheitert mich der Mord mit Aussicht mit grenzwertigem Humor, mit mancherlei Grenzüberschreitungen zur Albernheit. Aber es bleibt natürlich die Option den Ton zu reduzieren oder ganz abzuschalten. – Ein Krimi, handelnd auf der Insel Föhr, fesselt mich später ein wenig, schön soft, nett geschrieben und vollkommen anspruchslos, so wie ich es mag. Es wird wieder spät und der Schlaf zieht sich beleidigt zurück und kommt erst nach langer Zeit aus seiner Schmollecke. Dann ist das so.

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Führungszeugnis für Apostel

Dankbar blicke ich auf den gestrigen Abend zurück. Gott hat es gut gemacht. Heute muss ich mich erst einmal in aller Ruhe „herunterfahren“, die herumschwirrenden Gedanken einfangen und „auf Kurs“ bringen 😉. Daneben kommt die wöchentliche Finanzplanung zu ihrem Recht und meine Energieerntebuchhaltung schreibe ich fort. Die Mittagspause fällt wieder einmal erstaunlich lang aus und ist sehr intensiv. – Am Abend gibt es einen Gemeindetermin. Wir diskutieren über die Vertretung gemeindlicher Interessen im überörtlichen Gemeinschaftsverband. Ganz nebenbei kommt die Frage auf, ob unser Kassierer auch unsere Buchführung erledigen muss. Muss er, meiner Meinung nach, natürlich nicht, nur ein ‚Finanzminister‘ im Vorstand wäre mir wichtig. Irgendwie, wir kommen vom Hölzchen aufs Stöckchen, klingt es durch als würde die Frage im Raum stehen ob künftig für alle Mitarbeiter Führungszeugnisse nötig seien. Ich kann mir das nicht vorstellen, denn der engste Mitarbeiterkreis von Jesus hätte diesen „Test“ nicht bestanden: Zöllner und Sünder. Matthäus als Ex-Zöllner hätte nicht mitarbeiten dürfen und höchstwahrscheinlich auch sein Evangelium nie geschrieben. Paulus als Verfolger der Gemeinde wäre unter diesen Umständen jegliche Mitarbeit versagt 😉😇🤔 geblieben. Es bleibt spannend und ich bin gespannt. – Daheim schaue ich gelangweilt mit einem Auge Barnaby bei altbekannten Fällen zu und spiele Solitaire oder lese ein wenig nebenbei. Es wird relativ spät und der Schlaf agiert äußerst lustlos. Eine durchwachsene Nacht.

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Rogate

Der Tag ist da. Leider fällt die Studierstube mangels Beteiligung aus. Das ist superschade. Den Gottesdienst aus Bremen höre ich nicht, weil dem derselbe Predigttext zugrunde liegt. Das könnte mich verwirren. Stattdessen lausche ich einem Vortrag über die Entstehung des arbeitsfreien Sonntags mit verblüffenden Fakten. Stark. – Nachmittag lamentiere ich noch ein wenig herum bis es so weit ist und wir uns auf den Weg machen. Aller Aufgeregtheit zum Trotz kann ich die Predigt erstaunlich ruhig und gelassen vortragen. Es macht mir sogar viel Freude. Gott ist bei mir. Danke!!! Sie dauert 25 Minuten mithin spreche ich auch nicht zu schnell. Danke!!! Der Berg ist weg, der Sturm vorbei, die Schlachten geschlagen. Gott sei Dank!!!! – Abends gönnen wir uns ein Gläschen vergorenen Traubensaftes und gebrannter alter Birne. Danke, für diese guten Gaben, die in Maßen genossen sehr wohltuend und entspannend sind. Es wird normalspät und der Schlaf tut was er soll. Ein schöner Tag.

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Ruhe zwischen den Stürmen

Die Ruhe zwischen den Stürmen bestimmt den heutigen Tag. Gestern war Beerdigung und morgen ist Predigt, heute ist Recycling angesagt😉😇. Außerdem arbeite ich an der Präsentation meiner Predigt. Zugegeben, dieses Thema beschäftigt mich über die Maßen aber für mich ist das halt etwas Besonderes. Eins weiß ich, ich werde nicht wie üblich im Stehen predigen. Das regt mich zu sehr auf, ich kann mein MacBook mit dem Manuskript nur schlecht bedienen und es passt nicht zu meinem Predigtstil – mithin geht das gar nicht! Ich werde, so ungewöhnlich das auch sein mag, im Sitzen predigen – so bin ich eben. Daraus entsteht die Stuhl- und die Tischfrage😀. Beim Test schneidet mein Campingsessel am besten ab, nur der gut sichtbare Aufdruck „KingCamp“ scheint mir ziemlich unangemessen. Doch, wie von Gott vorbereitet, fällt mir eine Decke mit der Internetadresse meiner Gemeinde ins Auge. Die Decke sieht dezent aus, passt bestens und verdeckt alles Campingartige. Perfekt. Als Tischchen scheint mir mein vielseitig höhenverstellbarer Projektionstisch angemessen. Ich kann im Sitzen meine rechte Hand auf dem MacBook zum Scrollen platzieren. Jetzt noch ein Probedurchlauf und alles ist gut. – Währenddessen vertikutiert meine Gartenerbarmerin den Rasen, längs und quer. – Übrigens wäre meine Mum heute 99 Jahre alt geworden, die Erinnerung an ihr Leben und Leiden, an die gestrige Beerdigung drängt sich wieder ins Bewusstsein. Seufz. – Der Abend verläuft wie immer, nur in einer etwas höheren Anspannung bei mir. Irgendwann kommt auch der Schlaf zu seinem Recht.

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Beerdigung

Ausschlafen, aufstehen und frühstücken – an so einem Tag präferiere ich ein belegtes Brötchen statt des üblichen trockenen Knäckebrots. Das muss sein! Ich treffe die letztgültige Entscheidung bezüglich meiner Garderobe. Ein kleiner Glücksfall ist dabei mein neues Sakko – manchmal passt manches ungeplant gut. Schwager und Schwägerin treffen ein, wir plaudern ein wenig und begeben uns dann auf die Fahrt zum Friedhof. Das Wetter ist uns freundlich gesinnt, außerdem sind für uns noch die letzten zwei Parkplätze in der Seitenstraße frei. Etliche Trauergäste sind nämlich trotz der frühen Zeit schon da. Die Trauergemeinde ist nicht zu groß und nicht zu klein, wir begrüßen einander – leider sieht man sich oft nur zu solchen Ereignissen. Schade. Ich nutze die Zeit, um von Mutti in der Kapelle allein und in Ruhe Abschied zu nehmen – das warme Wetter hält die Gäste draußen fest. Das ist für mich sehr passend. Die Pastorin findet die richtigen Worte, obwohl sie Mutti ja überhaupt nicht kannte. Ich staune wie selbstverständlich unsere Geistlichkeit davon ausgeht, dass jeder Getaufte in den Himmel kommt, was in der Bibel bekanntlich deutlich anders beschrieben ist. Gott sei Dank muss ich das nicht entscheiden, Jesus allein urteilt darüber und das ist sehr gut so! Die Urnenbeisetzung macht es mir schwer, ich habe da meine gefühlsmäßigen Schwierigkeiten mir den geliebten Menschen in so einem winzigen Behälter vorzustellen – aber das ist halt mein Problem. Seufz. – Das Kaffeetrinken im Anschluss entwickelt sich gut, wir kommen ins Gespräch, die Bewirtung ist voll okay, die Beerdigungssuppe mundet nach dem Nachwürzen echt gut, der Stachelbeerkuchen ist sauer aber ich mag das sehr. Fein. Irgendwann am späten Nachmittag löst sich die Gesellschaft auf, es geht heim und wir lassen den Tag ausklingen. Ich rauche eine schwägerliche Zigarre auf der Lounge zu Ende bis die Kühle mich ins Haus treibt. Wir lesen die Trauerkarten, nehmen dankbar ein paar Spenden für Blumenschmuck entgegen und freuen uns über die mitfühlenden Kartenbotschaften. Danke!!! – Der Abend rauscht an uns vorbei bis das Seniorenbett ruft. Der Schlaf macht seine Sache gut und beendet so in liebevoller Weise diesen nicht leichten Tag.

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16.000 Tage

Zu überaus verträglicher Zeit fahren wir mit Foxi zu einem Arztbesuch nach Helmstedt. In Wolfsburg geht das nicht, beschämend für eine Kommune, die sich brüstet „Großstadt“ zu sein. Da gibt es wohl noch einige Defizite 😢🤔. Helmstedt ist ein uriges Städtchen, enge Straßen, überraschend ausgewiesene Taxenplätze und eine Adressvergabe, die staunen lässt. Wenn eine Praxis einer Straße ‚zugeteilt‘ wird aber in Wirklichkeit an der durch Häuserblöcke deutlich getrennten Parallelstraße liegt, grenzt das ja fast schon an Irreführung Unbedarfter. Aber egal, wir haben sie gefunden und Foxi umgeparkt. Recht schnell sind wir abgefertigt und genießen bei wunderschönem Wetter die Heimfahrt. Foxi freut sich offensichtlich darüber einmal längere Strecken fahren zu dürfen. – Am Nachmittag richten wir das Wohnzimmer besuchsfertig her, bezahlte Rechnungen wandern in die Ablage, die Kontoentwicklung würdigen wir kritisch und innerlich stellen wir uns auf den morgigen Tag ein. Da kommt etwas auf uns zu. – Den Abend gestalten wir entspannend, ich mit ein wenig Bauchgrimmen vor morgen. Ein Gutes hat der Tag aber doch – wir sind heute 16.000 Tage verheiratet, sagt meine App. Ein rundes, eigentlich feierwürdiges, Ereignis. Leider kommt es zu einem nicht ganz so passenden Zeitpunkt. Man nicht alles haben.

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