Die Lounge

Feiertag: ausnahmsweise genehmige ich mir ein Frühstück. Draußen strahlt die Sonne vom Himmel und drinnen hagelt es Absagen zur Studierstube. Schade. – Wir bauen unsere Sommerlounge wieder auf. Trotz Abdeckung haben viele Blätter und ein paar kleine Zweige den Weg unter die Möbel gefunden. Wir fegen, legen die Balken an ihre Plätze, holen die Windschutzfolien aus dem Keller und montieren sie. Ein Sessel zeigt erste Vergänglichkeitszeichen, das ist zu bedauern aber kaum zu verhindern in dieser vergänglichen Welt. Die Polster und der Insektenschutz sollen morgen folgen. Der Freitag rückt näher und auch der Sonntag ist nicht mehr fern. Ein Freund übernimmt die Moderation im Abendgottesdienst, das ist supernett, denn sonst hätte ich das ebenfalls stemmen müssen; das wäre zwar nicht schlimm aber doch ein wenig belastend in meiner Situation. Nach einer letzten Korrektur an meiner Predigt, der Schluss gefiel mir bislang nicht so recht, beginnt der Abend mit Wismar, etwas später gefolgt von Münster, dazu lesen und sinnieren. Es wird spät, der Schlaf lässt auf sich warten und die Nacht fällt wieder mal kürzer aus. Dann ist das so.

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Hochgerüstete Fettzellen

Mein ärztlicher Jahres-Check steht heute an. Ich glaube ein Teilcheck mit Ultraschall reicht aus, meine Ärztin wünscht eine Ergänzung mit Dauerblutdruckmessen und ein Belastungs-EKG. Letzteres werde ich mir noch stark überlegen – für die absolut lästige Armfolterschlafkilleranwendung vereinbare ich einen Termin. So ein Arztbesuch kostet Geld und bringt nur bekannte Erkenntnisse: mein Lebendgewicht ist wie mein Blutdruck zu hoch. Das weiß ich selbst. Leider scheiterten bislang alle Gegenmaßnahmen an meinen hochgerüsteten Fettzellen. Inzwischen ist mein diesbezüglicher Optimismus einer starken Skepsis gewichen, kurz vor „das bringt doch alles nichts“. Gut ist das nicht. – So sehr ich unseren ID.4 schätze, in der Waschanlage könnte ich ihn prügeln – die eigentlich ganz nette Lenkradschaltung macht das Einlegen des Leerlaufs zum Geduldsspiel, ein echtes Defizit. Anschließend glänzt Tiger wieder und schnurrt zufrieden vor sich hin. – Nachmittags stehen die allmonatlichen Kontokontrollen auf meiner To-Do-Liste. Bei allen Ausgaben sind die Einnahmen doch recht erfreulich für zwei einfache Pensionisten bzw. Rentner. Danke, HERR! – Abends sprechen wir bei Bibel und Brot über Vergebung, die fünfte Bitte im Vaterunser. Ich freue mich über die bunt gemischte Zusammensetzung der Gruppe und die unterschiedlichen Beiträge. – Mord mit Aussicht bildet dazu einen starken Kontrast, lustig bis albern, mitunter so, dass ich vorspule. Heute überkommt mich die Müdigkeit recht frühzeitig und so finde ich mich schon gegen Mitternacht im Nachtlager wieder. Der Schlaf arbeitet gut, die Traumsequenzen sind dagegen eher verwirrend – ich sollte nicht so viel lesen und fernsehen, sondern lieber auf der Terrasse bei einem guten Glas Wein ein Pfeifchen schmöken. Das beruhigt, wenn nur Leber und Lunge dabei nicht zu benachteiligt würden. Gute Nacht.

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Service- contra Onlinewelten

Eine terminreiche Woche nimmt ihren alltäglichen Anfang. Wir betreten die Sparkasse, eine lange Schlange an nur einem geöffneten Schalter begrüßt uns. Nun ja, wir haben einen Termin, greifen uns eine Mitarbeiterin und sagen es ihr. Die Antwort ist seltsam: „Nehmen Sie bitte im Warteraum Platz. Aber jetzt kann ich nicht Bescheid sagen.“ ??? Kann nicht? Wir warten geduldig 10 Minuten. Nichts tut sich. Meine energische Begleiterin fragt im nächstgelegenen Büro nach. Es ist die Chefin. Sie kann tatsächlich (!!!) unsere Ansprechpartnerin informieren und ein paar Minuten später können wir alles sehr gut erledigen. Wunderbare Servicewelt 😠😉. – Ich begebe mich im Anschluss in unsere Gemeinde und schwinge den Staubsauger durch die Räume. Dazu höre ich die Sonntagspredigt aus Bremen und einen Vortrag von Roger Liebi. Mein Rücken ist allerdings nicht so besonders gut drauf. – Am Nachmittag bereinige ich die Kontenabfrage in meiner Finanzsoftware. So toll dieses Tool ansonsten arbeitet, bei den Grundanpassungen ist noch viel Luft nach oben. Aber es gelingt. Alles ist gut. – Wir organisieren die Bezahlung für das Kaffeetrinken nach der Bestattungsfeier. Erstaunlich was so etwas heutzutage kostet. Is wie is. – Ein wenig lesen, ein wenig Solitaire und YouTube also ein stinknormaler Abend. In der kalten Jahreszeit bin ich ja ein passionierter Drinnenbleiber. Ich freue mich schon auf künftige Terrassenzeiten mit Freunden, dazu Rosé oder Almdudler, eventuell ein Pfeifchen, nette Aussichten. Ein Theaterbesuch, ein Musical oder Kino sind für uns beide wenig reizvoll. Es wird nicht sehr spät und der Schlaf liefert ein eher durchschnittliches Arbeitsergebnis.

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Surfen und schlürfen

Nach dem Frühtau frühstücken wir wie jeden Sonntag. Dann geht es zum Gottesdienst. Unsere Jugendpastorin predigt eindrücklich über das geistliche Wachstum. Wir können uns nur sehr spät nach etlichen Gesprächen von unserer Gemeinde lösen. Die Sonne scheint prächtig, endlich wieder ein kräftiger Hauch von Frühling. – Nach der Mittagspause, die recht lange dauert, halte ich meine Predigt einer aufmerksamen Zuhörerin, die mir gute und liebevolle Tipps gibt. Wie schön, wenn man so eine Aufgabe vorbereitet hat, jetzt muss ich sie nur noch in der Gemeinde vortragen. Ich vertraue da voll auf meinen Herrn und Heiland, dass er mit mir ist. – Abends lerne ich mancherlei über Blitze, staune über Monsterwellen und bin bar jedes Verständnisses für Menschen, die in diese hinein surfen, keine Ahnung was das soll. Beim dritten Teil schließlich, wo sich wieder einmal ein wagemutiges Team in Lebensgefahr diesmal einem Vulkankrater nähert, schalte ich aus. Die kommen sich allesamt ach so gut und toll dabei vor – sollen sie doch, meinetwegen, halt ein PaL*. Ich riskiere dagegen meine Gesundheit in Maßen mit einer Scheurebe und ein wenig gut abgelagertem KWV. Die einen surfen in Monsterwellen und andere schlürfen den Rebensaft. 😉😀 – Nun ein wenig lesen und ein bisschen Solitaire und schon wieder ist es spät. Der Schlaf steht bereit und leistet eine exzellente Arbeit. Klasse.

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Von der Rolle

Ich bin wohl doch ein wenig von der Rolle. Die Woche zischt übermäßig schnell vorbei. Meine Arbeiten, die ich eigentlich machen sollte, bleiben oft liegen, eine innere Unruhe erfasst mich immer wieder mal. Ist das meine Art zu trauern? Oder kann ich gar nicht so recht trauern und bin deshalb so beunruhigt? Null Ahnung. Aufraffen kann ich mich nur ab und an und selbst das ist halbherzig, kurz und schlecht, ich bin mit mir unzufrieden. Wenn das nur Wirkung zeigen würde! Tut es aber nicht. Am allerliebsten würde ich jetzt durch die Karibik kreuzen. Seufz – schon wieder mein Lieblingsthema. Glücklicherweise passt sich unser Wetter dem dortigen so langsam an. Weiter so! – Abends lese ich wieder mal und schaue mit einem halben Auge irgendwelchen Königshäusern beim agieren, flanieren und intrigieren zu. Monarchen sind offensichtlich ein sehr eigenes Völkchen. Sollen sie doch, solange wir keinen dieses Spezies alimentieren müssen, ist das okay. Spät geht es ins Seniorenbett, noch viel später kommt der Schlaf.

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Beerdigungsfeierplanungsgespräch

Nach nur einer Tasse Kaffee brechen wir nach Reislingen auf. Mit meiner Schwester besuchen wir dort die Pastorin Vornkahl, eine äußerst nette und aktive Persönlichkeit. Es ergibt sich ein feines Gespräch über Mutti, über ihre Art, ihren Charakter und allerlei familiäre Ereignisse. Wir verlassen sie in guter Hoffnung auf eine angemessene Beerdigungsfeier. Daheim fällt mir noch ein Bibelvers ins Auge, den die Eltern zur goldenen und diamantenen Hochzeit gewählt hatten. Der soll uns bei Muttis Beerdigung ebenso begleiten. – Nachmittags feile ich ein wenig stark an meiner Predigt herum, neue Gedanken sind einzubauen und ersetzen zum Teil die bisherigen. Ich sehne so langsam das „Haltedatum“ herbei, denn mir fällt immer wieder Neues ein – so komme ich ja nie zu einem fertigen „Produkt“. – Abends schauen wir dem Alten beim Recherchieren zu, ein Fall in dem, wie sich am Ende herausstellt, eine Braut ihren Bräutigam am Tag ihrer Hochzeit ermordet. Die Ehe wäre vermutlich sowieso gescheitert 😉. Die erste Folge eines Zweiteilers aus der Karibik ist nicht weniger skurril, das zeigt sich aber erst im zweiten Teil und der kommt nächste Woche. Ich kenne beide aber ich mag die Karibik. – Fatalerweise fange ich einen neuen Krimi an und lese mich fest. So wird wieder sehr spät, was offensichtlich droht zur Gewohnheit zu werden. Im Seniorenbett verweigert mir der Schlaf seine Dienste und lässt sich nur schwer überreden meinen Körper in die erholsame Ruhe zu versenken. Die Träume wirken diesmal total realitätsnah – erschreckend sogar beim Aufwachen! Was für eine Nacht!

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Mutti und Hauskreis

Morgen erwartet uns das Trauergespräch bei der Pastorin. Ich schnappe mir also alle Unterlagen über Mutti und recherchiere erst einmal ihren Lebenslauf. Eigentlich erstaunlich was ich alles nicht weiß. Sie hatte eine arg bewegte Kindheit mit einer Mutter, die ein Jahr nach ihrer Geburt starb, vier Schwestern und einen Bruder, mit dem sie sich bestens verstand. Und der verunglückt im Alter von 12 Jahren tödlich in einer Mühle. Dazu kommt eine Stiefmutter, die mit Kindern wenig im Sinn hatte, ein Zwangsjahr auf dem Bauernhof, ihre Ausbildung im Krieg und die harten Wiederaufbaujahre. Sie heiratet Anfang der fünfziger Jahre, ist Mutter dreier Kinder, die sie mit wenig Geld aber viel Zuwendung aufziehen musste. Erst als Vati beruflich so richtig Fuß gefasst hatte, ging es flott aufwärts mit Waschmaschine, Fernseher und Urlaubsreisen. – Am späten Nachmittag bin ich damit durch, löse mich langsam aus den Erinnerungen und sehe dem Hauskreis entgegen. – Es entsteht eine antriebsschwache Diskussion, nicht schlecht aber ein wenig munterer wäre schon schön. Erst beim „Nachgespräch“ entwickelt sich das Miteinander intensiver, was mich zwar nicht überrascht aber immer erneut verblüfft. Es wird sehr spät, den Gastgebern nötigen wir viel Geduld ab. Daheim muss ich erst einmal abschalten und meinen Geist runterfahren bevor ich ans Schlafen denken kann. Ob das am Alter liegt?

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Ich habe fertig!

Heute stelle ich meine Predigt fertig. Während meine Liebste im Seniorenkreis weilt, beschäftige ich mich mit dem Zorn Gottes. Stark, welche Gedanken mir so kommen, ich staune. Natürlich verwerfe ich wieder einen Teil, schreibe neu, ergänze und bin gewiss, dass diese Vorstellung Gottes aus der Bibel manchen nicht gefallen wird, die sich ein eigenes Gottesbild gezimmert haben. Glücklicherweise habe ich ebenfalls nicht „die Weisheit mit Löffeln gefressen“, irre mannigfaltig und lasse mich durchaus belehren – aber eben aus dem Wort Gottes heraus und nicht aus menschlichen Gefühlen und Wünschen. Wunschdenken hat mit der Bibel nichts zu tun. Ich bin jedenfalls gespannt auf die Reaktionen, falls es mir gegenüber überhaupt welche gibt. Andererseits stoßen sich manche am „Zorn Gottes“, wollen ihn am allerliebsten aus der Bibel streichen obwohl er sowohl das Alte wie das Neue Testament durchzieht. Wir Menschen basteln uns halt am liebsten unseren eigenen Gott. Die Bibel nennt das Götzendienst. – Den Abend kann ich ganz entspannt genießen, die „Predigtlast“ ist zum größten Teil gewichen. Ich habe fertig. Wenigstens inhaltlich. Es folgt der übliche Abendablauf, begleitet von ein wenig unüblichem Rosé als Sommerabendvorbote trotz eisiger Temperaturen draußen aber immerhin wohliger Kaminwärme innen. Es wird üblich spät, der Schlaf gestaltet sich gewöhnlich mittel. Is wie is.

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